… nie wieder Tampons?

Tampons, diese herrlichen in Form gepressten Wattebäusche, kommen mir nicht mehr ins Haus; ich benutze eine Menstruationstasse. Wer sich nun fragt, wie ich dazu komme, überhaupt über dieses Thema zu schreiben, schließlich ist das superduperekelig ih bah, wie kannst du nur?! (Alleine das Wort Menstruationstasse!), dem sei gesagt: Wir leben im 21. Jahrhundert, werden täglich mit Bildern nackter Menschen bombardiert, schauen uns an, wie B – Promis Tierhoden essen, tabuisieren aber nach wie vor einen wichtigen Teil des weiblichen Körpers – die Menstruation. Monatshygieneartikel, wie der Oberbegriff so schön heißt, gehören da nunmal zu. Ich weigere mich, ein Thema, das beinahe jede Frau viele Lebensjahre begleitet, totzuschweigen. Wie Papa immer so schön sagt: „Ich mache mir die Hose nicht mit der Kneifzange zu.“.

Denken wir zunächst einmal darüber nach, welche Monatshygieneartikel (Ich liebe dieses wahnsinnig bekloppt klingende Wort einfach!) uns für gewöhnlich zur Verfügung stehen und von den meisten Frauen benutzt werden. Solltest du männlich sein und noch weiterlesen, solltest du wissen, dass ich gleich Dinge beschreibe, die du vielleicht nie über Frauen wissen wolltest. Vielleicht hilft es aber auch, zu verstehen, warum man sich in der Menstruation oft unwohl fühlt. Nun, da alle gewarnt sind, zurück zum Thema – gängige Monatshygieneartikel.

Monatshygienartikel

Zum Einen haben wir da die Slipeinlage. Praktisch, wenn es darum geht, kleinere Flüssigkeitsmengen aufzufangen; kann man auch ganz gut tragen, ohne sie zu bemerken, klebt aber oft nicht so toll in der Wäsche und verrutscht dann vorzugsweise an der Stelle, wo sie etwas auffangen sollte; ist ein bisschen wie mit dem Butterbrot, das immer auf der gebutterten Seite landet. Wer diesem Erlebnis vorbeugen will, kauft Slipeinlagen mit Flügeln; die klappt man um und klebt sie an der Unterseite der Wäsche fest. Klappt manchmal. Manchmal kleben sie aber auch einfach nicht so lange, wie sie sollen und nerven dann.

Dann wäre da noch die Binde. Ein dickes Teil aus Vlies – oder Holzzellstoff, von der Rückseite ebenfalls beschichtet mit Klebstoff. Damit man das Problem des Verrutschens nicht hat, gibt es auch hier die Option, Produkte mit Flügeln zu kaufen. Die halten übrigens nicht besser als die der Slipeinlage. Binden können, im Gegensatz zur Slipeinlage, recht große Flüssigkeitsmengen auffangen. Haben sie das erstmal getan, ist das Gefühl, sich in eine vollgepinkelte Windel zu setzen, immer wieder schön. Diese liebliche Feuchtigkeit, die sich an deine Genitalien schmiegt und dich in Kindertage zurückversetzt. Ein Traum. Auch nicht zu verachten ist das Gefühl, wenn man aufsteht und merkt, wie gerade frisches Blut aus einem heraus läuft. Mhmmmmmmm.

Der Vorteil von Tampons ist, dass man sich weder in frisches Blut setzt, noch bemerkt, wie es aus einem heraus läuft. Kein Wunder, heißt Tampon übersetzt doch Pfropf und ist schlicht und ergreifend nichts anderes als das – ein Pfropf, mit dem man sich verschließt. Nun könnte man meinen, so ein Tampon biete gar keinen Spaßfaktor; falsch gedacht! Schonmal mit einem aus dir baumelnden Bändchen zur Toilette gegangen? Entweder wechselst du den Tampon jedes Mal, was doof ist, falls er noch nicht voll ist – trockene Watte aus der Scheide ziehen ist echt unangenehm, auch bei der kleinsten Tampongröße – oder du nimmst in Kauf, nach dem Toilettenbesuch eventuell ein feuchtes Bändchen rumbaumeln zu haben. Naja, weniger rumbaumeln, es schlängelt sich eher in der Unterwäsche. Macht also fast soviel Spaß wie die Benutzung von Binden. Tampons trocknen zudem die Scheide aus und begünstigen damit Scheidenpilze; auch ein Spaß, den man nicht mehrfach haben möchte. Scheidenpilze sind jedoch harmlos im Vergleich zum Toxischen Schocksyndrom (kurz: TSS), das Tampons auslösen können; Tamponpackungen liegen extra Warnhinweise bei, denen zufolge man bei Auftreten plötzlicher Krankheitssymptome wie Fieber, Blutdruckabfall, Übelkeit, Hautausschlag oder Durchfall die Tamponbenutzung beenden und einen Arzt aufsuchen soll. TSS kann prinzipiell jeden Menschen treffen, wird jedoch durch Tampons begünstigt. Das fand ich schon als Teenager beängstigend und hat mich jeden Monat erneut beschäftigt.

