… kein Shampoo?

Nicht, dass jetzt jemand denkt, ich wasche meine Haare nicht. Ich wasche sie. Allerdings nicht mehr jeden zweiten Tag, wie früher, und nicht mehr mit herkömmlichem Shampoo.

Wie ihr schon wisst, spielte Moral für mich keine Rolle, als ich mich dem Veganismus zuwandte (Weißt du nicht? Hier ist der Beitrag dazu: https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/10/kein-veganblog/). Irgendwann erreichte ich jedoch den Punkt, an dem ich hinterfragte, wieso ich kein Tier mehr esse, mich aber damit wasche. Mich damit eincreme. Mir damit sogar die Zähne putze. Wenn man mal darüber nachdenkt, ist das eigentlich richtig ekelhaft. Wir betreiben Körperpflege, indem wir uns tote Tiere auf den Körper schmieren. Selbst Neugeborene werden damit eingerieben; das empfinde ich als große Ironie.

Ich fing also an, vegane Kosmetik zu kaufen. In der heutigen Zeit ist das eine Leichtigkeit, stellte ich fest. Ich hatte Sorge, nur noch im Biomarkt einkaufen zu können oder aber Ewigkeiten vor dem Regal zu stehen, um dann endlich ein einziges veganes Produkt zu finden. Als ich dann jedoch in der Drogerie stand und schon anfangen wollte, Inhaltsstoffe zu lesen, entdeckte ich zu meiner großen Freude, dass es bereits als „vegan“ gekennzeichnete Produkte gab. Weil ich zu der Zeit noch total auf synthetische Duftstoffe in Körperpflegeprodukten stand, kaufte ich direkt mal mehrere Duschgele, Cremes und Shampoos. Das ist zwei Jahre her und ich arbeite immer noch daran, die letzten Tuben aufzubrauchen; die dürfen immer mit ins Fitnessstudio oder auf Reisen.

Auf tierische Inhaltsstoffe in Kosmetik zu verzichten, fühlte sich gut an. Ich musste nicht mehr daran denken, was ich da gerade auf mir verreibe. Anfangs zumindest. Weil meine Gedanken einfach nie Ruhe geben, kam dann jedoch die Frage in mir auf, warum eigentlich so viele Inhaltsstoffe in einem Shampoo sind. Und warum stand eigentlich plötzlich auf vielen Flaschen „Ohne Silikone und Parabene“? Was Google zu dem Thema zu sagen hatte, war eher schwammig und zur Meinungsbildung meinerseits nicht geeignet. Ich hätte also einfach meine gewohnten Produkte weiterbenutzen können; mein Bauch sagte aber, ich solle es lassen. Ich habe gelernt, dass der erstaunlich oft Recht hat, also machte ich mich auf die Suche nach Alternativen.

Das Ergebnis? Zurück zum Ursprung – feste Seifen!

Seife

Seifen in der uns bekannten Form gibt es bereits seit dem siebten Jahrhundert; irgendwie sind sie jedoch in Vergessenheit geraten. Ich mochte früher immer das Gefühl des Seifenstücks in der Hand, wenn ich bei meinen Großeltern war – sie waren die einzigen mir bekannten Menschen, die sowas noch benutzten. Ich fing klein an; zwar wollte ich weg von Shampoos mit mir nicht geheuren Dingen drin, aber Haarseife kam mir befremdlich vor. Also erstmal Seife zum Hände waschen. Auch bei Seife gibt es eine große Auswahl veganer Produkte; gekennzeichnet und für weniger als einen Euro pro Stück; das ist dann logischerweise nicht die qualitativ hochwertigste Seife, reicht für den Anfang aber meiner Meinung nach – man muss erstmal ausprobieren, ob man es mag.
Mit der festen Seife Hände zu waschen machte Spaß. Es fühlte sich immer noch so gut an wie damals in Omas und Opas Badezimmer. Eines Tages nahm ich einfach mal ein Stück Seife mit unter die Dusche; was für die Hände geht, muss doch auch für den Rest des Körper in Ordnung sein? Je nach Seife wird die Haut relativ trocken, aber mit ein bisschen Rumprobieren fand ich Seife, die meine Haut nicht austrocknet, toll riecht und ewig hält. Meine Lieblingsseife ist Moringa vom Bodyshop; auf den Duft zu verzichten, hätte mir wirklich weh getan, umso mehr freute ich mich, dass es ihn auch in fester Form gibt.

