… Abtreibung – pro Choice?

Abtreibung gehört zu den Themen, die immer noch große Kontroversen auslösen; für mich war schon früh klar, dass ich sie befürworte. 

Die ersten Gedanken zur Abtreibung machte ich mir, als ich anfing, sexuell aktiv zu werden – mir war bewusst, dass ich schwanger werden könnte, wenn mit der Verhütung etwas schief ging. Wie ich schon einmal in einem Gastbeitrag auf Öko? Bio? Freak! schrieb, bläuten mir meine Eltern ein, immer Kondom und Pille zu benutzen; die Wahrscheinlichkeit eines versehentlich gezeugten Kindes sank somit zwar enorm, war aber immer noch gegeben. Während ich so darüber nachdachte, wie ein Leben als Teeniemutter wohl wäre, wurde mir klar, dass ich ein Kind abtreiben würde, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt wären.

Selbige Voraussetzungen waren recht simpel – vor Abschluss einer Berufsausbildung und dem Auszug von Zuhause würde ich kein Kind austragen. Diesen Standpunkt im Religionsunterricht zu verkünden, war gar nicht mal so klug; mit der guten Note war es für das Jahr vorbei.

Nun, ich schaffte es, meine Teenagerzeit ohne ungeplante Schwangerschaft rumzukriegen; ab dem Tag meines Examens war für mich dann auch klar, dass ich nicht mehr ohne besonderen Grund abtreiben dürfte. Besondere Gründe wären für mich, wenn ein Kind durch eine Vergewaltigung entstünde oder ich bereits während der Schwangerschaft erführe, dass mein Kind schwerbehindert wäre.

Du Monster! Wie kannst du nur?!
Wenn du erstmal in der Situation wärst, würdest du anders entscheiden!

Nein, würde ich nicht.
Vielleicht ist es egoistisch – eigentlich ist es das sogar ganz sicher -, doch ein behindertes Kind wäre nichts, wofür ich mich bewusst entscheiden würde. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ein behindertes Kind bei mir nur schwer glücklich würde; ich wäre damit seelisch einfach heillos überfordert. Ich bin zu wenig bereit, mein eigenes Leben vollständig hintenan zu stellen für ein Leben, das niemals selbstständig sein wird. Ich müsste zudem ständig darüber nachdenken, ob ich mein Kind mit einem Leben quäle, das es selbst nie gewählt hätte.

Erwartete ich ein gesundes Kind, das ich nicht zu zeugen geplant hatte, sähe es wiederum ganz anders aus; ich denke, in meinem Alter und meiner Lebenssituation sollte ich die Verantwortung tragen und ein solches Kind austragen; wenn ich zu doof bin zum Verhüten, muss ich auch die Konsequenzen tragen.

Weil Abtreibung zwar gerne so dargestellt wird, als ginge sie nur Frauen etwas an, zu jedem gezeugten Kind aber auch ein Mann gehört, finde ich, wir müssen viel mehr und viel offener über dieses Thema reden. Wann immer ich mit einem Mann intimer werde, führe ich daher ein Gespräch darüber, was seiner Meinung nach im Falle einer Schwangerschaft geschehen sollte.
Es ist erstaunlich, wie viele Menschen so denken wie ich, sich aber nur durch langsames Herantasten wagen, ihre Ansichten zu äußern – man läuft immer noch Gefahr, verurteilt zu werden, weil man der Meinung ist, Abtreibung ist eine persönliche Entscheidung.

In dem Moment, in dem ich mich für oder gegen eine Abtreibung entscheide, übernehme ich Verantwortung für mich und mein Kind; auch die Entscheidung, ein Kind nicht zu bekommen, ist verantwortungsvoll.
Steht man offen dazu, Abtreibung als persönliche Wahl anzusehen, hört man manchmal obskure Argumente; ja, es gibt viele unfruchtbare Menschen, die sich über ein Kind freuen würden – wenn ich mich gegen eine Abtreibung entscheide, werden diese Menschen aber nicht automatisch fruchtbarer. Im Gegenteil, für sie verändert es nichts, während es mein Leben gänzlich ändert.
Unfruchtbarkeit zählt übrigens ebenfalls zu den Dingen, die die Abtreibung eines gesunden Kindes für mich in meiner jetzigen Lebenssituation nicht zulassen – ich weiß, dass ich mit 30 Jahren nicht mehr in den fruchtbarsten Jahren meines Lebens bin und bin mir zudem darüber im Klaren, dass die Möglichkeit besteht, dass ich aufgrund meiner Chemotherapie gar nicht oder eingeschränkt fruchtbar bin. Triebe ich nun ein gesundes Kind ab und könnte später nicht mehr schwanger werden, würde ich mir ebenso Vorwürfe machen, wie ich es täte, wenn ich ein Kind austrüge, dem ich nicht gerecht werden kann.

