… NW/SO?

Nordwest/Südost?
Nee. No Wash/Sebum Only.

Ich habe etwas Neues für mein Ökoherz entdeckt! Leitungswasser und Menstruationstasse (https://sojakoala.wordpress.com/2016/09/01/lieber-leitungswasser/ bzw. https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/27/nie-wieder-tampons/) kann ja jeder!

Seit ich vor zwei Monaten meine Pille abgesetzt habe (WAS?! Willst du ein Kind?! Nein. https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/23/keine-pille-mehr/), fetten meine Haare unglaublich schnell; während ich sie vorher jede Woche nur noch ein, in schlechten Wochen zwei Mal, waschen musste, verfiel ich nun zurück in alte Fettmuster – alle zwei Tage sahen meine Haare aus, als hätte ich ein Ölkännchen darüber ausgeschüttet. Weil es mich unglaublich stört, ständig die Haare waschen und womöglich noch föhnen zu müssen, ließ ich sie nun elf Tage am Stück fetten. Ja, elf Tage, ganz richtig gelesen. Das ist mehr als eine Woche, genau.
Was sich die ersten Tage noch ekelhaft anfühlt, wird im Laufe der Zeit immer besser; es gibt einen Punkt, ab dem die Haare nicht mehr fettiger zu werden scheinen. Offen tragen kann man sie nun wahrlich nicht, aber zusammengebunden geht es; irgendwann glänzen sie einfach nur noch, aber sehen nicht mehr dauernass aus.

Der Grund, weshalb ich meine Haare so lange nicht wusch, ist ein ganz simpler: Wäscht du deine Haare, entfernst du ihren natürlichen Schutzfilm und signalisierst damit „Hey, Körper, mach mehr davon, unser Schutz wurde zerstört!“. Wäscht du sie nicht, merken sie, dass sie weniger fetten müssen. Im Idealfall fetten sie dann nach der nächsten Haarwäsche auch wieder langsamer; so auch bei mir. Die elf Tage waren Dienstag rum; bislang sind die Haare kein bisschen fettig, während sie jetzt normalerweise schon dringend eine Wäsche benötigt hätten. Man kann also oft schon durch simples Verlängern der Waschintervalle seinen Haaren beibringen, nicht mehr so schnell zu fetten; die dafür zuständigen Talgdrüsen produzieren einfach nicht mehr so schnell Talg nach (Talg ist übrigens eins der ekelhaftesten Wörter der Welt, wie ich finde; das klingt so unsauber.)
Fettige Haare können auch schwerwiegendere körperliche Ursachen haben; ist das der Fall, ist eine Umerziehung natürlich nicht so einfach möglich. Dieser Umstand ist etwas, was ich in meinem Beitrag vernachlässigen werde, da es um meine Haare geht und diese einfach nur durch Hormonchaos durcheinander sind; das kriegt man umerzogen!

haare
Elf Tage, meine Lieben! Ich hatte Schlimmeres erwartet.

Während ich so vor mich hinfettete, stöberte ich ein wenig in der Facebookgruppe „Leben ohne Shampoo“; meine Haare mit weniger Quatsch zu behandeln, interessiert mich schon länger, wie wir wissen. (Spätestens jetzt… https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/14/kein-shampoo/). In dieser Gruppe werden vielfältige Waschmöglichkeiten besprochen; vom Haare waschen mit Roggenmehl über die Verwendung von Haarseife bis hin zum von mir erwählten NW/SO wird alles mal erklärt und diskutiert; die letztgenannte Möglichkeit reizt mich unglaublich, also wird sie getestet.

Was ist denn nun No Wash/Sebum Only?
Ursprünglich steht das „W“ nicht für „Wash“, sondern „Water“. Kein Wasser an seine Haare kommen zu lassen, ist allerdings nicht wirklich praxisnah – das hieße schließlich, niemals in einen Regenguss zu kommen. Die umsetzbarere Variante ist daher „No Wash“; man verzichtet bewusst darauf, seine Haare zu waschen. Sebum ist ein schöneres (und lustiger klingendes) Wort für Talg; dieses köstliche Gemisch aus abgestorbenen und geplatzten Zellen, die unser Körper in Fett umwandelt.
Man kann es sich mittlerweile erschließen: Das Prinzip ist, die Haare nicht mehr zu waschen, sondern die Sebumproduktion laufen zu lassen und dem Körper zu erlauben, sich selbst zu pflegen. Eigentlich kann der das nämlich ganz gut; er muss es nur wieder lernen.

Während ich in meinem vergangenen Fettprojekt einfach nichts mit den Haaren machte, kümmert man sich in der Umgewöhnungszeit zum NW/SO durchaus noch recht viel um sie. Die Kopfhaut wird regelmäßig massiert, um sie zu reinigen; auch kratzen hilft, Verunreinigungen zu entfernen. Des Weiteren kämmt oder bürstet man die Haare häufig, um das produzierte Sebum in den Längen zu verteilen und die Haare so zu pflegen. Besonders gut eignen sich Wildschweinbürsten dazu; in der veganen Variante ist eine Sisalbürste als Alternative möglich.
Zu Beginn sollte man möglichst zwei Mal täglich fünf Minuten die Kopfhaut massieren; die Talgdrüsen lernen dann im Laufe der Zeit, dass sie ihre Produktion regulieren können und nicht mehr so viel Talg produzieren müssen wie zuvor.
Durch ausgiebiges Kämmen oder Bürsten wird ausserdem das Sebum im Haar verteilt, so dass die Längen gepflegt werden und der Ansatz weniger fettig aussieht; dort bliebe das Sebum ohne mechanische Einwirkung. Sind die Spitzen anfangs noch zu trocken, kann man mit etwas Öl, z.B. Arganöl, nachhelfen; wichtig ist, relativ sparsam damit umzugehen, da das Öl nicht so gut einzieht wie unser selbst produzierter Talg.
Gehört man zur Sorte der sportlichen Menschen, ist wichtig, dass man zeitnah nach dem Sport die Kopfhaut mechanisch reinigt, damit der Schweiß nicht die Talgdrüsen verstopft. Den im Haar getrockneten Schweiß kann man, wie jeden anderen Schmutz auch, einfach rausbürsten.
Zu Beginn der Umstellung kommt es für gewöhnlich erst einmal zu einem Sebumüberschuss; die Haare werden so richtig schön fettig. Wird es zuviel, kann man sich behelfen, indem man z.B. mit einem sauberen Baumwollstoff über die Haare geht; der Stoff nimmt überschüssiges Sebum auf. Auch ein warmes Handtuch, das man sich um den Kopf wickelt, schafft Abhilfe; das Sebum wird durch die Wärme flüssiger (Fett eben, was?) und kann dann vom Handtuch aufgenommen werden.

