… carpe diem?

„Carpe diem“ – wörtlich übersetzt „Pflücke den Tag“; genau das ist, was wir meiner Meinung nach viel zu selten tun. Zeit, das zu ändern!

Wie ich letzte Woche schon anklingen ließ, habe ich ein Problem damit, Vorsätze für ein vor mir liegendes Jahr zu formulieren (https://sojakoala.wordpress.com/2017/01/03/kein-jahresrueckblick/); ich wünsche mir lieber allgemein Dinge für die Zukunft.
Dieses Problem hängt damit zusammen, dass mich stört, dass wir unser Leben so extrem in Zeitabschnitte einteilen.

Natürlich kommt niemand von uns umhin, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und somit auch Jahr für Jahr immer und immer wieder aufeinander folgend zu erleben; wie wir diese sich wiederholende Folge gestalten, liegt jedoch bei uns selbst. Wenn ich sehe, wie unsere Gesellschaft mit Jahreswechseln umgeht, kommt mir immer der Refrain von Marterias Lied „Endboss“ in den Sinn:

Ich spring von Level zu Level zu Level
Spring von Level zu Level zu Level
Spring von Level zu Level zu Level zu Level zu Level bis der Endboss kommt

Wir leben, als seien unsere Jahre Level in einem Spiel; am Ende dieses Spiels erwartet uns der Endboss – der Tod, um genau zu sein.
Es ist, als müssten wir einfach irgendwie jedes Jahr unseres Lebens rumkriegen; gerade zum Jahresende hin höre und lese ich immer wieder Geschichten, wie schrecklich das letzte Jahr – das letzte Level – war und wie einfach und toll das nächste nur werden kann; doch was, wenn das nächste Jahr noch viel schlimmer wird? Wenn ich eines durch meinen Beruf (https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/12/ausgerechnet-strahlentherapie/) gelernt habe, dann, dass das Leben den Dreh raus hat, wenn es darum geht, uns umzuhauen, obwohl wir schon am Boden liegen.

Obwohl jeder von uns die Macht hat, sein Glück selber zu gestalten, verhalten wir uns, als seien wir gezwungen, uns durchs Leben zu quälen. Wir lassen Zeit verstreichen, die wir für schöne Dinge nutzen könnten, und sagen, wir freuen uns auf Tag x in y Wochen. Warum freuen wir uns nicht lieber auf den vor uns liegenden Tag? Ist es so schwer (vorausgesetzt, man leidet an keiner psychischen Erkrankung), morgens aufzustehen und fröhlich zu sein?
Natürlich habe ich manchmal auch keine Lust, aufzustehen. Das Wetter ist doof, der Arbeitstag wird garantiert stressig, ein unangenehmer Termin steht an – oft gibt es Dinge, die uns die Freude nehmen. Diese Dinge sind meist nur Teile des Tages; nichtsdestotrotz lassen wir zu, dass sie uns die kompletten 24 Stunden verhageln.
Es nützt jedoch nichts, wenn ich mir schon Stunden vor einer Sache Sorgen darüber mache. Ich versuche daher mittlerweile, Geschehnisse einfach auf mich zukommen zu lassen, ohne sie vorher schon zwanzig Mal im Kopf durchzuspielen und mich so immer verrückter zu machen. Ich mache mir ausserdem klar, welche schönen Dinge der Tag noch bringt; oftmals überwiegen diese nämlich.

