… Spülschwämme selber machen?

Wie so oft begann es mit einem flüchtigen Gedanken. Ich stand im Supermarkt, suchte nach der Sorte Spülschwämme, die nicht ständig riesige Fasern am Geschirr verliert, und kam ins Grübeln.

Wenn diese billigeren Spülschwämme Fasern verlieren, ist das bei den teuren Schwämmen anders? Oder sind die Fasern da vielleicht einfach so klein, dass ich sie nicht wahrnehme? Warum spüle ich überhaupt mit Plastik?

Schon eine ganze Weile reduziere ich meinen Plastikverbrauch; ich kaufe ohne Plastiktüten ein, kaufe möglichst lose Waren, versuche, Plastik in Kosmetik zu vermeiden, benutze Bambuszahnbürsten (Mehr dazu). Nichtsdestotrotz spüle ich mit Plastikschwämmen.
Geht man davon aus, dass man seinen Schwamm alle zwei Wochen wechselt (was eigentlich schon ein zu großer Abstand ist) und ungefähr 60 Jahre lang spült, verbraucht man in seinem Leben übrigens an die 1560 Schwämme.

Da sich in Supermarkt und Drogerie keine mir zusagende Alternative fand, suchte ich wieder einmal online.
Das umweltschonendste Produkt, das ich fand, war aus recycelten Materialien; Schaumstoff aus alten Sofas sowie PET – Flaschen, um genau zu sein. Auf meiner Suche stieß ich jedoch auch auf ein Bild, das Schwämme zeigte, die nach Naturfaser aussahen. Gestrickt oder gehäkelt. In der Tat, sie waren aus Paketschnur!
Praktischerweise ist gleich bei mir um die Ecke ein Schreibwarengeschäft, das Paketschnur führt. Richtige aus Naturfaser, nicht die plastikbeschichteten Schnüre, die in noch mehr Plastik eingeschweißt sind. 10 Meter kosten 50 Cent; vorsichtshalber landeten also 60 Meter in meinem Einkaufskorb.

Mein Plan sah vor, etwas zu stricken, in das ich hineingreifen konnte wie in einen Waschlappen – in meinem Kopf war das eine wunderbar handliche Idee.

 

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Unempfindliche können damit auch ihre Haut peelen; nicht, dass ich das probiert hätte, versteht sich…

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Nach einigen Maschenproben hatte ich die perfekte Anzahl an Maschen gefunden; 14 Stück mit einer 5er – Stricknadel. Als Maßstab diente, logischerweise, meine Hand. Ich strickte einfach so lange, bis ich das Strickstück vollständig über meine Finger bekam; dann nähte ich zwei Seiten zu und versah die umgeklappte Seite der Vollständigkeit halber ebenfalls mit einer Naht; das sieht man gar nicht, musste für meinen Kopf aber sein!
Zu guter Letzt staffierte ich den Schwamm mit einer Schlaufe und einem Knopf als Deko – Element aus. Ursprünglich hatte ich geplant, dafür Holzkugeln zu nehmen, im Secondhandladen gab es jedoch zufällig Knöpfe; statt neuer Holzkugeln nahm ich also alte Plastikknöpfe – was ökologischer ist, kann ich schlecht beurteilen. Der Abrieb der Knöpfe beim Spülen ist meiner Meinung nach zu vernachlässigen, schließlich rubble ich damit nirgendwo herum.

 

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Die Kosten für einen Spülschwamm belaufen sich pro Stück auf ungefähr 1,20 Euro, wenn man zwei Knäuel Schnur verbraucht (das ist bereits großzügig gerechnet und beinhaltet die Nähte, die ebenfalls aus Schnur sind) und einen Secondhandknopf für ganze 20 Cent annäht. Der Zeitaufwand betrug bei mir pro Schwamm zwei Stunden; ich bin nicht die schnellste Strickliesel, aber auch nicht die langsamste.

Natürlich ist das Projekt sinnlos, wenn ich die Schwämme nicht auch benutze – ich testete sie also bereits.
Während des Spülens verändert sich die Struktur der Schnur; sie wird weicher, ist aber trotzdem gut geeignet, um auch verkrustete Reste zu lösen. Es wie einen Waschlappen zu gestalten, erwies sich in der Tat als äußerst praktisch; man kann toll in den Schwamm hinein greifen und um das zu spülende Geschirr fassen.
Das einzig störende sind bislang der Geruch des nassen Schwamms sowie die Trocknung; das Material mieft, wenn es nass ist, und braucht ohne Hilfe sehr lange zum Trocken; aktuell lege ich die Schwämme daher zum Trocken auf die Heizung. Im Sommer werde ich sie in die Sonne hängen. Der Geruch ist im trockenen Zustand wieder vollständig verflogen.

 

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Das stellenweise unruhige Maschenbild entsteht durch die variierende Dicke der Naturfaser; ich mag`s, zeigt es doch den DIY – Charakter des Schwamms klarer.
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So sahen sie nach ihrem ersten Gebrauch aus; ich spülte schön fettige Pfannen damit, um sie zu testen.

