… Rasieren à la Opa?

Weil ich nicht nur auf Oma – sondern auch auf Opakram stehe!
Vielleicht ist das aber auch einfach ein weiterer Schritt, nachhaltiger zu leben. 

Rasieren ist für mich, wie vermutlich für beinahe jeden, der das hier liest, seit Eintritt der Pubertät ein Thema.
Damals verboten mir meine Eltern zunächst, mich zu rasieren; da ich schon immer begnadet in Wortklauberei war, versuchte ich, mich anders zu enthaaren, ohne Spuren zu hinterlassen – sie hatten schließlich nur die Rasur verboten.
Falls es jemand nachmachen möchte: Das Bein mit einem Kühlpack zu betäuben und dann jedes Haar einzeln mit einer Pinzette auszureißen ist äußerst nachhaltig, aber auch mühsam. Ich gab nach ungefähr vier Quadratzentimetern auf.

Als ich endlich die Erlaubnis hatte, meine doch reichlich behaarten Beine zu rasieren (Dunkle Körperhaare bei blonder Mähne – womit habe ich das verdient?), dauerte es nicht lange, bis ich einen Rasierer mit Wechselkopf kaufte; das Wechseln des Kopfes geschah jedoch immer erst, wenn ich mir schon beinahe die Haut abschabte, weswegen ich zu Einwegrasierern wechselte.

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Dies sind meine restlichen Einwegrasierer; ich werde sie über die nächsten Jahre auf Reisen verbrauchen.

Selbige nutzte ich fortan sehr gerne; sie rasierten gut, schnitten ab und zu mal offenbar unnötiges Fleisch aus meinen Beinen und waren durchaus auch fünf bis zehn Mal benutzbar. Irgendwann ging ich aus Kostengründen dazu über, die “Männer“modelle zu kaufen – für die Farbe extra zu zahlen, finde ich dann doch unnötig.

Wäre ich nicht auf die Idee gekommen, meinen Ökograd zu steigern, hätte ich wohl einfach weiter Einwegrasierer genutzt; ich möchte aber nach wie vor meinen Plastikverbrauch reduzieren.
Um es mal wieder anhand einer Hochrechnung zu veranschaulichen: Gesetz dem Fall, ein Mensch rasiert sich 60 Jahre und wechselt seinen Rasierer alle zwei Wochen – nach Herstellerangaben also recht selten -, dann verbraucht diese Person 1560 Rasierer in seinem Leben. Menschen, die Einwegrasierer wirklich nur einmal benutzen und pro Woche zwei verbrauchen, landen bereits bei 6240 Rasierern. Ich dürfte gerade bei ungefähr 270 verbrauchten Rasierern liegen, da ich öfter einfach unrasiert rumlaufe.

So gut es sich manchmal anfühlt, seine Haare einfach wachsen zu lassen, so gut tut es auch, sich Beine und Achseln glatt zu rasieren, ein Kleid anzuziehen und sich aufzuführen wie ein stereotypes Mädchen; gar nicht mehr rasieren kommt daher für mich nicht in Frage.

Die plastikfreie Alternative zum Einwegrasierer ist, wie so oft, keine Erfindung der Neuzeit – es handelt sich um den Rasierhobel. Zwischen dem ersten Weltkrieg und den 1970er Jahren war er das Rasurmittel das Wahl; heute ist er nur noch in wenigen Ländern gängiger Standard.

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Eine der wenigen deutlichen Erinnerungen an meinen Großvater väterlicherseits ist, wie er sich rasiert – mit Rasierschaum, Pinsel und Rasierhobel. Benutzte er die Sachen gerade nicht, lagerten sie in einem eigens dafür entwickelten Ständer. Ich fand den Anblick immer schön und freue mich, nun auch einen Rasierhobel zu nutzen. Das Prinzip könnte simpler kaum sein; eine einzelne Klinge wird so in den Rasierkopf gespannt, dass sie an zwei Seiten etwas herausragt und daher zum Rasieren genutzt werden kann. Nach der Rasur empfiehlt es sich, den Hobel in seine Einzelteile zu zerlegen und unter fließendem Wasser zu reinigen – das dauert ungefähr eine halbe Minute.

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Die Rasur mit dem Hobel stellte ich mir deutlich spektakulärer vor, als sie wirklich ist. Man schäumt ein – das ist bislang das Einzige, was bei mir zu Wunden führen könnte, da ich manchmal zu wenig Seife nehme – und rasiert dann wie gewohnt. Den falschen Winkel zu wählen ist beinahe unmöglich; entweder hat die Klinge dann keinen Hautkontakt oder man schabt, statt zu rasieren. Bislang habe ich mich noch nicht verletzt; auch nicht, als ich mit -5 Dioptrien (Mein Sehvermögen ist ohne Brille wie im Vollrausch) unter der Dusche meine Achseln rasierte.