Wer die Umwelt schonen will, kann die genannten Monatshygieneartikel auch als Mehrwegprodukte kaufen; man wäscht sie dann nach Benutzung aus. Das produziert zwar weniger Müll, verhindert aber nicht, dass man den Unannehmlichkeiten der Benutzung ausgesetzt ist. Wer sich auch dieser entledigen will, kann jedoch zur Menstruationstasse greifen.

Menstruationstasse schön

Menstruationstasse – das klingt zunächst einmal nach neumodischem Ökokram. Menstruationstassen wurden jedoch bereits 1867 das erste Mal patentiert; 1937 kamen sie dann so, wie sie heute bekannt sind, auf den Markt. Tampons, wie wir sie kennen, wurden übrigens 1929 erfunden.

Als ich das erste Mal von Menstruationstassen hörte, reagierte ich ähnlich wie auf Veganismus. „Oh.mein.Gott. Freaks!“. Mir reichte alleine das Wort, um mich zu ekeln. Es setzte sich jedoch in meiner unendlich großen Gedankenwelt fest und mit jedem Tampon, der unangenehm saß, weniger aufnahm, als ich erwartet hatte (vermutlich jede Frau kennt die Freude, „auszulaufen“; gerne auch nachts, egal, was die Werbung verspricht) oder beim Rausziehen einfach noch nicht voll genug war, erwog ich mehr, mich einfach mal über Menstruationstassen schlau zu machen.

Wie so oft half mir das Internet. Menstruationstassen bestehen aus medizinischem Silikon, Latex oder TPE. Sie trocknen die Scheide nicht aus. Sie werden nicht im Zusammenhang mit TSS gesehen. Sie haben kein nervtötendes Bändchen (die können übrigens am Tampon auch schonmal abreissen). Eine Tasse kann acht bis zwölf Stunden getragen werden, bevor man sie wechselt; das kommt immer etwas auf die Menstruationsstärke an; in der Zeit hat man schon mehrere Tampons verbraucht.

Den Gedanken, eine Art Kelch, der auf Bildern unglaublich groß aussah, einzuführen und immer wieder zu leeren, fand ich seltsam. Ekelig. Andererseits sehen benutzte Tampons und Binden auch nicht gerade schön aus. Je länger ich darüber nachdachte, desto dööfer kam ich mir vor, dass ich mich vor meinem eigenen Blut ekelte. Ja, es kommt aus meiner Gebärmutter, aber es ist immer noch etwas, was mein eigener Körper produziert hat; warum sollte ich mich davor ekeln? Im Grunde ist das wieder nur etwas, was uns anerzogen wird. Menstruieren ist unrein und es muss sich geekelt werden. Ich schob den Ekelgedanken also beiseite (war eigentlich recht leicht, nachdem ich mir klargemacht hatte, dass ich beruflich fremder Menschen Tumore berühre) und bestellte mir eine Menstruationstasse. Die MeLuna, um genau zu sein. Bei dieser Marke gefällt mir, dass man unterschiedliche Griffe auswählen kann; einige Tassenmarken bieten nur einen Stab an und ich kann mir nicht vorstellen, damit klarzukommen. Ein Ring am Ende der Tasse erschien mir praktischer und griffiger, also fiel meine Wahl darauf.

Eine „Schwestertasse“ der MeLuna gibt es übrigens auch – sie ist, anders als die MeLuna, aus Silikon und trägt den schönen Namen Silja! Leider entdeckte ich sie erst, nachdem ich die MeLuna bereits gekauft hatte. Zugegebenermaßen liebäugel ich alleine wegen des Namens damit, mir eine Zweittasse zuzulegen; wie toll wäre es bitte, eine Tasse mit meinem eigenen Namen zu tragen? Silja in Silja. Wer sich gerne die Tasse mit meinem Namen anschaffen möchte, kann dies auf http://www.silja-cup.com tun.

