… ein Reisebericht?

Nun, der Grund ist ganz simpel: York ist eine absolut unterschätzte Stadt!
Jedes Mal, wenn ich sage, dass ich nach York fahre, reagiert mindestens eine Person mit: „Cool, New York!“, woraufhin ich nur die Augen verdrehe und darauf hinweise, dass es da eine tolle Stadt in England gibt, die wirklich nur „York“, ganz ohne „New“, heißt.

Wer in Münster lebt, sollte eigentlich wissen, dass York exisitert; die beiden Städte sind Partnerstädte, worauf diverse Schilder in Münster hinweisen. Wer nicht hier lebt, dem sei verziehen; nichtsdestotrotz empfehle ich, York einmal zu besuchen!
Als ich das erste Mal nach York reiste, war ich sehr neugierig, wie die Stadt wohl sein würde; meine einzige vorherige Englandreise war ein Kurztrip nach London, als ich noch ein Teenager war.
In York angekommen, war ich innerhalb weniger Sekunden in die Stadt verliebt. Sie ist alt, hat enge, kleine Straßen, Kopfsteinpflaster, alte Gebäude, einen Fluss, alte Brücken und hübsche Grünanlagen. Wer „Harry Potter“ mag, wird York lieben! Ich fühlte mich sofort, als sei ich in einem der Bücher; besonders die Shambles, eine der ältesten Straßen Yorks, vermitteln einem das Gefühl, in der Winkelgasse gelandet zu sein.

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Dieses Foto entstand bereits im letzten Urlaub; weder mein Handy noch ich konnten an dem Tag toll fotografieren.

Als Liebhaberin viktorianisch anmutender Dinge freue ich mich besonders darüber, dass man in York in BnBs schlafen kann, die in entsprechenden Häusern untergebracht sind; mein diesjähriges trug passenderweise den Namen „The Old Vic“(Falls jemand dort buchen möchte, hier entlang: http://www.oldvicyork.co.uk/.) und ist schätzungsweise eineinhalb Minuten vom Haus meiner besten Freundin entfernt. Sie heißt übrigens Lisa; diese Information erleichert eventuell den Rest des Beitrags.
Im Old Vic werden Kitschträume wahr – abgesehen von dem Steinengel mit Weihwasserbecken, der hinter der Eingangstür steht und nach zu vielen Horrorfilmen sehr gruselig anmutet, ist alles wunderbar rüschig und blumig gestaltet. Nachdem ich mein Zimmer gesehen hatte, dachte ich, es könnte nicht mehr kitschiger werden, aber der Frühstücksraum belehrte mich eines Besseren.

Als ich Montag aus dem Zug purzelte, war ich mit einem Schlag nicht mehr gehetzt von den letzten, doch etwas aufregenden, Stunden der Reise (wer noch nicht gelesen hat, wie ich nach England reise, kann das hier tun: https://sojakoala.wordpress.com/2016/11/15/fernbus-fahren/). Lisa nach Monaten wiederzusehen, war einfach viel zu schön. Weil ich noch einige Stunden überbrücken musste, bis ich einchecken konnte, lieferten wir erstmal mein Gepäck bei Lisa und ihrem Mann zuhause ab, machten kurz Pause und gingen dann in die Stadt – eigentlich, um zu essen.