Nachdem meine Erfahrungen mit Körperseife durchweg positiv waren, traute ich mich an Haarseife heran. Wo kauft man sowas? Natürlich kam mir Lush in den Sinn. Nachdem ich endlich meine Abneigung überwunden und den Laden betreten hatte (es riecht einfach viel zu stark dort; ich kann da nicht lange bleiben und meide den Laden daher), war ich von der Haarseifenauswahl nicht allzu angetan. Die meisten rochen seltsam und ich hatte Sorge, dass meine Haare hinterher auch so riechen würden (Nachtrag nach einem halben Jahr: Mittlerweile weiß ich, dass Lush nur feste Shampoos verkauft, keine richtige Haarseife!). Ich nutzte also mal wieder das Internet – auf der Seite http://www.naturseifen-manufaktur.de/ wurde ich fündig. Mir gefiel, dass die Seifen in der Uckermark und nicht auf der anderen Seite der Welt gefertigt werden und eine extra Seite mit veganen Seifen vorhanden war (Achtung, auch auf der Seite gibt es teilweise feste Shampoos!). Nur eine Seife zu bestellen, fand ich unökonomisch; Haare waschen muss ich sowieso immer, also nahm ich gleich mehrere. Man kann wählen, ob man sie in einer wiederverwendbaren Aludose bekommen möchte oder lose; auch das gefiel mir, schließlich löst es das Problem des Mitnehmens.

Das erste Mal Haare waschen mit Haarseife war seltsam. Sie schäumen nicht so doll wie Shampoo (der Schaum hat übrigens keinerlei Reinigungseffekt; im Grunde ist es ein Marketingtrick, um uns eine hohe Wirksamkeit zu suggerieren) und meine Haare fühlten sich nass extrem strohig und verfilzt an; ich dachte, ich kriege sie nie mehr glatt. Sobald sie jedoch trocken waren, hatte ich glänzenderes, glatteres Haar als jemals zuvor. Es war sogar leichter kämmbar; normalerweise konnte ich nur nach der Verwendung eines Riesenkleckses Spülung meine Haare halbwegs entwirren. Ich blieb also bei der Haarseife. Die Bestellung ist jetzt etwa eineinhalb Jahre her und ich habe immer noch keins der Stücke aufgebraucht; hätte ich im Vergleich dazu vier Shampooflaschen gekauft, hätte ich bereits mehrfach Nachschub gebraucht. Das restliche Shampoo, das ich noch habe, benutze ich nur noch sehr selten und in winzigen Mengen. Ich habe das Gefühl, meine Haare werden davon richtig schwer und fetten schnell.

Als in meinem Umfeld durchsickerte, dass ich jetzt feste Seifen benutze (die übrigens auch besser abbaubar sind als Flüssigseifen), hatte ich erstmal wieder den Ruf, ein Spinner zu sein, weg. Das macht nichts, denn damit zu spielen, macht mir großen Spaß. Mehr dazu erzähle ich euch am Mittwoch im nächsten Beitrag.

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13 Gedanken zu “… kein Shampoo?

  1. Hey, ich bin auch auf den Festes-Shampoo-Zug aufgesprungen! Da meine Kopfhaut sehr sensibel ist, hatte ich nach Alternativen zu den Shampoos, die ich sonst immer benutzt hatte, lange gesucht.
    Ich habe jetzt eine von Lush, die „Soak and Float“ und meine Kopfhaut ist wirklich besser geworden!
    Ich werde auch mal bei der Naturseifen Manufaktur vorbei schauen. Danke für den Link!

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    1. Hey Julia! Lush hat ja meines Wissens keine klassische Seife für die Haare, sondern nur festes Shampoo, oder? Also im Grunde sehr ähnliche Inhaltsstoffe, aber eben in fester Form. Da bin ich mal gespannt, wie du dann „richtige“ Haarseife findest, würde mich freuen, wenn du berichtest!

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  2. Jepp, ich greife auch immer mehr zu solchen Artikeln. Zahnpasta, Shampoo, Duschgel, Nagelcreme, Nagelhärter, Reinigungsmittel zum Putzen…:-) gibt tolle Sachen, und auch nicht zwangsweise überteuert. Gern zahle ich auch etwas mehr für solche Dinge, allerdings sollte es noch im Rahmen bleiben !

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    1. Ja, ich zahle da auch durchaus bereitwillig mehr. Wobei einiges auch weniger kostet; statt Weichspüler kann man ja z.B. auch Essig benutzen, hat den gleichen Effekt, aber ist nicht so schädlich und voller obskurer Inhaltsstoffe.

      Gefällt 2 Personen

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