Die erste Benutzung der Menstruationstasse gestaltete sich als schwierig. Das hatte ich aber nicht anders erwartet; Tampons zu benutzen war für mich anfangs schließlich auch ein Desaster. Da ich die Tasse nicht beim ersten Versuch einzusetzen vermochte, beim zweiten und dritten auch nicht, wartete ich einfach etwas ab, bis ich nicht mehr darüber nachdachte. Der dann folgende Versuch führte zum Erfolg. Mit der richtigen Falttechnik, damit sich die Tasse dann im Körper auffalten und festhalten kann, ist es ganz wunderbar (die möglichen Falttechniken stellt einem das Internet freundlicherweise exzessiv vor; z.B. in diesem Blog: http://www.schoenemens.de/2015/01/23/ultimative-anleitung-fuer-deine-menstruationstasse/). Zum Rausnehmen muss man etwas pressen und sie mit den Fingern lösen. Ist sie raus, kippt man das Blut weg, spült die Tasse aus und setzt sie wieder ein. Am Ende der Menstruation kocht man sie aus und tadaaaaa – im nächsten Monat kann man sie wieder benutzen. Bei guter Pflege hält eine Menstruationstasse zwischen zehn und fünfzehn Jahren.

Auch mit der Menstruationstasse kann es mal passieren, dass etwas daneben geht; manchmal ploppt sie nicht ganz auf. Mit etwas Übung wird das aber immer seltener. Für unterwegs kann man sich eine kleine Plastiflasche mit Wasser einpacken, um die Tasse auch in Toiletten ohne eigenes Waschbecken in Ruhe auszuspülen.

Ich bin froh, mich meinen Vorurteilen gestellt und die MeLuna gekauft zu haben; man bemerkt sie nicht und die Menstruation ist einfach viel angenehmer als mit allen anderen Monatshygieneartikeln, die ich je benutzt habe. Wo ich gerade dabei bin – mit Vorurteilen könnten wir uns eigentlich generell mal beschäftigen. Das werde ich wohl Dienstag tun.

Für Interessierte hier noch eine kleine Liste mit Onlineshops für Menstruationstassen (ich kriege übrigens nichts für diese Werbung; lediglich vom Siljashop wird eventuell mein Beitrag geteilt, aber die Silja hätte ich so oder so noch hier erwähnt, weil das einfach so unglaublich ist); ich kann nur meine Erfahrung mit der MeLuna weitergeben; diese ist sehr gut und die Größenberatung auf der Homepage hat mir sehr geholfen. Wer sich vorstellen kann, eine Tasse mit Stab zu benutzen und dabei noch etwas Gutes tun möchte, kann sich den Rubycup bestellen – pro verkaufter Menstruationstasse wird eine nach Kenia gespendet, damit Mädchen und Frauen dort auch während der Menstruation ungehindert das Haus verlassen können; leider sind dort Monatshygieneartikel auch heute nicht für jede Frau verfügbar, so dass die Menstruation immer noch mit einer Stigmatisierung einhergeht.

http://www.ruby-cup.com/de/start/; http://www.me-luna.eu/; http://divacup.com/de/#; https://www.lunette.com/de/

Ebenfalls für Interessierte eine nachträgliche Anmerkung:

Da ich von einigen Tassenbenutzerinnen angeschrieben wurde, ergänze ich den Beitrag um die folgende Information; es gibt Frauen, denen zur Bestimmung der für sie passenden Menstruationstasse die Herstellerangaben nicht ausreichen. In diesem Fall kann man sich in der Facebookgruppe „Menstruationstasse“ sowie unter http://www.ladyways.de beraten lassen. Es werden dann noch der Sitz des Muttermundes an den Menstruationstagen, die Beckenbodenmuskulatur sowie die genaue Blutungsstärke berücksichtigt.
Da ich selber mit dieser Beratung keine Erfahrung habe und für mich die Herstellerangaben ausreichend waren (ich denke auch, dass ein Hersteller schon wissen wird, was nötig ist, um die richtige Tasse zu finden, aber das muss jeder für sich entscheiden), kann ich keine Empfehlung oder Warnung aussprechen; ich nehme aber an, wenn etwas angemerkt wird und denke, dieser Punkt ist eine Erwähnung wert.

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25 Gedanken zu “… nie wieder Tampons?