Bislang strickte ich zwei Schwämme, die nur aus Paketschnur bestehen, sowie einen, der auf einer Seite aus Schnur und auf der anderen aus Baumwolle besteht; der Plan ist, damit empfindlichere Dinge zu spülen.
Aufgrund einer leichten Fehlplanung ist der zweiseitige Schwamm etwas entartet und kam noch nicht zum Einsatz – aktuell arbeite ich an einer besseren Version, in der ich die Stücke getrennt voneinander fertige. Für diesen Schwamm nutze ich meine neuen Häkelkenntnisse und kann daher schon sagen, dass Gehäkeltes zwar hübsch aussieht, aber deutlich mehr Material verbraucht als Gestricktes. Beide Handarbeiten führe ich übrigens recht eng aus – wer eher luftige Maschen fertigt, wird also einen geringeren Verbrauch haben, dafür aber auch einen weniger stabilen Schwamm.

Wenn der zweiseitige Schwamm fertig (Häkeln dauert bei mir deutlich länger als Stricken) und getestet ist, werde ich wieder davon berichten, wie das Spülerlebnis ist; bis dahin kann ich dann vermutlich auch sagen, wie es klappt, die Schwämme in der Waschmaschine zu waschen.
Bis es soweit ist, könnt ihr schon mal Stricken und Häkeln lernen (YouTube hat super Tutorials; beides ist nicht schwer!) und mir eure Werke zeigen!

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36 Gedanken zu “… Spülschwämme selber machen?

  1. Hallo,

    ich verwende seit Jahren selbstgestrickte Waschtücher. Meine sind aus Baumwolle. Ich mache sie ungefähr 20 x 20 cm und nur einlagig. So trocknen sie schneller. Oft probiere ich ein Muster aus. Ich wasche sie regelmässig mit den Geschirrtüchern in der Maschine mit. Funktioniert gut.

    LG, Veronika

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    1. Hey! 🙂
      Tücher​ kann ich beim Spülen irgendwie nicht haben, ich brauche etwas griffiges, kompaktes – habe deshalb auch unglaublich viele Spültücher, die ich jetzt zum Putzen nehmen kann. 😄

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  2. Ich glaube, ich muss doch noch die 5-kg-Kone Hanfschnur aus dem Keller holen 😉
    Ich bin ein Handarbeitsjunkie, habe mir aber noch keinen Spülschwamm gemacht, kannst Du Dir das vorstellen.

    Mich würde interessieren, wie der gehäkelte funktioniert. Das Maschenbild ist ja glatter als bei kraus rechts gestrickt. Ob es was ausmacht?

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    1. Das war eigentlich gedacht, um ein Netz zu knüpfen, wie früher die Fischernetze. Aber ich bin zuversichtlich, dass das Netz durch ein paar Spülschwämme nicht wesentlich kleiner wird ^^

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    2. Karbidangeln ist hierzulande nicht erlaubt. 😉 Ne, ist für unsere Mittelalter-Darstellung geplant. Würde sich gut in unserer Wohnstube machen.
      Einkaufsnetze mache ich lieber aus Baumwolle. Die ist pflegeleichter und ebenfalls pfundweise im Haus aus der Zeit als ich den Rappel mit den Häkelspitzen hatte *soifz*

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    3. Och lass mal! Ich bin da echt neidisch drauf.
      Ich glaube, meine Nachbarn hassen meinen Wecker mit Schlummerfunktion. Der kann schon mal 45 Minuten lang immer wieder scheppern.
      Ich warte sehnsüchtig drauf, dass bei mir die senile Bettflucht einsetzt.

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    4. Nimm mir nicht die Hoffnung! Du bist 10 Jahre jünger als ich. Wenn das, was ich habe, senile Bettflucht ist, läuft da was ganz gewaltig schief.
      Unter nem halben Liter Kaffee am Tag funktioniere ich nicht – was mich drauf bringt, dass ich mir einen machen sollte.

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    5. Ein Glück! Wie wärst Du da wohl drauf. Ich musste gerade an das Eichhörnchen aus Ab durch die Hecke denken ^^
      Gib es zu: Du bist der reinste Flummi und hüpfst immer durch die Gegend.

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  3. Ich find‘ die Idee super! Hab‘ das schon seit einiger Zeit auf einem meiner Pinterest-Boards gepinnt, aber bisher noch nicht umgesetzt.
    Ich bin nämlich auch immer wieder auf der Suche nach einer Alternative, weil die Schwämme und diese komischen Lappen nicht mag. Es gab mal so Stoff-Spüllappen, die man super waschen konnte. Aber die finde ich nirgends mehr.
    LG, Tina

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  4. Hey Silja,

    die Schwämme sehen total klasse aus! 🙂 Vor allem die Idee mit den alten Knöpfen gefällt mir gut. Und dass sie vermutlich waschbar sind ist ja auch ein großer Vorteil.

    Häkeln und stricken kann ich zwar nicht (Hab es mal probiert, aber ich glaube, bei mir ist Hopfen und Malz verloren!) , aber heute Abend hole ich mir via EbayKleineinzeigen eine gebrauchte Nähmaschine.

    Mal sehen ob ich damit etwas Schönes gezaubert kriege. Auch wenn ich noch nie mit Maschine genäht habe, irgendwie habe ich das Gefühl es liegt mir mehr. 😉

    Liebe Grüße
    Brilona

    Gefällt 2 Personen

    1. Huhu!
      Dankeschön! 😄 Ja, waschbar sollten sie sein; ich werde es sehen. xD
      Ui, echt, keine Chance auf Nadelarbeit?
      Nähen zog ich auch mal in Erwägung, aber dann versinke ich glaube ich im Stoffchaos. 😄😄

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