… kein Veganblog?

Wie schon erwähnt, bin ich Veganerin. Natürlich könnte ich nun einen Blog machen, in dem ich erzähle, wie toll Veganismus ist und weshalb die ganze Welt vegan werden sollte; meinetwegen kann aber jeder essen, was er will – solange man mich auch essen lässt, was ICH will.

Andere Menschen würden mich eventuell nichtmal als Veganerin, sondern als Flexitarierin bezeichnen, weil ich durchaus auch mal vegetarisch esse, wenn es keine veganen Optionen gibt. Mir ist im Grunde egal, wie mein Essverhalten betitelt wird; viele Jahre nannten es Personen, die es überhaupt nichts angeht, einfach nur „komisch“.

Dass ich einmal als Veganerin enden würde, hätte ich nicht gedacht. Ich habe Fleisch geliebt – meine Oma nannte mich sogar liebevoll ihre „fleischfressende Pflanze“. Menschen, die kein Fleisch aßen, waren mir ein Rätsel. Solche, die überhaupt keine tierischen Produkte konsumierten, wollte ich gar nicht erst kennen. Wie das Leben so spielt, sucht man sich aber diejenigen, die man kennenlernt, nicht immer aus; ich hatte plötzlich Vegetarier als Freunde, die nach und nach anfingen, sich vegan zu ernähren. Ich wäre nicht ich, hätte ich einfach mitgemacht; ich wollte meinen Freunden beweisen, dass Veganismus total schwachsinnig ist. Dass sie Quatsch reden, wenn sie mir was von sexen erzählen (Du hast keine Ahnung, was das ist, wüsstest es aber gerne? Der folgende Wikipedialink hilft dir. https://de.wikipedia.org/wiki/Sexen). Dass es auch nicht stimmt,  dass für Milch Tiere sterben (Ja ja, ist echt so, dachte ich auch nicht. Willst du dazu mehr wissen? Peta klärt auf. http://www.peta.de/milch-hintergrund). Und selbst wenn meine Freunde vielleicht doch Recht haben könnten – mir egal. Aus Prinzip.

So kam es, dass ich mich im Dezember 2013 dazu entschloss, einen veganen Rebellionsmonat durchzuziehen. Weil ich mich nach wie vor nicht mit dem Thema auseinander setzen wollte, wählte ich den leichten Weg; ich kaufte mir Attila Hildmanns Buch „Vegan for fit“. Nicht nur, dass es vegane Rezepte für sämtliche Mahlzeiten bereithält, nein, es achtet auch noch auf lowcarb. Ist mir egal, fand ich aber für einen Monat okay und simpler, als erst ewig zu recherchieren, wie ich mich denn vegan ernähren kann. Schließlich kann man als Veganer gar nichts mehr essen, nicht wahr?

Das Buch war wirklich gut geeignet, um ohne viel eigene Denkarbeit 30 Tage lang vegan zu kochen. Ich esse allerdings gerne Zucker, was ich seitdem noch sicherer weiß, als es eh schon der Fall war. Erstmal bestätigte sich auch das gängige Vorurteil, Veganismus sei teuer – ich kann mich nicht entsinnen, jemals soviel Geld für Nahrung ausgegeben zu haben wie in diesem Dezember. Wie ich mittlerweile weiß, lag das ganz einfach am Konzept des Buches; nach beinahe drei Jahren veganer Ernährung gebe ich so wenig Geld wie nie zuvor für Nahrung aus – Pflanzen kosten einfach nicht viel.

Nach 30 Tagen Veganismus, den ich nur für Weihnachten unterbrach, machte ich eine erschreckende Feststellung. Es ging mir gut. Es ging mir besser als zu Beginn des Monats. Ich schlief unglaublich gut und war innerlich ruhiger. Ich war ausgeruhter. Meine Haut war noch reiner und weicher als zuvor. Mein Nahrungsspektrum hatte sich unglaublich erweitert; Veganer essen nicht nichts. Ganz im Gegenteil, sie essen viel mehr als Ominvore (gemeinhin sind das diejenigen, die als „normal essend“ gelten). Nun. Was tun? Meinen Freunden sagen, dass sie Recht hatten? Niemals! Wo kämen wir denn da hin? Zugeben, dass ich gar keine Gelüste nach Milch, Ei, Käse und Co. hatte? Verkünden, ich sei nun Veganerin? Ich entschied mich dafür, öfter mal vegan zu essen, mir aber tierische Produkte, auch Fleisch, zu erlauben, wenn ich es wollte. Aber bewusster. Irgendwie kochte ich nun allerdings aus Versehen ständig vegan; Fleisch machte mich nicht mehr so richtig an und statt Sahne hatte ich schon vorher lange Sojasahne benutzt. Fettgehalt und so; wer braucht Cremefine, um den zu senken, wenn es auch Sojasahne gibt? Käse und ich waren noch nie gute Freunde, auch das fiel mir also leicht. Ohne Fleisch aß ich automatisch so gut wie vegan.

Ungefähr eineinhalb Monate nach Ende meines Rebellionsmonats kam der Tag, an dem Fleisch essen für mich offiziell vorbei war. Ich war mit meinen Eltern und meiner Schwester verabredet, um Essen zu gehen. Das Lokal bot vegane Optionen, ich hatte aber unglaublich Lust auf ein Gericht mit Schweinemedaillons; ich hatte sowas so lange nicht gegessen und die Vorstellung war unglaublich gut!
Nun, Vorstellungen trügen manchmal leider. Das erste Schweinemedaillon war noch lecker. Es war ungewohnt, wieder Fleisch zu essen, aber lecker. Das zweite Medaillon ging schon nur noch mühsam in mich rein; die ganze Zeit dachte ich daran, dass ein Tier umsonst gestorben ist, wenn ich das jetzt nicht esse. Nicht einfach nur zu meinem Vergnügen. Nein. Komplett umsonst. Das war gruselig, denn vorher hatte ich solche Gedanken nicht; der moralische Aspekt des Veganismus hatte für mich bis dahin keinerlei Rolle gespielt. Das dritte Medaillon konnte ich beim besten Willen nicht mehr essen. Es schmeckte unglaublich intensiv nach Tier, die Konsistenz war befremdlich und ich hatte vor Augen, dass das mal ein lebendes Tier war. Ein Tier, so wie meine Katzen. Das Geräusche macht, sich wälzt, kuschelt, frisst. Naja. Mal gemacht hatte, schließlich war es schon tot, weil ich fand, es könnte geil schmecken. Für mich begann als Konsequenz ein veganes Leben, damit ich keine anderen Lebewesen mehr zu meinem Vergnügen töten lasse.

Mehr gibt es für mich nicht zum Veganismus zu sagen; es ist einfach eine Facette meiner Persönlichkeit, die keinen eigenen Blog verdient – es gibt wohl auch genügend Veganblogs.

Fragst du dich nun, wieso ich Katzen habe, obwohl ich vegan lebe? Dazu äußere ich mich demnächst.

Vegan

 

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12 Gedanken zu “… kein Veganblog?

    1. Vielen Dank! 🙂 Habe gerade einen deiner Beiträge gelesen, ich muss wohl mal etwas bei dir stöbern, las sich nämlich gut. 🙂

      “Jedem das Seine“ habe ich übrigens aus meinem Wortschatz gestrichen, da dieser Spruch über dem Tor des KZ Buchenwald hing und ich, wie viele Andere, es daher negativ lese. 🙂

      Gefällt 1 Person

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