… auf`s Alter scheißen?

Irgendwann musst du doch mal erwachsen werden! Muss ich das? Sollte ich nicht einfach so sein, wie ich bin?

Wenn ich gefragt werde, wie alt ich bin, muss ich meistens erstmal überlegen. Manchmal rutscht mir ein „26!“ raus, bevor ich auf`s richtige Alter komme, manchmal aber auch ein „30!“. Offenbar habe ich irgendwann einfach aufgehört, so richtig zu wissen, wie alt ich bin.

Früher war das anders; da war mir wichtig, wie alt ich bin. Ich hatte die irrsinnige Vorstellung, mit 21 Jahren sei das Leben so gut wie vorbei. In meinem Kopf ging man ab dann nur noch arbeiten, aß und schlief. Als ich 21 wurde, stellte ich fest, dass ich mich geirrt hatte; ich hatte auf einmal viel mehr Spaß am Leben, wurde selbstständiger und konnte mein Alter viel besser nutzen als zuvor.
Mein Hirn ersann dafür etwas Neues – die Idee, mit 26 zu heiraten und das erste Kind zu bekommen. Das war mein Plan. Mittlerweile bin ich schon seit drei Jahren nicht mehr 26, nach wie vor unverheiratet und fürchte, die wenigsten Menschen akzeptieren Katzen als Kinder. Es ist mir egal. Ich habe jegliche Altersvorgabe, wann was in meinem Leben zu geschehen hat, aufgegeben. Ich kann es ja doch nicht erzwingen.

Wenn man beschließt, sich nicht länger an gängigen Altersrichtlichen zu orientieren, ist das erstmal seltsam. Bleiben wir beim Beispiel Ehe und Kinder – wie du angeschaut wirst, wenn du mit bald 30 sagst, dass du Single bist! Mein Gott! Wie kannst du nur?! Dass du überhaupt noch lachst!
Es wird von uns erwartet, dass wir traurig sind, „alleine“ zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht alleine bin, nur, weil ich Single bin und keine Kinder habe, kann es Anderen auch vollkommen egal sein. Ich muss mich nicht selbst kasteien, weil ich die Erwartungen einer total verkorksten Gesellschaft nicht erfülle. Vielleicht bin ich in fünf Jahren immer noch (oder schon wieder…) kinderloser Single; vielleicht habe ich dann aber auch schon zwei Kinder. Beides ist in Ordnung; mir ist egal, was in welchem Alter geschieht.
Diese Einstellung meinen Eltern beizubringen, hat ein Weilchen gedauert; lange, lange kamen immer wieder Fragen, wie es mit dem jeweiligen Partner läuft und wenn Schluss war, war das Entsetzen groß; es hätte doch endlich mal für die Ewigkeit halten können! Ich werde nicht jünger! Mittlerweile haben aber auch meine Eltern eingesehen, dass niemandem damit gedient ist, wenn ich eine Beziehung aufrecht erhalte, nur, um sie zu haben und Gesellschaftsvorgaben zu erfüllen. Ich kann jetzt ganz zufrieden mein Manchmalsingleleben leben.

Sehr schön ist auch, wenn Menschen bemerken, dass du trotz deines Alters nicht in der Lage bist, deine Wohnung in einem klinisch reinen Zustand zu halten. Uiuiui! Du musst doch allmählich mal lernen, aufzuräumen! Nö. Muss ich nicht. Der einzige Mensch, der sich in meiner Wohnung  wohlfühlen muss, bin ich. Wenn Besuch kommt, kann ich den Zustand der Räumlichkeiten entsprechend anpassen. Ich werde trotz meines zunehmenden Alters einfach nicht ordentlicher; im Gegenteil, manchmal denke ich, ich werde immer unordentlicher. Ich finde meine Zeit mittlerweile auch zu schade, um sie mit Ordnung schaffen zu vertrödeln. Nicht umsonst freute ich mich in der Schule, als ich das Prinzip der Entropie kennenlernte – jedes System strebt immer nach dem Zustand der größten Unordnung. Hach. Welch ein Traum!