Ihr seht, alleine in meinem Kopf ist eine Fülle an Gedanken zu diesem Thema; für mich müssen bestimmte Gegebenheiten vorliegen, damit ich mich für oder gegen eine Abtreibung entscheide – wie kann es also sein, dass es Menschen gibt, die rigoros verbieten (wollen), ein Kind abzutreiben? Wie kann ich einem anderen Menschen sagen, er muss ein Kind austragen, obwohl ich nicht in seinen Schuhen stecke?
Ja, wenn ich abtreibe, beende ich ein Leben – ob es zu dem Zeitpunkt noch ein Zellklumpen ist oder nicht, ist für mich an diesem Punkt irrelevant; ließe ich den Zellklumpen wachsen, würde er ziemlich wahrscheinlich mal ein lebender Mensch. Treibe ich nicht ab, beende ich unter Umständen mehrere Leben, denn „leben“ heißt nicht, einfach nur auf dieser Welt zu sein und zu atmen.

Ich bin nicht per se pro Abtreibung, doch ich bin pro Choice – für die Wahl, sein Kind zu behalten oder nicht; ich wünschte, diese Entscheidungsfreiheit verbreitete sich in unseren Köpfen. Ich wünschte, wir könnten offener darüber reden, statt nach wie vor Menschen, die abgetrieben haben, zum Schweigen zu verdammen, weil sie Angst vor den Reaktionen haben.

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39 Gedanken zu “… Abtreibung – pro Choice?

  1. Wow. Die Diskussion ist wieder sehr spannend. Ich selber würde für meinen Fall niemals abtreiben. Ich könnte es schlichtweg nicht. (Außer ich würde vergewaltigt werden und dabei schwanger werden. Da würde ich mein lebenlang den Vergewaltiger im Kind sehen… wäre ja auch doof fürs Kind…). Ich selbst habe zwei gesunde Kinder. Hätte eins Trisomie 21 gehabt, ich hätte es auch behalten wollen. Mein Mann wäre aber dagegen gewesen. Zum Glück mussten wir dies nicht weiter ausdiskutieren.

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  2. Es ist tatsächlich ein sehr heikles Thema und mit deinen Aussagen stimmt meine Meinung überein. Es ist ja schon für einige furchtbar wenn mal als Ü30 Frau äussert dass man keine Kinder haben möchte. Da wird man ganz mitleidig angeschaut, so, als würde ich nicht ganz frisch im Kopf sein. Aber ich kann mit besten wissen und gerissen sagen, dass ich normal bin und dass ich ganz aktiv keine Kinder haben möchte weil mein Leben mit so viel Liebe erfüllt ist 😊
    Toller Beitrag 👍
    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

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  3. Dein Post macht mich nachdenklich. Unter anderem, weil ich gestern ein Lied von Alin Coen gehört habe, das sie aus Briefen gemacht hat – die Mütter ihren Kindern in die Babyklappe mitgegeben haben. Es beschäftigt mich deswegen, weil da so viel Überforderung und Alleingelassensein zur Sprache kam. Ich möchte nicht urteilen… ich denke aber, dass es sehr stark vom Einzelfall abhängt. Wächst die werdende Mutter da rein, in das, was kommt, trotz aller Schwierigkeiten? Oder geht alles den Bach runter? Wer kann das schon sagen? Oft vielleicht nichtmal die Mutter selbst. Aber andere Menschen noch viel weniger. Deswegen finde ich „Pro Choice“ eine gute Idee.