Nicht nur, dass wir uns von Kleinigkeiten einen vollständigen Tag verderben lassen; nein, wir verteufeln sogar ganze Wochen!
Viele von uns leben von Wochenende zu Wochenende; ständig bekomme ich mit, wie Menschen darüber stöhnen, dass schon wieder Montag sei, oh nein, erst Mittwoch, juchhu, endlich Freitag. Verdammt, schon wieder Sonntag!
Auch ich freue mich auf mein Wochenende; das zu leugnen, wäre dumm. Ich will aber nicht von Montag bis Freitag schlecht gelaunt herum laufen und nichts Schönes machen, nur, um dann das Wochenende über zu leben, als gäbe es kein Morgen. Lieber möchte ich jeden Tag etwas Schönes erleben. Jeden Tag pflücken!
Wenn mir danach ist, mache ich nach der Arbeit überhaupt nichts. Lasse meine Gedanken kreisen, schlafe, koche oder mache sonst was, was nicht sonderlich aus dem Rahmen fällt. Genauso kommt es aber vor, dass ich aktive Nachmittage verbringe, an denen ich etwas unternehme – einfach, weil mir gerade der Sinn danach steht. Wieso soll ich damit dann bis zum Wochenende warten? Dadurch, dass ich unter der Woche mache, worauf ich Lust habe, kann ich dann auch einfach mal am Wochenende nichts tun; manchmal werden die beiden freien Tagen sonst regelrecht stressig vor lauter Freizeitaktivitäten.

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Neuheit im Hause Köhler: ein Kalender! Hauptsächlich dazu da, hübsch auszusehen.

Weil ich dieses Leben von Woche zu Woche und Jahr zu Jahr ablehne, hatte ich seit meinem Abitur keinen Kalender mehr. Ich kenne Menschen, die komplett vollgeschriebene Kalender besitzen; wenn ich das sehe, graust es mir. Um meinen Zyklus nachvollziehen zu können, jetzt, wo ich keine Pille mehr nehme (Verpasst? Hier findest du alle Beiträge dazu: https://sojakoala.wordpress.com/category/pillenfrei/), schaffte ich mir für 2017 einen Kalender an. Ich dachte, ich könnte dort dann neben meinem Zyklus auch mal Termine eintragen; bislang stehen zwei von ungefähr sechs Terminen drin. Ich kann einfach keinen Kalender führen; das ist mir zu viel Planerei für meine durchaus wertvolle Zeit.

Ich fände schön, wenn mehr Menschen ihre Zeit zu schätzen wüssten; wenn sie einfach annähmen, was da kommt, und sich nicht von Zeitangaben ihr Leben diktieren ließen. Wir alle nähern uns mit jeder Sekunde dem Tod und sollten Sachen, die wir erleben wollen, nicht auf die lange Bank schieben – denn wer weiß, vielleicht sind wir schon morgen alle tot!

Sollten wir morgen noch am Leben sein, gibt es meinen neuen Beitrag zum NW/SO – Projekt; dahingehend bin ich dann doch in der Lage, mich an Vorgaben zu halten.

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5 Gedanken zu “… carpe diem?

  1. Kalender sind für mich wirklich nur da um hübsch auszusehen und meinen Schreibtisch damit zu zieren. Allerhöchstens schreibe ich da meinen Frust rein aber keine Pläne. In meinem Alter macht man auch keine großen Pläne mehr ,da er-lebt man jeden Tag , aktiv, passiv , je nach Laune. Die Menschen verbringen soviel Zeit mit warten dass sie gar nicht merken dass das Leben an ihnen vorüber gleitet.
    liebe grüße von der wolfskatze 🙂

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  2. Liebe Sojakoala,

    Ich habe mir seit 2015 angewöhnt, einen Kalender zu führen. In dem habe ich alles aufgeschrieben was ich am Tag so geschafft habe. Der Grund war, dass ich arbeitslos war und viele Tage einfach so vergingen, ohne dass ich etwas sinnvolles gemacht habe. Das wollte ich ändern und da war ein Kalender mit einigen To-Do-Listen sehr hilfreich. Seit dem schreibe ich viel rein. So kann ich am Tagesende sehen wie produktiv ich doch war. Und trotzdem bleibt genug Zeit, um diese auch zu genießen.

    Jeder ist da anders, einem helfen die Kalender, für andere sind diese etwas gruseliges. Ich liebe es, meinen zu führen.

    LG
    Kristina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Kristina!
      Mhm, ich denke, wäre ich in der Position, schriebe ich eventuell sich auf, was ich geschafft habe; ich käme mir sonst irgendwann sehr nutzlos vor. Mit Job brauche ich das allerdings so gar nicht. 😀
      Liebe Grüße
      Silja

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