Die Anschaffungskosten variieren; es gibt Rasierhobel für zehn, aber auch für 160 Euro. Meiner ist von einer bekannteren Rasierhobelmarke und kostete gut 40 Euro. 10 Rasierklingen kosten zwischen einem und sechs Euro; auch das ist marken – und qualitätsabhängig. Die Nutzungsdauer der Klinge kann verlängert werden, indem man sie einige Male über eine alte Jeans zieht.
Zur Entsorgung wickele ich die alte Klinge einfach in das Papier der neuen, breche sie einmal der Länge nach durch und werfe sie dann in den Müll.

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Ja, eventuell hatte ich Spaß daran, eines meiner Röntgenanatomiebücher zu nutzen.

Da ich zur Rasur aktuell einfach meine Körperseife nutze, fand ich die Anschaffung einer extra Halterung für das gesamte Rasurequipment, welche noch einmal bei ungefähr 25 Euro liegt, unnötig; ich lagere den Hobel stattdessen in einer Dose aus dem Secondhandladen.

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Ausreichend Platz für Rasierhobel, Ersatzklingen und ein Stück Jeansstoff, wenn ich mich endlich von einer Hose trennen kann.

Wer schon länger damit liebäugelt, einen Rasierhobel zu nutzen, aber Angst hat, sich versehentlich zu verstümmeln, dem rate ich, sich einfach zu trauen! Ich liebe es, mich mit dem Hobel zu rasieren und frage mich, warum ich so lange mit der Anschaffung gewartet habe.

Möchtest du gerne mehr fachmännisch durch mich erstellte Hochrechnungen ansehen und dabei umweltfreundliche Alternativen finden, wirst du hier fündig; Themen abseits der Nachhaltigkeit finden sich in meinen anderen Kategorien, die sich ebenfalls freuen, wenn man in ihnen stöbert.

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16 Gedanken zu “… Rasieren à la Opa?

  1. Hallo,
    Wie steht es denn um die Bikizone? Da sind dann ja doch viele hubbel, Kurven und ungleichmäßige Stellen. Lassen die sich auch mit dem Rasierhobel sicher rasieren?
    Das ist tatsächlich der einzige Grund, der mich vom Kauf abgehalten hat, da ich dazu noch nie Stimmen im Internet gelesen habe.

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  2. Moin,
    Das Ganze klingt nach einer sehr brauchbaren Alternative. Ich habe allerdings mal einen elektrischen Epilierer, bei dem auch ein Rasieraufsatz bei war, geschenkt bekommen. Zwar nutze ich den Epilierer nicht, dazu bin ich ein zu großes Weicheier :’D, aber ich rasiere mich damit. Da das ‚glatte-Bein-Gefühl- sowieso nur einen Tag anhält, habe ich kein Problem damit, wenn es auch am ersten Tag nicht so ist. Mir reicht es da, wenn man die Haare einfach nicht sieht 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Alexandra!
      Ich habe mich noch kein einziges Mal mit dem Hobel geschnitten; auch kritische Stellen gehen einwandfrei. Ich rasiere damit bislang aber auch nicht so schwungvoll wie mit Einwegrasierern – vielleicht hätte ich mit weniger Schwung auch früher nicht so oft Schnitte gehabt. 😀
      Liebe Grüße
      Silja

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  3. Was hälst du von längerfristigen Methoden, wie zb. Lasern? Oder Blitzen für Zuhause, zb. von mit Silk n glide? Das wäre doch eine gute Alternative, wenn du dunkle Haare an den Beinen hast…

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  4. Liebe Silja,
    ich spiele schon länger mit dem Gedanken auf einen Rasierhobel umzusteigen und werde es heute tun. Ich gehe jetzt (nach dem Drausenkleidung anziehen (wobei mein pink-grau-gestreifter Hausanzug auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde *zwinker*)) direkt zum allen bekannten Pferdemann, der praktischer Weise direkt neben meiner neuen Wohnung ist und kaufe ihn mir!
    Danke!

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    1. 😄 Ich war neulich mit Katzenschlafanzughose einkaufen, weil ich keine Lust hatte, mich umzuziehen.
      Dass es da gerade einen gibt, sah ich die Tage; ich hoffe, du bist genauso begeistert davon wie ich! 🙂

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