… Bambuszahnbürsten?

Weil Bambus rockt!
Bambus fasziniert mich schon, seit ich als Kind las, dass man ihn rein durch seinen Wachstum nutzen kann, um Menschen zu töten. Es gibt Foltermethoden, bei denen Menschen über einem Bambusspross, der gerade zu wachsen anfängt, liegend fixiert werden oder aber sitzend mit dem Hintern auf einem solchen platziert werden; der Bambus wächst dann durch bzw. in den Menschen rein. Irgendwie krank und zugleich faszinierend!

Weil Bambus so schön wächst – mehrere Zentimeter am Tag -, kann man ihn toll als Rohstoff für allerlei Dinge nutzen. Matten, Körbe, Rollos, Besteck, Geschirr, Bodenbelag; ich komme mir gerade etwas vor wie in der Szene bei „Forrest Gump“, in der Bubba aufzählt, was alles mit Shrimps möglich ist.
Ich habe sogar ein T – Shirt sowie Socken und Strumpfhosen aus Bambus; diese Kleidungsstücke sind SO weich und atmungsaktiv, das glaubt man gar nicht!

Nun, heute soll es um etwas gehen, was wir alle täglich benutzen. Zahnbürsten. Wenn man davon ausgeht, dass man alle drei Monate seine Zahnbürste wechselt, wie es empfohlen wird, und so um die 75 Jahre seine Zähne putzt, verbraucht jeder von uns in seinem Leben 300 Zahnbürsten. Das ist also, als nähme man fast ein Jahr lang täglich eine neue Zahnbürste.

Vor einigen Jahren (so zwei bis vier) entdeckte ich eher zufällig im Internet Bambuszahnbürsten; ich glaube, sie wurden mir vorgeschlagen, als ich gerade nach weiteren Bambusshirts suchte. Zunächst dachte ich, mir würde dort gerade irgendein minderwertiger Krempel angezeigt. Zahnbürsten aus Bambus. Was ein Quatsch. Total ekelhaft, Holz im Mund zu haben.
Naja, wie man eingangs lesen kann, fasziniert mich das Groteske; ich klickte also auf den Link und las, was mir dort geboten wurde.
Die Seite, die sich öffnete, gehörte zu einem noch jungen Start Up aus Hamburg – Hydrophil. Die Gründer wollten sich für einen nachhaltigeren Lebenswandel einsetzen und entwarfen eine Zahnbürste aus Bambus; vegan, nachhaltig und fair. Klang erstmal interessant. Sah auch ganz gut aus. Ich googelte ein wenig, weil ich nichtsdestotrotz dachte, Bambus zur Zahnreinigung zu benutzen, sei unhygienisch. Google weiß bekanntlich alles; so auch, dass Bambus superduper keimresistent ist und somit gut geeignet, um damit die Zähne zu pflegen. Die Borsten der Hydrophilbürste bestanden aus Nylon – 4, einem speziellen Biokunststoff. Angeblich kann man die gesamte Zahnbürste verbuddeln und einfach ein Jahr warten, dann ist sie abgebaut. Ich vergesse ständig, dass ich das ausprobieren wollte!

Weil ich das Konzept sehr ansprechend fand, gab ich der Zahnbürste eine Chance. Das erste Mal damit zu putzen, war sehr ungewohnt. Zunächst fand ich den runden Griff gewöhnungsbedürftig und die Bürstenkopfgröße seltsam. Er kam mir furchtbar klein vor. Man gewöhnt sich jedoch recht schnell an das neue Gefühl und schon nach kurzer Zeit liebte ich meine Bambuszahnbürste.
Je länger man sie benutzt, desto mehr sieht man Gebrauchsspuren am Holz; diese verringern die Hygiene jedoch nicht – auch das googelte ich mal. Die Borsten nutzen sich im gleichen Tempo ab wie die an Plastikzahnbürsten; Zähne putzen ist also eigentlich wie immer, nur, dass man sich nicht mehr ständig etwas in den Mund steckt, das nach und nach unseren Planeten zerstört.

 

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Wie man sieht, ist die Zahnbürste im oberen Anteil schon gut abgenutzt; anfangs sieht sie komplett aus wie der Griff. Das untere Ende der Hydrophilbürsten ist entweder grün, rot oder blau eingefärbt – WG – und familientauglich.