  1. Klasse Soja
    Daran ist nichts ekelig. Wir Frauen bluten nun mal. 🙂
    Ich bin davon befreit, wenn ich aber noch in dem Alter wäre, würde ich es sofort ausprobieren. Das mit den Tampons haben wir doch auch gut hingekriegt. Oder?“
    Ich denke, wenn es diese Tassen länger gibt, werden auch Verbesserungen gemacht werden.
    Also Mädels: Hoch die Tassen! 🙂
    Liebe Grüße,
    Gisela in der Menopause. 🙂

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  2. Ja sehr cool 😀 Hab irgendwie das Gefühl, dass ich die wirklich mal benutzen möchte. Von meiner Mutter habe ich das Binden tragen immer beigebracht bekommen, sodass ich mit Tampons absolut nicht klarkomme. Ob ich dann mit der Tasse klarkomme, wenn ich mit Tampons nicht klarkomme? Keine Ahnung. xD Vielleicht kriege ich irgendwann eine Tasse mal geschenkt, sodass es sich lohnt es auszuprobieren. Macht ja keinen Sinn, wenn ich es unangenehm finde und die Tasse dann nicht mehr möchte, aber Geld ausgegeben habe.
    Danke für deinen informativen Artikel! 😀
    LG Saso

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    1. Ich würde es einfach probieren! Ich hatte unglaublich Probleme mit Tampons, als ich damit anfing, und fand die auch hierher nie richtig angenehm, aber die Tasse war echt nach zwei Zyklen total selbstverständlich. 😄

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  3. Super Artikel! Das Thema beschäftigt mich gerade sehr. Nach knapp 1 1/2 Jahren ohne Menstruation (Schwangerschaft & Stillzeit) bin ich über meine erste Menstruation nicht sonderlich erfreut. Ich habe komplett vergessen wie unangenehm und ärgerlich die ganze Geschivhte mit Binden und Tampons ist. Super nervig!

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  4. Toller Eintrag! Allerdings gehöre ich zu den „Windel Trägerinnen“ wenn man wirklich starke Schmerzen während der mens hat mag man sich nichts dort unten einführen weder Watte noch Latex sonst würde ich sehr wahrscheinlich sich umsteigen
    Lg

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    1. 😄 Danke! 🙂

      Also angeblich werden so starke Schmerzen mit der Tasse besser; ich kann das nicht beurteilen, weil ich moderate Schmerzen habe, aber ich lese das immer wieder.

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  5. Hallo,
    toller Artikel 😊
    Hab mich richtig gut angesprochen gefühlt. Diese leidige Zeit mit den OBs.

    Mir fehlt lediglich der Hinweis, dass es bei der Menstasse wichtig ist, dass man vor dem Kauf die Lage des Muttermundes und die Verfassung des Beckenbodens beachtet.
    Mit einer zu weichen Tasse wird man nämlich keine Freude haben, da sie dann evtl nicht aufploppt und auch undicht sein kann.
    Und eine harte Tasse wird verrutschen.

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  6. Toller Blogbeitrag! Sehr ansprechend geschrieben!! Ich bin selber seit vier Jahren begeisterte Mentruationstassen trägerin. Angefangen habe ich mit LadyCup und Meluna und bin jetzt bei der Feecup angelangt und bin total happy damit. Es hat einige Versuche gebraucht bis ich die passende Tasse hatte, aber es hat sich gelohnt. Also an alle die noch skeptisch sind, Probieren geht über Studieren!!!

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  7. Toller Beitrag! Bin selbst seit über einem Jahr begeisterte Tassenträgerin („Cup“ klingt ja cooler 😉 ).

    Einzig die Meluna Größenberatung würde ich nicht empfehlen. Körpergröße und Alter haben überhaupt nichts mit der Bauart da unten zu tun. Insofern hast du einfach Glück gehabt, dass sie passt.

    Wenn ich das hier darf, würde ich interessierten Mädels gerne die Facebookgruppe:
    „Menstruationstasse“
    ans Herz legen. Dort wird fleißig beraten und wirklich geholfen auszusuchen, welcher Cup wirklich zu einem passt.
    LG Nina

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    1. Ich habe mit der Analogie der Bauart gegenteilige Erfahrungen gemacht. Bin insgesamt sehr klein, also, knapp die 1,60 geknackt. Auch innen bin ich sehr klein, hinzu kommt die sportbedingte recht starke Beckenbodenmuskulatur. Nach viel Zeit bei Google und in diversen Foren habe ich die (laut meiner Recherchen) kleinste Version einer Cup bestellt, sie ist viel zu groß. 😦 Leider schade Pech gehabt.

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  8. Toller Blogpost der mich aktuell sehr anspricht, da ich seit diesem Zyklus auf die Tasse umgestiegen bin! Deine Beschreibung der herkömmlichen Artikel ist klasse und ich erkenne mich oft wieder!
    Ich bin auch so froh, mich meinen Vorurteilen gestellt zu haben! Werden den Artikel direkt mal teilen!
    Liebe Grüße Tassenkollegin Mira

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