… auch mal „nein“ sagen?

„Nein“ gehört zu den Worten, die wir manchmal unglaublich schwer rauskriegen – und das, obwohl es das Leben ungemein erleichtern kann.

Wie ich schon einmal schrieb, finde ich, wir leben in einer schrecklich missgünstigen Gesellschaft (https://sojakoala.wordpress.com/2016/09/29/glueck-teilen/); wer seine Ellenbogen einzusetzen weiß, kommt meist weiter im Leben – auf Kosten Anderer. Doch was, wenn man zu diesen Anderen gehört?
Dann hat man zwei Optionen: sich kaputt machen lassen oder lernen, für sich einzustehen und Dinge strikt abzulehnen.

Ich gehöre zu denjenigen, die tendenziell erstmal die Anliegen Anderer bejahen. Ich bin gerne hilfsbereit und versuche daher, meinen Mitmenschen das Leben zu erleichtern; leider vergesse ich dabei gerne mal, auf mein eigenes Befinden zu achten. Diesen Hang zur Selbstaufgabe, damit es anderen Menschen gut geht, habe ich ein wenig von meinem Opa bekommen; er hätte niemals Hilfe verweigert, wo er sie für nötig hielt. In Maßen ist das auch vollkommen in Ordnung, jedoch gibt es manchmal Situation, in denen wir einfach mehr auf uns selbst achten müssen. Prüfen müssen, ob unsere Hilfsbereitschaft vielleicht für uns selber zum Nachteil werden kann. Um es mit den Worten Paulo Coelhos (wunderbarer Autor!) zu sagen:

Wenn du „ja“ sagst, dann sei dir sicher, dass du nicht „nein“ zu dir selbst sagst.

Im Prinzip sagt dieser Satz genau das, was ich erst durch jahrelange Selbstkasteiung lernen musste; man muss sich klar machen, ob „ja“ wirklich das ist, was man sagen will.

Meine Neigung zum „ja“ zeigt sich besonders deutlich bei der Arbeit. Es fällt mir sehr schwer, eine Bitte abzulehen, obwohl ich dadurch unter Umständen in Stress gerate oder deutlich länger arbeiten muss. Manchmal mache ich dann auch Dinge, bei denen ich mich nicht sicher oder wohl fühle, einfach, weil ich nicht „nein“ sagen konnte. Weil ich irgendwann realisierte, was ich da tue und wie sehr mich dieses Verhalten belastet, zwinge ich mich nun öfter, etwas abzulehnen. Eventuell wirkt das auf Kollegen unfreundlich oder gar unkollegial; ich habe jedoch nichts von Kollegialität, wenn es mir dadurch dann schlecht geht.
Bei meinem Versuch, mich selber zum „Neinsager“ zu erziehen, stellte ich jedoch bereits fest, dass man manchmal sehr stolz darauf ist, wenn man einfach mal sagt, dass man etwas nicht machen möchte; so lehnte ich beispielsweise einmal eine dauerhaft angelegte Aufgabe ab, die mir übertragen werden sollte, obwohl wir für die Erfüllung derselben mehrere Personen bei uns in der Abteilung arbeiten haben. Zwar fühlte es sich zunächst komisch an – insbesondere, weil ich mich in dem Moment gegen einen Vorgesetzten auflehnte -, jedoch überwog das Gefühl des Stolzes deutlich; ich hatte meinen Standpunkt klargemacht und etwas abgelehnt, von dem ich wusste, dass es mich belastet hätte.