Auch , dass ich mich eher selten für Gesagtes oder Getanes schäme, finden Andere oft nicht altersgerecht; doch warum? Ist es wirklich erwachsen, sich zu schämen? Wenn ich etwas tue oder sage, sollte ich doch in der Lage sein, die Folgen sowie die Wirkung meines Handelns abzusehen und sollte dementsprechend nichts machen, was mich überhaupt in Scham versetzen kann. Nichtsdestotrotz erlebe ich immer wieder, dass man Scham von mir erwartet. Es verwundert mich immer wieder und ich werde mich weiterhin „daneben“ benehmen, ohne mich zu schämen.
Zu den Dingen, die anderen Menschen oftmals Unbehagen bereiten, gehört beispielsweise, wenn man in der Öffentlichkeit herumkaspert. Als Erwachsener! Das geht doch nicht! Oh doch, und wie das geht. Besonders gut mit meiner besten Freundin – mit der kann man das auch noch auf Fotos festhalten.

 

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Wir tun oft so, als dürfe man mit zunehmendem Alter an immer weniger Dingen Spaß haben; das finde ich sehr schade. Gerade, wenn man immer älter wird, hat man doch schon so Vieles entdeckt, das einem Freude bereitet! Sei es, auf der Kirmes Zuckerwatte zu essen (dürfen nur Kinder), sich einen Regenschirm mit Katzen drauf zu gönnen (dürfen erst Recht nur Kinder) oder, Eis zu essen, kurz bevor man eine richtige Mahlzeit zu sich nimmt (DAS dürfen nicht mal Kinder); wir sind Meister darin, uns Dinge aufgrund willkürlich gesetzter Altersvorgaben zu versagen. Wir wollen unbedingt ernst und erwachsen sein. Ich mag das nicht. Lieber werde ich als kindisch und nicht altersgerecht wahrgenommen; im Grunde passt das auch ganz gut zu mir, die wenigsten Menschen schätzen mich auf mein korrektes Alter. Neulich wurde ich beim Kauf von Alkohol gefragt, ob ich schon 18 sei. Gut, dann muss ich mich auch nicht verhalten, wie es von einer elf Jahre älteren Frau erwartet wird.

Schlimmer, als wegen unserer Altersvorgaben Dinge sein zu lassen, finde ich nur eines – sich wegen seines Alters zu grämen. Warum machen wir das?
Nun, weil wir zum Beispiel diese irre Vorstellung junger Eltern haben. Oder die wahnsinnige Idee haben, mit 30 ein Haus bauen zu müssen; ohne bist du nichts wert, hast nichts geschafft im Leben. Dein Leben ist nämlich mit 30 schon vorbei, falls du es noch nicht wusstest! Aber gerade das ist es nicht. Dein Leben fängt gerade erst richtig an; du hast einen Job, eine Wohnung; du bist in einer Position, in der du relativ gut abgesichert bist und dir Dinge erlauben kannst, die du magst. Du kannst leben. Wir ärgern uns darüber, dass wir älter werden, und übersehen dabei gänzlich, dass es Menschen gibt, die unser Alter niemals erreichen werden. Das ist traurig. Wir sollten uns freuen, dass wir älter werden. ICH freue mich darüber. Wenn mich jemand fragt, ob ich komisch finde, schon wieder ein Jahr älter zu sein, dann sage ich ganz klar, dass ich mich freue. Ich könnte doch schon längst tot sein (Wieso denn das? Deswegen: https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/12/ausgerechnet-strahlentherapie/).

Ich denke, wir müssen lernen, uns von uns auferlegten, altersabhängigen Rollen freizumachen. Wir müssen für uns selbst entscheiden, wer wir sein wollen. Was wir tun wollen. Ob wir wirklich einen Ehepartner und Kinder wollen oder ob das einfach nur ist, was von uns erwartet wird, weil wir ein gewisses Alter erreichen. Ob wir wirklich das neueste Auto brauchen oder es nur kaufen, weil ein Twingo mit 30 Jahren doof aussieht. Ob wir wirklich all diese Menschen, die uns nicht wirklich gut tun, in unserem Leben behalten wollen, weil man in unserem Alter einfach nicht mehr so leicht Freunde findet (ganz genau, du vereinsamst irgendwann total, ja ja) oder vielleicht mal radikal sagen „Dich brauche ich nicht.“
Letzteren Gedanken verfolgen wir in einigen Tagen weiter, nämlich am Samstag; für heute sei nur noch gesagt: Seid ihr selbst und keine Altersvorgabe!

 

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6 Gedanken zu “… auf`s Alter scheißen?

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