… 30 – und jetzt?

Als ich gestern aufwachte, fühlte ich es. Ich war schwach. Mein Gesicht faltig, das Haar schütter, der Körper nicht mehr straff. Die Lebensgeister hatten mich verlassen. Ich hörte eine Uhr ticken. Tick tack.

Ich war dreissig.

Nachdem ich fünf Minuten gelüftet hatte, fühlte ich mich wieder wie vorher. Eigentlich sah ich auch genauso aus wie vorher. Die tickende Uhr war meine Armbanduhr, die ich neben dem Bett abgelegt hatte.

Mein gestriger Geburtstag war sehr schön; bereits Sonntag kamen meine Eltern, um zunächst mit mir Torte essen zu gehen, anschließend Abendessen und dann Cocktails trinken. Über Nacht schliefen sie dann in einem Hotel in der Nähe meiner Wohnung (selbige ist zu klein zum Übernachten und für Papa glaube ich zu katzenhaarig und unordentlich), damit wir an meinem Geburtstag zusammen mit meiner Schwester frühstücken gehen konnten.
Nach dem Frühstück bummelten wir noch etwas – hauptsächlich, weil ich nur bummelnd gehen kann aktuell – und im Anschluss kamen einige Freunde zu mir; der Tag hätte also nicht schöner sein können!

Abends fühlte ich mich immer noch nicht älter.
Bereits deutlich vor meinem dreissigsten Geburtstag fragte ich mich, ob mich das Schicksal erschreckend vieler Menschen – oftmals Frauen – ereilen würde, sich plötzlich unwohl zu fühlen. Angst zu haben, zu spät dran zu sein mit etwas. Etwas zu verpassen. Ständig hörte ich „Bald bist du dreissig.“. Ja, stimmt, irgendwann wird eben jeder so alt, wenn nichts dazwischen kommt!
Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass ich an meinem Geburtstag plötzlich denken könnte, ich sei alt. Wenn ich nach meinem Opa komme (dem, der am gleichen Tag starb wie George Michael – https://sojakoala.wordpress.com/2016/12/26/keine-angst-vor-dem-tod/), ist jetzt das erste Drittel meines Lebens vorbei. Ich bin also quasi noch jugendlich.

Nachdem der ach so große und offenbar bedeutende Tag meines Lebens nun vorüber ist, frage ich mich, wieso solche Ängste bezüglich des dreissigsten Geburtstags vorherrschen; denken wir wirklich, in dem Alter sei man alt?
Im Grunde genommen fängt doch das Leben jetzt erst richtig an; die Ausbildung ist vorüber, man hat schon deutlich mehr zu sich selbst gefunden, man hat gelernt, wer einem gut tut, was einem gut tut – man kann von seinen Erfahrungen zehren und seine Zukunft gestalten.
Nichtsdestotrotz graut vielen Menschen vor dem 30. Geburtstag. Im Grunde genommen ist man doch nur einen Tag älter als am Tag davor. Man wird doch nicht plötzlich weniger man selbst.

Ich habe kein Haus, kein Auto, weder Mann noch Kind; Dinge, die viele Menschen – ich wiederhole, oft Frauen – in meinem Alter erstrebenswert finden. Dinge, von denen uns die Werbung vorgaukelt, sie seien nötig. Sind sie aber nicht. Wenn ich will, kann ich mein Leben lang Single und kinderlos bleiben; die Zeiten haben sich geändert. Ich muss nicht die heile Familie aus der Lätta – Werbung haben. Wenn ich will, kann ich auch alleinerziehende Mutter werden. Oder einfach gar keine Mutter. Ich bin deswegen nicht weniger wert, genauso wenig, wie ich weniger wert bin, weil ich jetzt eine drei statt einer zwei als erste Zahl im Alter stehen habe. In zehn Jahren steht dort unweigerlich eine vier; auch dann bin ich immer noch ich und nicht irgendein Klischee, das ich erfüllen soll.

Ich merke selber, dass dieser Beitrag ein wenig abdriftet in Richtung eines Themas, das ich gerne nächstes Mal ansprechen möchte; ich ende daher bereits hier. Der nächste Beitrag, der sich nicht mit Haaren beschäftigt, wird wieder ernster und etwas politisch; davon abgesehen, dass ich viel über das Thema nachdenke, bekam ich Zuschriften, ich solle ruhig öfter Ernstes behandeln – wird gemacht! Es geht um Frauen, unsere Gesellschaft, Sex; freut euch schon mal.

Diejenigen unter euch, die sich grämen, weil sie 30 werden oder sind: Lasst das sein! Wir können es nicht ändern und es ist nur eine Zahl; ich schrieb zum Thema Alter auch schon einmal ausführlicher, das könnt ihr hier nachlesen: https://sojakoala.wordpress.com/2016/09/14/aufs-alter-scheissen/

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15 Gedanken zu “… 30 – und jetzt?

  1. oh je, ich hab meine 30 seit 35 Jahren hinter mir . Jedes Alter hat seine Vorzüge und seine Tücken , so ist das Leben…. meine Mama sagte immer wer nicht alt werden will muss sich frühzeitig aufhängen …Ich liebe mein Leben , du auch das deine ? 🙂

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  2. Ich mochte 30 werden. Ich hab das Gefühl, dass ich angekommen bin und mit beiden Beinen im Leben stehe. Und vor allem habe ich realisiert, dass ich um einiges stärker bin, als ich zuvor immer glaubte.
    Freu mich, bald mit dir auf deine 3 anzustoßen, Hase :*

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  3. Herzlichen Glückwunsch erstmal! Wie ich sehe, hast Du schön gefeiert 🙂

    Und Du hast Recht: das Geburtsjahr ist doch bloß ne Zahl. Ich kenn Menschen mit 20, die „älter“ sind als 50jährige, die ich kenne.
    Ich bin Ü40 und warte immer noch drauf, erwachsen zu werden 😉

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  4. Mit 30 geht’s bergab!

    Quatsch, irgendwann ist das Alter egal und man muss auch nicht die gesellschaftlichen Vorgaben verfolgen. Du musst mit 30 oder 50 oder 70 keine Familie haben oder Kinder oder ein Haus oder ein Auto, die Hauptsache ist, dass du so glücklich bist und das bist du anscheinend. 🙂

    Ps.: Immer, wenn man ein Jahr älter wird, dann tut es für ein paar Tage weh. 😛

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  5. mir steht im nächsten Jahr die 5 am Anfang bevor und ganz ehrlich? Von diversen kleinen Zipperlein, die ich im Wesentlichen auf meine Arbeit auf dem Bau zurückführen kann, eimal abgesehen, ändert sich eigentlich nichts. Bei mir wurde es ab 30 eigentlich sogar nur besser, im Großen und Ganzen gesehen. Auch single und kinderlos (ich wollte einfach keine) fühle ich mich total wohl, so, wie es jetzt ist. Keine Panik 😉

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  6. Ein schöner Beitrag zu diesem Thema. Bei mir kommt die 30 erst im nächsten Jahr, aber ich sehe es ebenfalls sehr gelassen. Denn wie du schon sagst, im Grunde ändert sich dadurch doch gar nichts, bis auf die Zahl. 🙂

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