… Auszeiten nehmen?

Klingt irgendwie nach Hippiekram, ist aber wichtig – gerade in einer Zeit, in der wir dauernd erreichbar sind. 

Wenn ich morgens aufstehe, geht mein erster Griff zum Handy; erstmal gucken, was ich nachts verpasst habe – obwohl meine Nächte überdurchschnittlich kurz sind (fünf bis maximal sechs Stunden Schlaf reichen mir) und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas an mir vorbei ging, daher äußerst gering ist.

Wenn ich dann die eigentlich nicht wichtigen Nachrichten, die ich bekommen habe, beantwortet habe, sind wie von selbst bereits zehn Minuten meiner Badezimmerzeit verstrichen; statt den Tag ganz in Ruhe zu starten, hetze ich nun also los, weil das Handy wichtiger war, als pünktlich loszukommen.
In der Pause dann geht es weiter; während ich esse, lese ich Nachrichten, scrolle gefühlt durch halb Facebook, sehe mir Fotos an. Ich mache alles, aber keine Pause.

Nach Feierabend lese ich auf dem Weg zum Fahrradständer wieder meine Nachrichten; manchmal bleibe ich stehen, um einige zu beantworten, und komme deswegen später als geplant heim. All die Whatsapp – und Facebookbenachrichtigungen abzuarbeiten ist aber auch ZU verlockend!

Auch zuhause ist mein Handy ständig bei mir; nie bin ich einfach mal für mich alleine. Ich kenne viele Menschen, denen es so geht; die festgewachsen zu sein scheinen an ihrem Telefon.

Weil mich nervt, dass ich so bin, lege ich mein Handy nun öfter beiseite und konzentriere mich auf das, was ich gerade mache; das tut unheimlich gut. Meine Facebookbenachrichtigungen habe ich fast alle ausgestellt; weder muss ich alles sofort wissen, noch alles sofort beantworten. Auch meine Whatsappnachrichten lasse ich nun öfter etwas auflaufen, statt bei jeder sofort das Handy zu zücken – es ist eine Wohltat!

 

Handy

 

Nicht ständig erreichbar zu sein, tut gut.
Als ich klein war, war das ganz normal – ich sah meine Freunde in der Schule, verabredete mich mit ihnen und sah sie dann zur verabredeten Zeit wieder. Heute verabrede ich mich mit Freunden, schreibe dann mit ihnen, bis wir uns sehen, und rede dann von Angesicht zu Angesicht mit ihnen – im Grunde ist das total unsinnig. Statt uns gegenseitig die volle Aufmerksamkeit zu schenken, sind wir immer nur halb beim Gegenüber; während man sich trifft, schreibt man schließlich mit Anderen. Ich versuche, während Verabredungen mein Handy möglichst links liegen zu lassen, scheitere jedoch manchmal. So schlimm wie eine ehemalige Freundin bin ich zum Glück nicht; ihr sagte ich einmal, dass ich gleich gehe, wenn sie ihr Handy nicht weg legt.

Vergangenen Sommer gewöhnte ich mir an, nach der Arbeit mit Buch und Badezeug an den Kanal (Münsters Badeplatz Nummer eins) zu fahren und einfach mal einige Stunden nicht erreichbar zu sein; ich kann kaum erwarten, das diesen Sommer zu wiederholen!
Einfach den Gedanken nachhängen, zwischendurch lesen, ab und zu ins Wasser springen und wissen, dass sich die Welt auch dann weiter dreht, wenn ich erst abends lese, dass eine meiner Freundinnen einen schlechten Tag hatte. Vielleicht bin ich dann erst später für sie da als früher, dafür jedoch mit viel mehr Hingabe und Energie – einfach, weil ich mir vorher gegönnt habe, mich von der Welt abzukapseln.

 

Kanal

 

Ich denke, es ist wichtig, dass wir zwischendurch Zeiten für uns schaffen, in denen wir anderen Menschen nicht zur Verfügung stehen.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der fast jeder überall Zugriff aufs Internet hat; natürlich ist es da verlockend, “mal eben“ etwas nachzusehen oder ein Bild zu verschicken. Es bleibt nur leider selten bei “mal eben“ – ehe man sich’s versieht, hängt man eine Stunde am Handy, statt in Seelenruhe einen Kaffee zu trinken und sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Manchmal wünschte ich mir, wir wären technisch wieder auf dem Stand meiner Kindheit; da das nicht geht, müssen wir selber darauf achten, uns nicht absorbieren zu lassen von diesem Drang, immer verfügbar zu sein.
Der einzige Mensch, der mich immer erreichen können muss, bin ich selbst.

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8 Gedanken zu “… Auszeiten nehmen?

  1. Achja, das Handy und Medien generell. Sei es Stunden vor dem Fernseher zu verbringen, obwohl nichts gutes läuft, den ganzen Tag am Handy zu hängen, mal eben die Mails zu chekcen, auf Whatsapp zu antworten, Twitter und Instagram Feed zu aktualisieren. Ich glaube die meisten von uns kennen das nur zu gut.
    Ich gebe mir morgens inzwischen bewusst Zeit, alles einmal nachzuschauen, während ich mein morgendliches großes Glas Wasser trinke. Sonst, vor allem beim Lernen, versuche ich, mein Hand yzu irgnorieren. Nicht gerade einfach, aber machbar. Es braucht anscheinend wieder ein wenig Zeit, um wieder dahin zu kommen, nicht immer und überall erreichbar zu sein.

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  2. Die Angst etwas verpasst zu haben ist in unserer Gesellschaft tatsächlich immer bei uns.

    Langfristig kann allerdings eine Morgenroutine helfen ein Morgenritual zu festigen. Damit kann man dann auch anfangen etwas gegen diese Angst des Verpassens zu machen.

    Zum schluss muss ich noch sagen, ein sehr guter Artikel! Klasse und weiter so!

    Merlin
    von http://www.merlinmechler.de

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank! 🙂
      Ich bewundere Menschen, die sich konsequent an eine feste Morgenroutine halten, ja ungemein! Selber breche ich irgendwann immer damit; die Angst, etwas zu verpassen, konnte ich glücklicherweise trotzdem ablegen. 😄

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