… doofer Nikolaus?

Hach, Nikolaus!
Was war das schön, wenn man als Kind am 06. Dezember in den Flur kam und einen Stiefel oder einen Teller voller Süßigkeiten hatte! Für mich fing dann immer richtig die Weihnachtszeit an.

Weniger schön war, als ich in der Nacht vom 05. auf den 06. Dezember zur Toilette musste und im Flur meine Mutter dabei erwischte, wie sie dem Nikolaus „half“. So schnell kann man darüber aufgeklärt werden, dass man jahrelang belogen wurde!
Dieses nächtliche Erlebnis ist jedoch nicht der Grund, warum ich Nikolaus mittlerweile als schlimmsten Tag des Jahres empfinde; ich mochte den Brauch eigentlich noch sehr lange und freue mich auch jetzt noch, wenn ich zum „Nicht – Nikolaus“ etwas von meinen Eltern bekomme.

Seit nunmehr acht Jahren werde ich einige Tage vor Nikolaus traurig; vor genau dieser Zeit starb nämlich mein Lieblingsopa. Dieser Opa, mit dem ich die ersten 19 Jahre meines Lebens Tür an Tür gelebt habe und dem ich manchmal unglaublich ähnlich bin. Wenn ich an ihn zurückdenke, geht mein Herz auf. Opa war immer für mich da, rügte mich, wenn es nötig war, und lobte mich ebenso sehr, wenn es angebracht war.
Manchmal wünschte ich, ich könnte mit ihm reden. Mit Opa konnte man herrlich Quatsch reden und machen, aber auch ernste Gespräche führen. Ich hatte nie das Gefühl, bei ihm nicht ich selbst sein zu dürfen.

Wenn sich Opas Todestag nähert – dieser Tag, der so schrecklich beworben wird und um den man einfach nicht drumrum kommt -, fällt mir immer besonders auf, dass es viele Menschen gibt, die ihre Familie nicht recht zu schätzen scheinen.
Obwohl ich meine noch lebenden Großeltern nun wahrlich nicht abgöttisch liebe, so bin ich mir doch sehr bewusst, dass ich ohne sie nicht existent wäre und auch sie ihren Anteil zu meinem jetzigen Charakter beigetragen haben. Ich besuche sie nicht, doch ich wünsche sie nicht zum Teufel. Sie sind meine Familie und ich möchte sie, anders als andere Menschen, nicht einfach aus meinem Leben streichen. Ich schätze sie und verstehe in den meisten Fällen nicht, warum man seine Familie nicht schätzt.
Könnte ich meine anderen Großeltern zurückholen, ich täte es sofort. Mit Sicherheit fanden sie nicht alles toll, was ich tat, und mit Sicherheit war ich auch öfter sauer auf sie, als ich es nun in Erinnerung habe, doch sie noch einmal zu sehen und ihnen sagen zu können, wie dankbar ich ihnen bin, dass sie geholfen haben, mich zu der Person zu machen, die ich jetzt bin, wäre unbeschreiblich schön. Es macht mich traurig, wenn ich auf jemanden treffe, der für seine Vorfahren kein bisschen so empfindet; ich möchte diese Gefühle nicht missen.

Wenn ich später zuhause sitze und daran denke, wie meine letzten Erfahrungen mit Opa waren, werde ich wieder unsagbar traurig sein, das weiß ich. Egal, wie lange er nun tot ist – zu wissen, dass ich ihn nicht mehr umarmen kann, tut nach wie vor weh. Zu wissen, dass meine Mutter an Nikolaus ihren Vater auf dem Friedhof besucht, ist nicht minder schmerzhaft. Schlimmer war eigentlich nur, als Opa bei Omas Beerdigung zu mir sagte „Ach, mein Wassermännchen.“ und mich in den Arm nahm. Er und ich waren die einzigen Wassermänner in der Familie und ich kann mich an keinen Augenblick erinnern, an dem wir uns näher waren. Obwohl ich Sternzeichentattoos hirnrissig finde, ließ ich mir sogar einen Wassermann tätowieren, um Opa näher zu sein. Um etwas zu haben, was für uns beide steht.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte dafür sorgen, dass jeder Mensch so für seine Verwandten empfindet. Jeder sollte erleben dürfen, wie schön es ist, einen Menschen so sehr zu lieben, dass alleine der Gedanke an seinen Verlust auch nach etlichen Jahren noch schmerzt. Vielleicht müssen wir lernen, auch gröbere Fehler zu verzeihen und über seltsame Eigenschaften hinwegzusehen, damit wir positiv gegenüber unserer Familie empfinden können.

So unsortiert, wie meine Gedanken gerade im Kopf herumfliegen, empfinde ich auch meinen Beitrag; nichtsdestotrotz teile ich ihn mit euch. Wenn ich schon blogge, dann darf ein Text darüber, wie sehr ich meinen Opa liebe und vermisse nicht fehlen.
Heute Nachmittag werde ich Clementinen und Lindtschokolade futtern und an meine Großeltern denken; früher schenkten sie mir diese Dinge immer zu Nikolaus und ich konnte sie einige Jahre nicht essen, nachdem beide kurz nacheinander gestorben waren; umso mehr genieße ich nun, dass ich nicht mehr bei jeder Clementine anfange zu weinen.

Freitag erzähle ich wieder schöne Sachen über meine Haare, statt weinend und chaotisch zu schreiben; bis dahin könnt ihr eure Großeltern oder Eltern in den Arm nehmen oder aber meiner neu entstandenen Facebookseite einen Besuch abstatten; Soja Koala ist nun auch dort zu finden.

Advertisements

Ein Gedanke zu “… doofer Nikolaus?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s