… Dankbarkeit – eine Blogparade?

Man könnte meinen, ich sei auf den Geschmack gekommen!

In einer der vielen Bloggergruppen auf Facebook stieß ich auf Paula von https://wasmansonichtsagendarf.ch/, die zu einer Blogparade zum Thema Dankbarkeit aufrief; in diesem Fall schreibt man einen Beitrag auf seinem eigenen Blog und sie verlinkt ihn.
Wer schon länger meinem Blog folgt, der kann sich denken, dass mir zu Dankbarkeit einiges durch den Kopf schießt – wie könnte ich also nicht an dieser Blogparade teilnehmen?

Nun könnte ich allgemein etwas zu diesem Thema sagen; heute jedoch geht es explizit darum, wofür ich dankbar bin.

An erster Stelle steht, ganz klar, dass ich am Leben bin und bald meinen 30. Geburtstag feiern kann. Ich könnte jetzt schon seit ungefähr 7851 Tagen tot sein, wenn ich einfach in meinen Sommerferien 1995 gestorben wäre, statt gerade noch rechtzeitig meine Leukämiediagnose zu bekommen. Das sind 21 Jahre und ein paar Zerquetschte. Stattdessen lebe ich immer noch und bin allgemein recht fit. Ich kränkel öfter als Andere, aber es gibt Schlimmeres. Grund genug, extrem dankbar zu sein!

Direkt nach der Tatsache, dass ich lebe, kommt meine Familie – ich freue mich, eine Familie wie meine zu haben und bin dankbar, dass wir sind, wie wir sind!
Zu behaupten, dass wir uns immer alle lieb haben, wäre Quatsch, aber gerade, weil es auch mal Reibereien zwischen uns gibt und wir schon immer viel diskutiert haben, finde ich meine Familie so toll; ohne sie wäre ich nicht, wer ich heute bin. Um mal wieder Papa zu zitieren – er freut sich da immer so drüber: „Nicht jeder bekommt derartige Rhetorikschulungen beim Abendessen.“
Ich wurde mit viel Liebe, erstaunlich viel Geduld und sehr vielen lehrreichen Anekdoten aufgezogen; wäre ich da nicht dankbar, es wäre frevelhaft.

Auch für meine Freunde bin ich sehr dankbar; sie sind immer für mich da und hören sich mit einer Engelsgeduld jeden Mist tausend Mal an. Ich neige dazu, sowohl Glück als auch Leid immer und immer wieder zu erörtern; mit mir muss man wirklich alles endlos oft durchkauen und ich bin froh, Freunde zu haben, die das so geduldig mitmachen!
Ist etwas, was ich tue, nicht in Ordnung, sagen sie es mir ausserdem – diesen Mut bringen nicht viele Menschen auf und ich freue mich, dass meine Freunde so sind!

Etwas, wofür glaube ich viel zu wenige von uns bewusst dankbar sind, ist unser Lebensstandard. Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich im Grunde im Luxus lebe.
Ich kann mir eine Wohnung leisten, in der ich viel mehr Kram ansammeln kann, als ich wirklich benötige, kann sehr, sehr viel von besagtem Kram finanzieren, kann locker-flockig zwei Katzen ernähren, nebenher Geld sparen, Essen kaufen, das nicht nötig ist, um mich zu ernähren, sondern dem Spaß dient – das sind Dinge, die sich viele Menschen auf dieser Erde nicht leisten können. Es ist reines Glück, dass ich in diese Position hinein geboren wurde und ich bin dankbar, dass ich dieses Leben führen kann.

Dankbarkeit empfinde ich ebenfalls dafür, dass ich meine Wahlheimat entdecken durfte – Münster.
Das Titelbild zu diesem Beitrag zeigt den Blick aus meinem Dachfenster am vergangenen Sonntag; so schön wie dieses Foto ist für mich die Stadt, die ich als Heimat erwählte. Ohne meine Krankheit hätte ich Münster wohl nie entdeckt; damit kommen wir zum nächsten Punkt in meiner Liste, wofür ich dankbar bin.

Meine Leukämie. Ja, meine. Meine ganz eigene, spezielle Leukämie. Ich glaube, für jeden ist sie gleich und doch irgendwie anders.
Für mich war sie prägend; einer meiner ersten und am häufigsten verlinkten Blogbeiträge beschäftigt sich mit ihr (https://sojakoala.wordpress.com/2016/08/12/ausgerechnet-strahlentherapie/). Man könnte meinen, ich wolle damit unbedingt Aufmerksamkeit heischen, doch so ist es nicht. Dieser Blog dient dazu, ein Bild von mir zu zeichnen; ohne diesen wichtigen Teil meines Lebens wäre mein Bild ein vollkommen anderes. Ich wäre womöglich niemals zu diesem sarkastischen, doch zugleich sehr empathischen Menschen geworden, der ich bin. Vor wenigen Tagen sagte mir die Frau eines Patienten, es sei toll, wie empathisch ich sei, das erlebe man selten bei so jungen Menschen. Ich verkniff mir ein paar Tränen, bedankte mich und freute mich den Rest des Tages, dass ich so werden durfte.

Irgendwann muss ich zum Ende dieses Beitrags kommen – hier also mein letzter Punkt: Ich bin dankbar, dass ich zu diesem Blog motiviert wurde.
Schreiben macht mir Spaß und lag mir schon immer; wie ich schon einmal schrieb, wusste ich nur nie, was ich schreiben sollte. Mit diesem Blog habe ich die Möglichkeit, meine Gedanken in Worte zu fassen und Dinge loszuwerden, die ich manchmal am Liebsten laut in die Welt schreien würde; das mache ich nun einfach schriftlich.
Ich freue mich darüber, dass ihr das hier gerade lest und ich freue mich, dass es Menschen gibt, die immer wieder auf meinen Blog zurückkehren; auch das ist nicht selbstverständlich und erfüllt mich neben Dankbarkeit zugegebenermaßen mit Stolz.

Wenn ihr selber keinen Blog habt, aber gerne einmal los würdet, wofür ihr dankbar seid, kommentiert gerne hier oder auf https://facebook.com/sojakoala unter dem entsprechenden Beitrag; erzählt mir, wofür ihr Dankbarkeit empfindet!

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4 Gedanken zu “… Dankbarkeit – eine Blogparade?

  1. Ich bin dankbar für die Menschen, die mein Leben lebenswert machen. Die mich trotz meiner Macken lieben und mich schätzen. Und dankbar dafür, dass ich deinen Artikel grad vor der Arbeit las und jetzt bessere Laune habe, einfach weil es mir gut geht. Man verliert die Perspektive viel oft, leider.
    Liebe ❤

    Gefällt 3 Personen

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