… lieber Leitungswasser?

Wer Leitungswasser trinkt, gehörte für mich lange in die Öko – Neuhippie – Spinner – Ecke (die mag ich mittlerweile ganz gerne); Vorurteilen war ich einfach nicht immer abgeneigt (jetzt schon, sieh her: https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/30/vorurteile-ablegen/).

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich darauf kam, Leitungswasser trinken zu wollen statt Mineralwasser. Ich glaube, initial lag es daran, dass ich mal zu faul zum Einkaufen war.

Ich bin ein Mensch, der sehr viel Wasser trinkt; drei bis vier Liter am Tag schaffe ich mühelos, ganz nebenbei. Gehe ich dann noch zum Sport, werden es nochmal ca. eineinhalb Liter mehr. In den großen Discounterwasserflaschen gerechnet sind das gut drei Flaschen am Tag. Ein Sechserträger in zwei Tagen. Dreieinhalb Sechserträger in einer Woche. Da schleppt man ganz schön viel, es sammeln sich Unmengen an Pfandflaschen an und man gibt einiges an Geld aus. Wenn ich früher meine Eltern besuchen fuhr, war mein Vater immer verzweifelt, wie schnell ich die Wasservorräte vernichtete. Als ich nun also selber mal von diesem Tempo genervt und einfach einkaufsfaul war, bemerkte ich, dass ich von Leitungswasser nicht sterbe. Es schmeckte eigentlich wie Wasser aus der Flasche, nur eben ohne Kohlensäure. Ich kaufte von da an ab und zu weiter Wasser in Flaschen, aber wenn ich keins mehr da hatte und nicht extra los wollte, trank ich öfter mal Leitungswasser. Wenn man verkatert ist, stößt man davon auch nicht so störend auf…

Wie bei so vielen Dingen kam auch beim Thema Wasser bei mir irgendwann der Gedanke auf, warum ich eigentlich mache, was so viele machen – es in Flaschen abgefüllt kaufen und nochmal extra zahlen, obwohl es doch zuhause bereits aus der Leitung kommt und ich dafür sogar auch schon bezahle. Noch dazu kaufte ich aus Gewichtsgründen Plastikflaschen; die tragen so schön zur Umweltverschmutzung bei.

Ich fing also an, zu recherchieren. Ist es gefährlich, in Deutschland Leitungswasser zu trinken? Wohl eher nicht. Wir leben in einem Land, in dem Leitungswasser abartig gut kontrolliert wird; teilweise sogar besser als das Trinkwasser, das uns in Flaschen abgefüllt verkauft wird. Überschreitet Leitungswasser auch nur minimal Grenzwerte, muss das zuständige Klärwerk sofort reagieren. Klärwerk ist an dieser Stelle übrigens ein schönes Stichwort; ja, Leitungswasser war schonmal im Klärwerk. Da schwammen mal ganz viele ekelige Dinge drin rum. Wer das Vergnügen hatte, mal mit der Schule ein bis zehn Kläranlagen zu besuchen, wie es bei mir der Fall war, der weiß, dass das Wasser beim Verlassen des  Werks sauber und wirklich frei von Ekelstoffen ist. Dächte ich lange genug darüber nach, könnte ich vermutlich sogar alle Becken einer Kläranlage aufmalen (den ersten Besuch eines solchen Ladens verpasste ich übrigens wegen meiner Chemo; meine Klassenkameraden sahen ihr erstes Kondom an diesem Tag. Chemo? Hier: https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/12/ausgerechnet-strahlentherapie/).

Leitungswasser erreicht uns also sauber und plastikfrei. Man kann es sich abfüllen und einfach mitnehmen; abgefahrene Sache! Mensch! Das musste ich ausprobieren und siehe da: Ich hatte fortan immer eine ehemalige Mineralwasserflasche, die mit Leitungswasser befüllt war, dabei. Ich verlasse das Haus nämlich nicht ohne Wasser; man weiß nie, wann man durstig wird!

Nun hätte ich mich natürlich damit zufriedengeben können, mit der 1,5 Liter Flasche Leitungswasser rumzulaufen; mich störte aber, dass sie groß und unhandlich war, ich sie schlecht reinigen konnte und das Wasser manchmal nach Plastik schmeckte. Das ist eigentlich kein Wunder; Plastikflaschen enthalten Stoffe, die sich im Wasser lösen und dann mit dem Wasser in unseren Körper gelangen. Stoffe, die bei Männern zu Brustwachstum und bei Frauen zu Krebs führen können. Ich wollte also etwas anderes benutzen; handlicher, gesünder, besser zu reinigen. Bei einem meiner Streifzüge durch den Biomarkt stieß ich zufällig auf die perfekte Flasche für mich – die Soulbottle.

Soulbottles

Soulbottles sind aus Glas (trotzdem wiegen sie nicht viel); ursprünglich stammte selbiges aus Italien, mittlerweile arbeitet die Firma jedoch mit deutschen Unternehmen zusammen. Sie fassen 0,6 Liter, wobei eine Einliterversion bald auf den Markt kommt, und die Trinköffnung hat die perfekte Größe; weder hat man den Eindruck, keine Flüssigkeit abzubekommen, noch erstickt man beinahe bei dem Versuch, zu trinken. Die Verschlüsse sind aus Keramik; damit stehen Soulbottles ziemlich allein da, denn die meisten Flaschen verwenden Plastikverschlüsse. Abgedichtet werden sie mit Kautschukdichtungsringen. Ist ein Ring einmal zu abgenutzt, kann man sich einen Dreierpack nachkaufen. Um die Flaschen ansprechend zu gestalten, arbeitet Soulbottles mit Künstlern zusammen, die verschiedene, immer wieder wechselnde Designs entwerfen – so zumindest mein Wissensstand. Ihr seht, ziemlich coole Sache. Nachhaltig, modern, regelrecht hip. Wer eine Spülmaschine hat, kann seine Flasche sogar in selbiger reinigen; ich muss mir mit einer Flaschenbürste helfen. Damit ich auch mal eine Flasche dreckig stehen lassen kann, habe ich mir zwei gekauft. Wer Lust hat, mehr über Soulbottles zu erfahren, kann sich auf https://www.soulbottles.de/ schlau machen; dort wird auch noch einmal genau erklärt, wie es überhaupt zu diesen Flaschen kam.

