… Menschen aus dem Leben streichen – reloaded?

Ihr habt es vielleicht mitbekommen – WordPress hat auf mysteriöse Art und Weise einige meiner Texte (naja, 17…) verschluckt; eure und meine liebsten davon betroffenen schreibe ich neu.
Bei diesem Beitrag schmerzt das Verschwinden sehr, war es doch einer der für mich persönlich wichtigsten, da es um etwas geht, das mich in meiner Entwicklung einen großen Schritt vorwärts gebracht hat.

Menschen aus dem Leben zu streichen klingt erst einmal hart; manchmal ist es jedoch unbedingt nötig, wenn man sich selbst wertschätzt.

Ich gehöre zu diesen Menschen, die gerne viel mit sich machen lassen; braucht jemand meine Hilfe, bin ich da, egal, welcher Natur diese Hilfe ist – sei es, dass ein offenes Ohr gebraucht wird, Geldnot herrscht oder einfach nur das Verlangen nach einem gemeinsamen Alkoholexzess besteht.
Meine Freunde wissen das, Menschen, die mich nicht gut kennen, erwarten es hingegen nicht von mir.
Besondere Freunde zeigen sich für diese mir gegebene Art erkenntlich, indem sie mir solch schöne Karten schicken, wie ich sie im ursprünglichen Beitrag zeigte – eine Freundin, die ich nur selten sehe, aber unglaublich gern habe, überraschte mich mit einer Postkarte. Ich weiß noch, dass ich im alten Beitrag geschrieben hatte, wie sehr mich das freute an diesem Tag, der bis dahin furchtbar gewesen war; Menschen, die dieses Gefühl und solche Erinnerungen in uns auslösen, sind diejenigen, die wir in unserem Leben behalten sollten.

 

karte

 

Keiner von uns ist davor gefeit, auf Menschen zu treffen, die uns nicht gut tun; oft dauert es, bis wir das erkennen.
Meine Liste dieser Menschen wuchs in den letzten Jahren öfter mal; sie existiert nur in meinem Kopf und trägt den schönen Namen „Gestorben“. Bis man bei mir auf dieser Liste landet, muss man mich recht weit treiben; Gutmütigkeit wurde mir in die Wiege gelegt, doch ebenso kamen Ignoranz und Sturheit hinzu.
Bis ich dazu überging, Menschen im Geiste zu begraben, grämte ich mich oft, weil ich zu jemandem kein so enges Verhältnis hatte, wie ich es mir wünschte oder aber Freundschaften langsam auseinander gingen. Manchmal passiert das einfach – es zu akzeptieren ist nicht immer leicht, doch machbar.

Die schmerzhafteste Erfahrung dahingehend betraf einen wirklich guten Freund; mit ihm fing ich an, meine Liste zu füllen. Wir waren jahrelang befreundet, immer unterwegs mit einem dritten Freund, und plötzlich war ich für diesen Menschen Geschichte. Er hatte eine neue Freundin, die ihm verbot, mich zu treffen, obwohl sie mich gar nicht kannte. Dass er sich derart gängeln ließ, traf mich sehr. Ich lief ihm hinterher, versuchte verzweifelt, unsere Freundschaft zu retten – von ihm kam nichts zurück. Irgendwann wurde ich sauer; so läuft das bei mir immer ab. Erst gebe ich mich auf, laufe nach, dann werde ich sauer und laut und dann verstumme ich. Bin ich gegenüber einer Person verstummt, kann sie sich recht sicher sein, dass es kein Zurück mehr gibt; da kommen die Gene meines Vaters durch.

Man könnte sagen, dieses Verhalten sei kaltherzig – ich sehe es anders. Es dient meinem Schutz.
Wie gut kann mir ein Mensch tun, der mich von einem Tag auf den Anderen fallen lässt? Welchen Wert hatte diese Freundschaft? War das jemals wirklich eine Freundschaft? War es vielleicht viel mehr eine Nutznießerschaft?
Manchen Menschen, die ich auf meine Liste gepackt habe, unterstelle ich, dass sie mich ganz bewusst ausgenutzt und manipuliert haben; in einigen habe ich mich einfach nur geirrt, was die Kompatibilität mit mir anging.