Auf meinen beiden vorherigen Besuchen in York lernte ich bereits, dass man dort sehr, sehr gut shoppen kann; entsprechend viel Geld plante ich dieses Mal ein. Auf dem Weg zum Restaurant kam es daher, wie es kommen musste: Lisa und ich gingen ganz aus Versehen in ein paar Läden und kamen, ebenfalls aus Versehen, mit vollen Tüten wieder raus.
Ich komme einfach nicht an New Look vorbei; dort gibt es generell viel schöne Kleidung, am wichtigsten sind für mich jedoch die dort erhältlichen Socken mit mehr oder minder schönen Motiven. Drei Paar zum Preis von zwei – ich komme immer mit neuen Socken aus York zurück. Kennt deine beste Freundin dann auch noch Läden mit Namen wie „Give the dog a bone“, ist es vorbei mit der Beherrschung beim Shoppen.
Weil es nicht reicht, nur einen Tag zu shoppen, fuhren wir Dienstag zum Designer Outlet; nach einer schätzungweise viertelstündigen Busfahrt (ich weiß es ehrlich gesagt nicht ganz genau, wir reden dabei immer so viel) erreicht man ein großes Einkaufszentrum mit zig Läden. In diesem Zentrum gibt es zwei Läden, die für mich besonders gefährlich sind: den VANS – Store und Claire`s; letzteren gibt es mittlerweile auch hierzulande in einigen Städten, man bekommt dort Modeschmuck, Schminktaschen, Kopfschmuck jedweder Art und weiteren Klimbim. So Dinge eben, die ich gerne mal kaufe; den englischen Claire`s finde ich allerdings irgendwie attraktiver als den deutschen.
Während wir uns im Designer Outlet noch zurückhielten, ereilte uns im darauffolgenden Shoppingcenter der finanzielle Ruin (mich mehr als Lisa, die kann da schließlich täglich hin, wenn sie möchte). Vom Outlet fuhren wir nämlich direkt zu Monks Cross, einem weiteren Einkaufszentrum. Wenn man schonmal unterwegs ist, nicht wahr?
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wir verbrachten alleine drei Stunden bei Primark. In diesem Laden, den ich so gerne verweigere. Mich stört an Primark weniger die Geschäftspolitik – die halte ich nicht für bedenklicher als die anderer Modegrößen -, sondern viel mehr die Wegwerfmentalität der Kundschaft, weswegen ich den Laden jedoch weitgehend meide. Kaufe ich dort ein, benutze ich die Dinge nicht seltener als anderswo gekaufte Sachen, allerdings kenne ich Menschen, die Primarkartikel regelrecht als Einwegartikel ansehen; dieses Verhalten heiße ich nicht gut und möchte ich auch nicht annehmen.
Meine neuen Sachen der ersten zwei Tage fotografierte ich noch; alles danach gekaufte (das war verhältnismäßig wenig), nicht mehr.

Vom vielen Shoppen waren wir hungrig (auch ein Toffee Nut Soyalatte von Starbucks hält nicht ewig vor) und fuhren daher wieder in die Stadt, um zu essen; wer Angst vor englischem Essen hat, kann diese übrigens getrost ablegen.
Da es trotz der voranschreitenden Verbreitung des Veganismus nicht überall ohne Weiteres möglich ist, vegan zu essen, reicht mir im Urlaub vegetarisches Essen, das ohne Ei und ohne Unmengen an Käse auskommt. York ist auch dahingehend ein Traum! Während man beispielsweise bei Goji und Wagamama sowohl vegetarische als auch vegane Gerichte bekommt, konnte ich in meinem BnB mein „Full english breakfast“ auch als vegetarische, eilose Variante bekommen. Zwei Mal ging ich ausserdem bei Bill`s frühstücken; einem großen, nichtsdestotrotz gemütlichen Café, in dem es ein unglaublich leckeres vegetarisches Frühstück gibt; hätte ich daran gedacht, das Pesto abzubestellen, wäre es vermutlich sogar vegan gewesen.
Wer die Möglichkeit hat, selbst zu kochen, kann sich im Supermarkt mit Unmengen an veganen Dingen eindecken; ich bin immer etwas traurig, dass ich keine Tiefkühldinge mit nach Hause transportieren kann.