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  4. Ich bin eher zufällig auf den Artikel gestoßen und musste schmunzeln – die Beschreibung deiner Teenyweltsicht ist drollig und vernünftig;)
    Ich bin mit 20 Mutter geworden und habe alles an ärger mitgenommen, den es gab: Studium abgebrochen, der Vater ein sehr unübliches und schwer zu händelndes Exemplar, dem gegenüber selbst Jugendämter verzweifelt sind und ich war eine viel zu lange Zeit in religiösem Fanatismus, der mich am abtreiben gehindert hatte, gefangen und war eine schreckliche Mutter, die glaubte, Kinder wären von Natur aus böse und man müsste sie konsequent und bösartig genug strafen, damit sie vernünftig werden.
    Ich habe zu der zeit viel mit Abtreibungsbefürwortern diskutiert und mich moralisch überlegen gefühlt – nur um irgendwann festzustellen, wie herzlos ich und meine Kollegen sind.
    Jetzt habe ich drei Kinder, ich kann sie lieben und akzeptieren, wie sie sind, auch wenn ich nicht immer gut finde, was sie tun. Strafen sind völlig sinnfrei und mein armer Sohn tut mir heute noch leid. Geplante Kinder sind eine tolle Geschichte, sie haben es viel besser als mein großes Kind.
    Und ich hab manches erfahren, was einem pro-life-argumentierende nicht sagen : eine Schwangerschaft ist ein körperliches Ereignis mit tiefgreifenden folgen: Dauerübelkeit, erbrechen, ödeme, Blutgerinnsel, Krampfadern und irreparabele Hautschäden sind recht häufig. Depression in der Schwangerschaft nicht selten.
    Die Geburt ist sehr Schmerzhaft (nett gesagt, meine letzte war die Hölle, was frau dort erlebt, verdient viel zu oft den Titel Folter!) Und die risikopalette reicht von leichten rissen über eine dauerhafte stuhlinkontinenz hin zu Gebärmutterrupturen, posttraumatischen Belastungsstörungen bis hin zum Tod.
    Und so das geschafft ist, lauern wochenbettdepression, beziehungskrisen und Schlafmangel, der ebenso als Folter durchgehen kann (meine mittlere war jede Nacht 6-12 mal wach über ein ganzes Jahr – ich war kein mensch mehr in der zeit! )
    Bei der (lange noch unvollständigen) liste an Risiken hat jede Frau das recht zu sagen : mein Körper gehört mir und ich teile ihn nur, wenn ich das will!
    Bitte nicht falsch verstehen : Kinder sind etwas großartiges und auch wenn ich es in der letzten Schwangerschaft (die wirklich schrecklich für mich war) kurz nach der Geburt immer wieder gesagt (und gemeint ) habe , bin ich nicht abgeneigt ein viertes zu bekommen. Aber vielleicht eben auch nicht. Vielleicht würde ich mich für einen Abbruch entscheiden, weil ich schon für drei verantwortlich bin und ich ihnen die Vernachlässigung, die ein behindertes Kind z. B. bringen würde, nicht zumuten könnte. Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Sie ist bunt. Und manchmal in vielen Facetten grau.
    Wer Abtreibung verbieten will,hasst Frauen und gesteht ihnen nicht das Recht zu, frei über sich selbst zu bestimmen.

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    1. „Studium abgebrochen, der Vater ein sehr unübliches und schwer zu händelndes Exemplar, dem gegenüber selbst Jugendämter verzweifelt sind und ich war eine viel zu lange Zeit in religiösem Fanatismus, der mich am abtreiben gehindert hatte, gefangen und war eine schreckliche Mutter, die glaubte, Kinder wären von Natur aus böse und man müsste sie konsequent und bösartig genug strafen, damit sie vernünftig werden.“
      „Geplante Kinder sind eine tolle Geschichte, sie haben es viel besser als mein großes Kind.“
      Liegt das wirklich am geplant sein oder nicht auch eher daran, dass beim Ältesten schlicht falsche Erziehung ngewandt wurde?
      Wäre es für den denn nicht auch vieles anders gewesen, wenn der „religiöse Fanatismus“ lediglich im Nichtabtreiben zum Ausdruck gekommen wäre und nicht auch noch das „Kinder wären von Natur aus böse und man müsste sie konsequent und bösartig genug strafen, damit sie vernünftig werden“?
      Ablehnung von Abtreibung ist nämlich auch möglich ohne seltsame Ansichten über Erziehung zu haben.
      „Und ich hab manches erfahren, was einem pro-life-argumentierende nicht sagen : eine Schwangerschaft ist ein körperliches Ereignis mit tiefgreifenden folgen: Dauerübelkeit, …
      Bei der (lange noch unvollständigen) liste an Risiken“
      Es stimmt, dass sich das manche ProLifer zu wenig klar machen; vielleicht auch viele.
      Aber was ändert die Liste daran, was ungeborene sind?
      Die Liste führt in meinen Augen nur dazu, dass der Staat mit seinen Strafen/Verboten bei Abtreibung zurückhaltend sein sollte.