Im vergangenen Jahr strich ich drei Freunde aus meinem Leben – zwei hatten mich öfter zur Weißglut getrieben, Gespräche hatten nichts gebracht und einer war einfach nicht, wie ich es dachte. Vielleicht haben wir uns auch beide verändert und passten deshalb nicht mehr zueinander; das Ergebnis ist dasselbe – wir haben uns derart entfremdet, dass dieser Mensch für mich nicht mehr existent ist.

Dafür hat es ein Mensch vermutlich dauerhaft von meiner Liste runter geschafft; ich schrieb bereits im ursprünglichen Beitrag von ihm. Es ist der junge Mann aus meinem Beitrag zum Thema Single sein.
Als der Beitrag das erste Mal erschien, hoffte ich noch darauf, dass wir länger im Leben des Anderen bleiben; wir hatten gerade angefangen, uns auch mal nüchtern zu treffen – wie man das eben so macht mit Freunden. Das ist mehrere Monate her und wir verabreden uns immer noch; ich freue mich darüber sehr.
Wie dieser Mann es von meiner Liste runter geschafft hat? Indem er bei einem zufälligen Treffen etwas sagte, was mich so erwärmte, dass ich nicht anders konnte, als ihn wieder in mein Leben zu lassen; bislang habe ich es nicht bereut und ich hoffe, das bleibt weiterhin so. Wenn ich den Beitrag das dritte Mal schreiben muss, kann ich das dann erzählen…

Einer der Vorteile daran, wenn man lernt, Menschen aus seinem Leben zu streichen, ist, dass man Platz hat für neue Freunde. Seit ich konsequenter bin in meiner Entscheidung, wer gut für mich ist und wer nicht, habe ich viel wertvollere Freunde gefunden als vorher. Während letztes Jahr drei Freunde mein Leben verließen, die mir eigentlich wenig gut getan hatten, kamen neue Freunde in mein Leben. Auch sie erwähnte ich schon im ursprünglichen Beitrag zu diesem Thema; auch sie sind nach wie vor meine Freunde – enger als vorher sogar. Es sind Menschen, die ich beim ersten Kontakt mochte und gegenüber denen ich mich nie verstellen muss; ich muss ihnen nicht hinterher laufen und ich weiß, dass sie sich melden, auch, wenn es mal etwas länger dauert. Ich kann bei ihnen vollkommen mein Selbstwertgefühl behalten und muss mich nicht zum sprichwörtlichen Affen machen. Sie üben Kritik an mir auf wertschätzende Art und Weise und zeigen mir, dass sie mich nicht verletzen, sondern stärken wollen – so sollte Freundschaft sein.

 

anne
Auch noch aus dem letzten Beitrag! Freunde stimmen schon mal Lippenstift – und Haarfarbe ab.

Die Moral von der Geschicht‘:
Wenn euch ein Mensch auch auf die fünfte Nachricht nicht antwortet, jemand nie Zeit für euch hat, aber mit Anderen ständig etwas unternehmen kann, wenn jemand nur von sich redet, statt auch mal zu fragen, wie es euch geht – überlegt, ob ihr diesen Menschen in eurem Leben braucht oder ob ihr euch an etwas festklammert, was eigentlich schon lange keine Freundschaft auf Augenhöhe mehr ist; niemand von uns ist so wenig wert, dass er sich für andere Menschen aufgeben muss!

Wie auch bei meinen anderen Beiträgen freue ich mich natürlich über eure Gedanken hierzu – bei diesem besonders, weil ich mir unsicher bin, ob er so gut ist, wie ich den alten Beitrag fand.

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11 Gedanken zu “… Menschen aus dem Leben streichen – reloaded?