Nachdem wir uns Mittwoch von den vorangegangenen zwei Tagen erholt hatten, war es Donnerstag an der Zeit für etwas Kultur.
Letztes Jahr nahmen wir am sogenannten „Ghost Walk“ teil. Um York ranken sich viele Schauergeschichten; die Stadt gilt als eine der bespuktesten Städte Englands. Zieht man in den Abendstunden mit einem Stadtführer umher und lässt sich Geistergeschichten erzählen, überkommt einen durchaus das ein oder andere Mal etwas Gänsehaut angesichts der Erzählungen. Gerade, wenn es noch dazu nasskalt und neblig ist, kommt entsprechende Stimmung auf. Da wir diese Erfahrung bereits hinter uns haben, beschlossen wir, in eine Ausstellung zu gehen, für die wir Werbung gesehen hatten – „Shaping your body“ war der Titel.
Nachdem Lisa mir zunächst versehentlich den Museumsgarten am Yorkshire Museum gezeigt hatte, gingen wir dann zum richtigen Museum – dem York Castle Museum. Für zehn Pfund pro Person kann man sowohl in die jeweils aktuelle Ausstellung als auch die Daueraustellung; es lohnt sich!
Die aktuelle Ausstellung beschäftigt sich damit, wie Menschen über die Jahrhunderte sowohl durch Kleidung, als auch durch Ernährung und Sport ihre Körper geformt haben; es gibt traumhafte Kleider, Korsagen, Kämme, Perücken, Schuhe etc. aus vergangenen Zeiten, aber auch moderne Kreationen, die zeigen, wie Mode als Ausdruck der Persönlichkeit genutzt werden kann.
Die Dauerausstellung war für mich noch faszinierender; nachdem man einen Teil des Museums durchschritten hat, der sich mit dem Alltagsleben in unterschiedlichen Epochen beschäftigt (da stehen Spielzeuge aus meiner Kindheit sowie eine Küche, die der aus meiner Kindheit unglaublich ähnelt; ich fühle mich alt!), gelangt man in eine nachgebaute Szenerie aus dem viktorianischen Zeitalter. Man schlendert durch mehrere Straßen, kann in die Apotheke gehen, zum Hutmacher, in den Süßigkeiten – oder Bücherladen; in einem Innenhof hängt Wäsche auf der Leine, als sei das Haus wirklich belebt. Zwischendurch wird es Nacht und man hört ein Gewitter aufziehen. Wie Lisa sehr treffend sagte: „Man denkt, gleich kommt Jack the Ripper um die Ecke.“. Es fühlt sich in der Tat an, als sei man in der Zeit zurück versetzt worden; man vergisst vollkommen die Zeit, während man durch das Museum geht. Nicht umsonst musste ich beinahe alles fotografieren und kann mich nur schwer für eine Fotoauswahl für den Blog entscheiden.

Freitag fuhren wir nach Leeds, um eine Freundin von Lisa, mit der ich mich gut verstehe, zu treffen. Nachdem ich auch da nochmal aus Versehen ein Kleid gekauft hatte, gingen wir etwas essen und anschließend etwas trinken. Während mir die Männer vor Ort durchaus gefielen, erinnerte mich Leeds an sich sehr an Dortmund. Wer mich kennt, weiß, dass das kein Kompliment ist; ich finde Dortmund eher unschön.
Auf dem Weg zum Yorker Bahnhof gingen wir über die Stadtmauer; große Teile davon stehen noch und führen von der Innenstadt zum Bahnhof.

Samstag war schon der Tag vor der Abreise erreicht; wir legten einen erneuten Gammeltag mit Frühstück bei Bill`s ein, sahen fern, bestellten Essen und teilten einander ungefähr zwanig Mal mit, wie unglaublich schnell die Woche rum war.

Seit gestern bin ich nun wieder zuhause; es ist seltsam, nicht mehr im BnB zu schlafen und schon morgens Lisa zu sehen.
Da es Freitag übers Wochenende in eine weitere Lieblingsstadt geht – Amsterdam -, kommt diese Woche nur noch das Haarupdate und ab nächster Woche geht es dann wieder fleissig weiter mit regelmäßigen Beiträgen. Für die Wartezeit empfehle ich, schonmal eine Yorkreise zu planen; eine bis eineinhalb Wochen sind perfekt, um die Stadt kennenzulernen!

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10 Gedanken zu “… ein Reisebericht?

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