Weil ich in keinem Laden Bambuszahnbürsten kaufen konnte, musste ich sie immer wieder online bestellen, was ich sehr störend fand, da dadurch wieder Transporte nötig wurden; ich kaufte daher direkt mehrere Zahnbürsten nach und freute mich, als auf https://www.hydrophil.biz/ die Option eines Sparpacks eingeführt wurde. Wer will, kann sich die Zahnbürsten sogar im Abo zuschicken lassen; das hielt ich dann aber doch für unnötig.
Mittlerweile wurde der Shop erweitert; es gibt Seife, weitere Zahnpflegeprodukte, Zahnbürstenhalter, T – Shirts, Hipsterbeutel, Lippenpflege – ganz viel Zeug für`s Ökoherz!

Nachdem ich in meinem Umfeld fleissig Bambuszahnbürsten beworben und verschenkt habe, teste ich aktuell mal eine andere als bisher. Meine neue hat Aktivkohleborsten; sie sind schwarz und hellen angeblich die Zähne natürlich auf. Ich bin gespannt. Bislang mag ich, dass der Kopf sich sehr schön voll anfühlt. Ich benutze sie erst seit einer Woche und kann daher noch nicht absehen, wie haltbar die Bürste ist.
Prinzipiell freue ich mich sehr darüber, dass ich immer mehr Menschen kenne, die Bambuszahnbürsten benutzen sowie darüber, dass das Angebot langsam größer wird. Während ich anfangs nie andere als die Hydrophilbürsten fand, wenn ich mal interessehalber danach suchte, werden nun immer mehr solcher Zahnbürsten angeboten.

Angesichts meiner Erfahrungen empfehle ich euch, sie auch mal auszuprobieren!
Lasst euch nicht davon abschrecken, dass es absolut öko klingt und erstmal neu ist – öko ist nichts Schlimmes und unser Planet freut sich, wenn wir weniger Plastik nutzen. Unser Körper freut sich vermutlich auch, nicht mehr ganz so viel Mineralöl eingeführt zu bekommen, mhm?
Bevor hier übrigens ein falscher Eindruck entsteht: Ich habe keinen Vertrag mit Hydrophil, ich mag einfach das Produkt und schwärme daher so davon!

 

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Alleine der Anblick von Bambuszahnbürsten ist für mich deutlich attraktiver als der von Plastikzahnbürsten.

 

Freitag gibt es wieder ein Haarupdate und Samstag ein kleines Weihnachtsspecial; das schreibe ich aus der sauerländischen Heimat, in der ich immer noch eine Plastikzahnbürste habe – es fühlt sich mittlerweile sehr seltsam an, die drei, vier Mal im Jahr zu benutzen.

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13 Gedanken zu “… Bambuszahnbürsten?

  1. Wieder mal ein toller Artikel! 🙂 Ich nehme mir immer vor, in Hamburg mal bei Hydrophil vorbeizugehen 😀 Komme aber irgendwie bisher nicht dazu. Übrigens mussten sie von dem Nylon-4 wieder weg, also erst die Borsten aus dem Holz ziehen, die Borsten in den gelben Sack und den Bambus in den Blumenpott 😉

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    1. 😄 Danke!
      Ich nehme mir auch immer so viele Läden vor und brauche dann ewig, bis ich wirklich hingehe. 🙈
      Das mit dem Nylon-4 hörte ich auch neulich; mittlerweile bin ich aber bei den Bürsten von Care Elite hängen geblieben, die Größe ist sehr angenehm.

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  2. Zahnbürstenwechsel steht auf meiner Öko-Checkliste, ich Wechsel jetzt einfach und lass die ollen Plastikdinger als Notfall-Übernachtungs-Reserven im Schrank! Ich freu mich schon auf meine neue WG, die sind nämlich alle auf einem ähnlichen Weg *tanz*

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  3. Freut mich, dass ich dich so anfixen konnte! 😉
    Über elektrische Zahnbürsten dachte ich auch mal nach, aber irgendwie mag ich es auch sehr, selber richtig aktiv zu putzen. Bin aber auch generell nicht so der Fan davon, alles von elektrischen Geräten machen zu lassen. 😀

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  4. Über die Zahnbürste bin ich auch schon oft gestolpert, die machen tatsächlich auch sehr gutes Marketing 🙂

    Allerdings bin ich so ein Fan meiner elektrischen Zahnbürste, dass ich ungern wieder eine handbetriebene nehmen würde. Ich werd sie aber mal antesten nach deinen lobenden Worten. Was man nicht testet, kann man auch nicht abschließend bewerten.

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