Wir kennen es schon von Veganismus und Shampoo (Du nicht? Wenn du willst, gleich schon: https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/10/kein-veganblog/ sowie https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/14/kein-shampoo/); beschäftige ich mich einmal oberflächlich mit einem Thema, dringe ich irgendwann tiefer in die Materie ein und finde Dinge, dich mich in meiner neu entdeckten Meinung bestätigen; so auch beim Thema Leitungswasser und Plastikflaschen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass wir mit all den Plastikflaschen, die wir für unser Mineralwasser benutzen, unfassbar den Planeten verschmutzen, töten wir durch das Abfüllen des Wassers auch. Verschmutzung, klar – unser Plastik gelangt ins Meer, dort schwimmt es entweder ewig herum oder Tiere halten es für Nahrung, fressen es und verhungern dann mit vollem Magen, weil ihr Körper zwar denkt, er könne etwas verarbeiten, jedoch nunmal keine Nährstoffe aus Plastik beziehen und es auch einfach nicht verdauen kann. Da gibt es wirklich eindrucksvolle sowie erschreckende Bilder; dieses hier beispielsweise:

Vogel-Müll

Und wir töten? Hä? Klar, du durchgeknallte Ökobraut, übertreib mal nicht!

Es gibt durchaus Länder auf diesem Planeten, in denen Wassermangel herrscht; nun gehen wir aber hin – wir, das sind reichere Länder, die eh schon im Überfluss leben – und zapfen genau in diesen Ländern Wasser ab, um es dann abzufüllen und zu teilweise horrenden Preisen zu verkaufen; ganz groß darin ist zum Beispiel die Firma Nestlé. Wir sorgen so dafür, dass Menschen in ärmeren Ländern der Zugang zu Wasser verwehrt wird; ich könnte nun ellenlange Texte dazu posten, aber wer einmal kurz Google bemüht, der bekommt bereits genug Schreckliches zu dem Thema zu lesen; unseretwegen sterben Menschen.

Wir sind dumm genug, für etwas zu bezahlen, auf das wir alle das gleiche Recht haben; uns allen gehört die Erde und wir alle haben das gleiche Recht auf Wasser; ohne selbiges können wir nicht überleben. Wir nehmen anderen Menschen die Möglichkeit auf dieses lebensnotwendige Wasser; ich möchte das nicht mehr unterstützen. Ich möchte niemandem Geld dafür geben, dass er anderen Menschen, die genau wie ich einfach nur leben möchten, Wasser klaut. Lieber trinke ich Leitungswasser, das einfach schon zig Mal aufgearbeitet wurde und nicht erst um den halben Globus geschifft wurde. Das halte ich sowohl moralisch als auch ökologisch für sinnvoller.

Generell sollten wir uns mehr Gedanken darüber machen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen; muss es immer etwas Neues sein? Ich habe angefangen, Secondhanddinge zu kaufen – was man da für tolle Sachen entdeckt, erzähle ich euch Samstag.

Ein Nachtrag, liebe Leser!

Im Austausch mit dem Soulbottlesteam konnte ich noch etwas lernen; ein Großteil unseres Trinkwassers wird duch Filterung von Grund – und Oberflächenwasser gewonnen; die Animation im folgenden Link erklärt das sehr schön.

http://www.bwb.de/content/language1/mobile/1148.php
Vielen Dank an die Rückmeldung und Information, liebes Soulbottlesteam; das sollte Leitungswasser ja noch attraktiver gestalten!

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15 Gedanken zu “… lieber Leitungswasser?

  1. Ich kann das gar nicht verstehen, wieso so viele Leute auf Flaschenwasser abfahren. Seit meinem Auszug ausm Elternhaus hab ich kein einziges Flaschenwasser mehr konsumiert 😀

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  2. Wir sind vor ca. 3 Jahren auf Grund einer Veranstaltung im Rahmen der Fairen Woche (www.faire-woche.de) umgestiegen und haben im Zuge dessen noch ein lokales Projekt ins Leben gerufen (www.mescheder-wasser.de) um auch anderen den Umstieg zu erleichtern/nahezulegen. Wir haben einen Flyer (http://www.meschede.de/leben-einkaufen/leben-mitwirken/mescheder-stadtgespraeche/mescheder-trinkwasser/) erstellt, der demnächst an alle Kunden unseres Wasserversorgers verteilt wird. Neukunden erhalten diesen Flyer ebenfalls. Des weiteren sind aus diesen Aktivitäten mittlerweile 2 Trinkbrunnen im öffentlichen Raum geworden.

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  3. Das perfekte Weihnachtsgeschenk zum wünschen. Danke für den Tipp 😀
    Wasser trinke ich schon eeeeeeeeeeeeeeeewig aus der Leitung. Nur ab und an gelüstet mich nach einem bestimmten Heilwasser, aber das ist selten geworden.

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  4. Wir trinken schon jahrelang Leitungswasser. Anfangs so wie bei dir, aus Bequemlichkeit 😊 danach, weil wir uns auch näher beschäftigt haben mit der ganzen Situation.
    Toller Beitrag, ich hoffe dass viele Menschen den lesen und ihr Verhalten überdenken.
    Liebe Grüsse
    Veronica

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