  1. Hey (:
    Ich kann dir nur zu 100% zustimmen. Ich habe selbst ja auch erst vor kurzem darüber geschrieben wie ich diese “negativen Menschen“ aus meinem Leben verbannt habe (“Gestorben“-Liste passt da wirklich hervorragen! ;))
    Lange Zeit bin ich auch Menschen hinterhergerannt für die ich selbst anscheinend nur die 2.. Wahl war, die mir mit ihrer Einstellung nicht gut tatgen oder die mich im Großen und Ganzen einfach nicht verstanden.. Es war hart aber ich sehe das wie du: mehr Platz für neue RICHTIGE Freunde!
    Danke für die Erinnerung.
    Liebste Grüße
    Lu

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  2. Ja ja so ist das wohl. Ich habe mich letztes Jahr auch von einem Menschen getrennt! Die ersten Tage waren komisch, aber seitdem fühlt es sich nach starker Erleichterung an. Leider war der Mensch niemals ein Freund und das habe ich erst sehr spät wahrhaben wollen…

    Liebe Grüße, Sternchen

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  3. Irgendwie muss ich leandergeorgweiss zustimmen in der Hinsicht, dass es Glück für uns war, dass der Beitrag „verschluckt“ wurde.
    Ein sehr schöner und echter Beitrag!

    Ich hatte auch mal einen Freund, den ich vor vielen Jahren auf einem Konzert kennen lernte. Er war immer so lieb und schenkte mir an dem ersten Tag sogar sein Armband. Wir hatten täglich Kontakt, schrieben per ICQ und MSN, telefonierten, skypten, simsten. Wir trafen uns und hatten sogar eine Zeit lang sowas wie eine Beziehung (ohne Sex). Aber durch seine Ausbildung entfernte er sich immer weiter von mir. Das war schade, wir stritten und irgendwann schmiss er mich aufgrund eines dämlichen Facebook-Posts aus seiner Freundschaftsliste. Ohne Worte – und dann hab ich natürlich nachgefragt, was das soll etc. Und seine Vorwürfe waren total kindisch und es tat weh einen eigentlich so tollen Freund zu verlieren. Und ich bin ihm, wie du so schön geschrieben hast, erst einmal hinterhergelaufen und danach wurde ich auch sauer. Und mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich dieses „Problem“ auf diese Weise los geworden bin. Manchmal wünscht man sich die alten Zeiten zurück, aber „Wer nach vorne sehen will, der darf nicht nach hinten denken“.

    Man muss leider auch seine „reale Freundschaftsliste“ mal aufräumen, so wie das auf Social Media auch passiert. Da ist ein gesundes Maß an Egoismus schon angebracht.

    Bin sehr gespannt auf deine nächsten „verschluckten“ Beiträge!

    Viele Grüße~
    Michelle ❤

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    1. Vielen Dank für dein Lob und Feedback! (Übrigens auch an euch Andere, ganz vergessen!)
      Ich glaube, viele von uns haben so etwas schon erlebt, nur befreien sich einige nicht aus derartigen Beziehungen oder schämen sich später dafür, dass sie egoistisch gehandelt haben; schade eigentlich, da ich denke, Egoismus ist manchmal vorteilhaft.