Da unsere Haut das größte Organ des Körpers ist und über sie Giftstoffe ausgeschieden werden, kann man über die Ernährung etwas mit beeinflussen, inwieweit die Haare fetten und inwieweit unangenehmer Geruch entsteht; viel Wasser zu trinken, hilft, das Sebum flüssiger zu machen und eine fettarme Ernährung ist hilfreich, um nicht zuviel Fett zu produzieren. Ich sollte dann wohl meinen Chipskonsum drastisch reduzieren; schadet vermutlich sowieso nicht. Dass man nach dem Konsum von Alkohol und Nikotin nicht sonderlich gut riecht, muss ich wohl nicht extra erwähnen; mal sehen, wie ich mein Trinkverhalten so gestalten werde.
Während der Umstellung ist ausserdem hilfreich, wenn man das Haar möglichst oft lüftet und weitestgehend auf Stylingprodukte verzichtet; da ich nur meinen Pony mit etwas Haarspray fixiere, sollte das kein Problem darstellen.

haarpflege
Ich brauche schon unglaublich lange, um diese Produkte aufzubrauchen; irgendwann habe ich einfach aufgehört, sie regelmäßig zu benutzen.

Erwartungsgemäß werden die Haare nach ca. sechs Wochen nicht mehr übermäßig fetten; die Sebumproduktion sollte sich dann reguliert haben. Die Haare sind dann nicht, wie gewaschenes Haar, locker und fluffig, sondern sehr satt und weich; so, wie Haare meiner Meinung nach sein sollten. Wie ein schönes Fell; meine Katzen haben schließlich auch samtigweiche Haare und keine locker – leichten, wie man sie nach dem Haare waschen hat.

Wichtig ist, vor der Umstellung einmal die Haare von Grund auf zu reinigen; das kann man gut machen, indem man eine Natronwäsche durchführt. Hierzu wird einfach etwas handelsübliches Backnatron in lauwarmem Wasser gelöst und auf die Haare aufgetragen; nach einigen Minuten Einwirkzeit spült man es gründlich aus. Anschließend empfiehlt sich eine sogenannte saure Rinse; eine Spülung mit einem Gemisch aus Essig und Wasser oder Zitronensaft und Wasser. Nach dieser Behandlung, die sich unglaublich öko anhört und mich umso mehr erfreut, ist das Haar von Pflegeproduktaltlasten befreit und zeigt seinen wahren Zustand; in Abhängigkeit davon, welche Produkte man bislang nutzte, muss man die Natronwäsche noch ein bis zwei Mal wiederholen. Da ich nun schon über ein Jahr kaum noch Haarpflegeprodukte benutze, werde ich die Wäsche nur einmal durchführen; bei einer der vorherigen Wäschen werde ich noch etwas die Farbe auffrischen, weil ich weiß, dass mich mehrere Wochen ohne jedwede Farbe im Haar nerven werden; ich mag es bunt!

Nun stellt sich die Frage, wann ich mein Projekt starte – es ist schon bald soweit. Im November habe ich drei Wochen Urlaub, weswegen ich plane, in diesen drei Wochen die Hochphase des Fettens durchzuziehen; elf Tage mit fettenden Haaren im Krankenhaus zu arbeiten, war seltsam genug. Ich werde im letzten Drittel des Oktobers aufhören, meine Haare zu waschen; bis dahin verlängere ich meine Waschintervalle (im Grunde dürfte ich bis dahin mit zwei bis drei Haarwäschen ab jetzt hinkommen), damit mein Kopf sich schonmal ein bisschen umgewöhnt.
Über die Entwicklung meiner Haare werde ich während des Projekts einmal wöchentlich einen, von den anderen Beiträgen unabhängigen, Beitrag veröffentlichen. Sollten die Haare zum Urlaubsende aussehen, als könnte man eine Fritteuse damit befüllen, werde ich sie dann waschen; wenn nicht, entscheide ich dann, wie es weitergeht.

 

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8 Gedanken zu “… NW/SO?

  1. Oh wow! Ich gestehe, ich lese von NW/SO zum ersten Mal. Da ich selbst auch sehr feines Haar habe und weiß, dass ich es nicht so oft waschen sollte, wie ich es aktuell tue, (ich halt’s aber einfach nicht aus, sie nicht zu waschen ^^) informiere ich mich immer wieder über alle möglichen natürlichen Wege, mein Haar zu pflegen.

    Ich werde mir auf jeden Fall mal deine weiteren Beiträge dazu durchlesen und sehen, wie es dir im Laufe der Zeit mit der Methode ergeht. Danke auch für deinen Tipp zur FB-Gruppe, da werd ich auch gleich mal vorbeischauen. 😀

    LG, Nana

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