Auch in Beziehungen tendieren wir oftmals dazu, Sachen zu akzeptieren, die uns eigentlich vollkommen gegen den Strich gehen. In der Hoffnung, unser Gegenüber werde sich allmählich ändern, wenn wir nur lange genug machen, was es will, nehmen wir Dinge hin, die wir gerne ablehnen würden; sei es, dass jedes Wochenende gemeinsam mit den Freunden verbracht wird, obwohl man gerne mal alleine mit seinem Partner wäre, oder aber, dass man sich ständig sieht, obwohl man jemand ist, der es mag, auch mal ganz einfach mit sich selbst auf dem Sofa zu sitzen.
Zum Partner „nein“ zu sagen, ist besonders schwierig. Es kann Beziehungskrisen herbeiführen oder womöglich zeigen, dass man nicht so gut zueinander passt, wie man es dachte. Wie man es sich eventuell auch wünschte. Doch was haben wir von einer Beziehung, in der wir uns selber aufgeben und nicht einfach Kompromisse eingehen, sondern regelrecht das Leben des Partners annehmen? Was haben wir von einer Beziehung, in der wir nicht wir selbst sind, sondern krampfhaft das Bild aufrecht erhalten, das unser Partner irgendwann einmal von uns bekommen hat?
Ganz genau – nichts. Bevor man sich einer derartigen Beziehung hingibt, sollte man lieber das Risiko der Verneinung eingehen; ist der Partner der passende, wird das wohl nichts ausmachen.

Generell ist es immer etwas heikel, einer Person, die man mag, etwas abzuschlagen; unabhängig davon, ob es sich um eine romantische Beziehung handelt.
Ich war zum Beispiel einmal in einer Situation, in der eine Freundin Hilfe brauchte, welche ich bieten konnte. Sie suchte eine neue Wohnung und fand nicht rechtzeitig eine; da ich ein Zimmer hatte, das sie vorübergehend nutzen konnte, bot ich ihr dies an. Ich wollte nicht einmal Geld dafür haben, da ich die Miete sowieso zahlen musste und wusste, dass sie nicht allzuviel Geld hatte. Wir vereinbarten, dass sie maximal sechs Wochen bei mir wohnen sollte, da man Besuch, der über diesen Zeitraum hinaus bleibt, beim Vermieter anmelden muss und ich dies nicht wollte. Hinzu kam, dass ich gerne alleine lebe und wusste, dass ich irgendwann wieder meine Ruhe haben wollen würde.
Sie sagte zu, sodass ich erwartete, aktive Wohnungssuche zu erleben – darauf wartete ich allerdings lange. Ich fragte immer mal wieder nach, wie es denn aussähe, und bekam immer wieder zu hören, warum die angesehene Wohnung nicht zusagte; die Ansprüche zurück zu schrauben, war offenbar keine Option. Als sich die fünfte Woche näherte, drängte ich etwas; wir wussten beide, was wir vereinbart hatten. Für mich wurde die Situation zunehmend belastender und ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Einerseits wollte ich meine Freundin nicht vor den Kopf stoßen, andererseits hatten wir eine klare Abmachung. Als auch noch ihr Freund anfing, sich in meiner Wohnung zu verhalten, als sei es seine, war es genug – ich verkündete, dass sie nicht einen Tag länger als ursprünglich geplant bleiben dürfe.
Die Konsequenz war, dass wir uns nach diesem kurzen Zeitraum des Zusammenlebens nicht mehr trafen. Mir ging es dafür aber besser.

Die Moral von der Geschicht`:
Manchmal müssen wir in den sauren Apfel beißen und „nein“ sagen. Uns selbst schützen, auch, wenn das unter Umständen eine Freundschaft kostet. Doch war etwas, das durch das Ablehnen einer Bitte kaputt geht, wirklich eine Freundschaft? Vermutlich eher nicht.

Einige von uns sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Ablehnung zu vermitteln; wir machen uns Gedanken, wie das auf das Gegenüber wirkt, haben vielleicht selber schon zu oft Ablehnung erfahren oder haben einfach Angst vor den Konsequenzen; wenn wir jedoch ehrlich sind, kann nichts wirklich Schlimmes passieren. Es gibt Momente, in denen sich ein „nein“ richtiger anfühlt als ein „ja“ und ich denke, in genau diesen Momenten sollten wir auf unser Gefühl hören.

Etwas, wozu definitiv jeder Mensch „nein“ sagten sollte, sind Schönheitsideale – warum ich sie ablehne, erzähle ich Freitag; dann wieder um 00:01 Uhr!

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4 Gedanken zu “… auch mal „nein“ sagen?

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