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  4. Hey ich kenne leider den alten Beitrag nicht aber ich habe selbst schon mit diesem Thema zu kämpfen gehabt und halloween war es soweit das ich meine beste und auch eine ganze Zeit einzige Freundin aus meinem leben gestrichen habe nach jahrelangem überlegen und hin und her ich finde es schade aber ich denke es war auch nötig weil ich nicht immer das hässliche entlein an ihrer Seite sein kann das sie immer anschreibt und sich bemüht etwas mit ihr zu machen während sie eigentlich nie von sich aus kommt also seit ein paar Jahren erst davor hatten wir auch tolle Zeiten ich meine wir haben miteinander die Pubertät überlebt und sie hat mir auch über einige Schicksalsschläge geholfen aber da sie bei den letzten treffen die eh selten geworden sind eigtl nie Lust hatte wirklich mit mir etwas zu unternehmen sondern sie mich immer wo hingeschleppt hat wo ihre neuen Freunde etc. Sind hat es mir gereicht.. Um zu deinem Beitrag zurückzukommen danke du bestärkst mich in meinem entschluss dass ich die Freundschaft beendet habe und ich hatte wie gesagt eine lange Zeit auch leider nur diese eine Freundin die ich dann auch nur noch selten gesehen habe aber seit ich sie gestrichen habe hat sich tatsächlich auch die ein oder andere neue Freundschaft gebildet wenn auch nicht so eng wie damals mit ihr aber soetwas braucht Zeit zu wachsen sry ich bin hier total abgeschweift aber danke 😊

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    1. Schade, dass du das ausgerechnet mit deiner besten Freundin erleben musstest!
      Umso schöner aber, dass du auch erlebst, dass sich neue Freundschaften entwickeln – ich denke, gerade, wenn man schon eine Freundschaft hatte, die nicht auf Gegenseitigkeit beruhte, kann man künftig viel bessere Freundschaften bilden. 🙂

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  5. Was für ein Glück (für mich), dass Du keine Datensicherung von deinen Blogeinträgen gemacht hast. Sonst wäre ich auf diesen Eintrag nicht gestoßen. 🙂
    Ja, ich sehe es auch so wie Du. Man sollte Menschen aus seinem aktiven Leben streichen, wenn alles andere eine Qual ist. Auch ich tue es und auch bei mir bekommt dieser Mensch vorher viele Chancen, oft zu viele.
    Wenn ich aber ehrlich zu mir und dir bin, habe ich oft eher das Gefühl, dass die anderen mich dann oft schon längst aus ihrem Leben gestrichen haben. Aussagen wie „Ja, wir müssen unbedingt wieder mal was machen.“ oder „Komm doch mal vorbei, wenn es passt.“ sind die üblichen unehrlichen Hygieneaussagen. Denn zu sagen „Sorry, kein Interesse.“ wäre ja unhöflich. Oft frage ich mich, ob ich jemals in deren Leben gewesen bin.
    Wenn Du Freunde aus deinem Leben streichst und immer noch welche hast und immer noch welche dazu kommen, Glückwunsch.
    Schwieriger wird es, wenn sich irgendwann immer weniger Menschen für dich interessieren. Ob das daran liegt, dass man selber immer uninteressanter oder schwieriger wird oder dass die Menschen um einen herum sich immer stärker in ihre immer kleinere Welt zurückziehen, ist dann auch egal.
    Schwierig wird es, wenn man in einer Situation ist, in der man sich fragen muss, ob man jetzt mit ganz, ganz wenigen, echten Freunden leben will (ein einzelner ist da schon ein großes Glück) oder ob man, um nicht einsiedlerisch zu erscheinen, einen Kreis von Meschen um sich behält, die man früher nicht zu seinen „Freunden“ gezählt hätte, die aber nach außen so wirken, als hätte man noch den großen Freundeskreis von früher.
    Wenn Du es schaffst, trotz deiner zu begrüßenden Wählerischkeit, auch in 20 Jahren noch einen großen, echten Freundeskreis zu haben, dann erst recht: Glückwunsch!

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    1. 😄 Na, da hat meine kleine Katastrophe ja wirklich noch was Gutes!
      Die Frage nach vielen Menschen oder lieber wenigen guten Freunden habe ich schon lange für mich beantwortet – lieber ein richtig guter Freund als zehn so la la Freunde. 🙂 Die Entscheidung hängt ein wenig mit etwas zusammen, was ich schon vor längerem thematisiere und dir mal verlinke, da du meinen Blog ja gerade erst entdeckt zu haben scheinst. 😊

      Gefällt 1 Person

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