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  5. Es gibt selbstverständlich kinderlose Abtreibungsgegner. Ich muß keine Großfamilie haben um das Töten unschuldiger Menschen zu bekämpfen. Es gab Zeiten da war man der Auffassung, die Sklaverei sei rechtens. Man hat auch schon geglaubt rassisch andersartige Menschen umbringen zu dürfen. „Ungeborene Föten“ ist da noch etwas harmloser, bei der letzten Anti-Abtreibungs-Demo haben die linken Chaoten „Zellklumpen“ gerufen. Neun von 10 Babys mit Mongoloismus werden abgetrieben. Was ist das anderes als die Neuauflage einer T4 Tötungsaktion?
    Warten Sie noch, wenn das hier immer liberaler wird. Als nächstes sind die alten und sterbenden Menschen an der Reihe! Euthanasie hat in Deutschland eine sehr negative Vergangenheit. Deshalb werden die Diskussionen immer wieder abgewürgt. Aber die kommende Generation kann mit diesen Vorbehalten nichts mehr anfangen. Das ist für sie viel zu weit weg. Euthanasie wird kommen!

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    1. Ich fürchte, lernten Sie mich kennen, Sie ordneten mich den “linken Chaoten“ zu.
      Ja, Euthanasie hat eine große, sehr negative Vergangenheit in Deutschland; gerade besagte “linke Chaoten“ kämpfen jedoch gegen das Vergessen an.
      Ich hoffe doch, dass Euthanasie in Form von Sterbehilfe kommen wird – der Begriff ist vielschichtig und beschreibt nicht nur, was in der NS – Zeit geschah.

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  6. Also ich Fall in die Kategorie kinderlos & gegen Abtreibung.
    Zumindest, unter normalen Unständen (Vergewaltigung und Behinderung zählen da nicht rein)
    Ersteres kann ich nicht beurteilen und will ich nicht. Wenn man das (glücklicherweise) nicht erlebt hat, kann man, so finde ich, nicht urteilen.
    Beim zweiten Punkt bin ich indifferent. Ja, es ist eine enorme Belastung. Seit ich jedoch den Neffen von meinem Freund, der hochgradig Autistisch ist, bedingungslos in mein Herz geschlossen habe, stellt sich für mich die Frage, inwiefern man das Recht hat zu entscheiden, was „normal“ ist und damit ein Recht auf Leben hat oder nicht. Und am Ende gibt einen die Situation vielleicht doch mehr, als man sich jemals vorstellen könnte.
    Aber, und da stimme ich dir zu, *ich* bin gegen Abtreibung. Diese Meinung habe ich für mich ganz allein getroffen. Jeder hat das Recht es für sich selbst zu Entscheiden.
    Und da stimme ich deinen zwei Punkten voll und ganz zu:
    1. Jeder sollte sich vorher bewusst machen, dass immer die Möglichkeit besteht, schwanger zu werden, wenn man Verkehr hat. Diese Verantwortung sollte man bewusst tragen!
    2. Toleranz gegenüber beider Entscheidungen.
    Liebe Grüße

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    1. Da mein Kommentar anscheinend nicht deutlich genug war:
      In Antwort auf:
      „Es gibt Menschen, die einem rigoros verbieten wollen, ein Kind im ersten Trimester wegmachen zu lassen, aus demselben Grund, warum es auch Menschen gibt, die einem rigoros verbieten wollen, ein Kind im 4. oder 5. Trimester wegmachen zu lassen.
      Manche meinen einfach, dass das Töten von Menschen verboten sein muss.“
      kam:
      „Da sind wir dann wieder bei der Diskussion, ab wann ein Kind ein Mensch ist; ich glaube, auch diese Entscheidung muss jeder für sich treffen.“
      Genau diese Debatte ergibt sich aus Sicht des Abtreibungsgegners nicht unbedingt (Frage war ja, warum jemand Abtreibung rigoros verbieten sollte).
      Wenn ich sehe, dass mein Nachbar sein Kind im 4. Trimester – also im Zeitraum 0-3 Monate nach der Geburt – „abtreiben“ will, also umbringen will, dann interessiert es mich absolut null komma null gar nicht, ob der Nachbar jetzt der Meinung ist, sein Kind sei noch kein Mensch. Denn es ist ein Mensch, egal was ich oder der Nachbar darüber meinen.
      Folglich würde mich der Einwand des Nachbarn, die Entscheidung, ob das jetzt ein Mensch sei oder nicht, müsse jeder für sich treffen, auch nicht weiter interessieren (außer halt, um zu verstehen, wie mein Nachbar tickt), denn es gibt nichts zu entscheiden; es ist ein Mensch im Zeitraum 0-3 Monate nach der Geburt.
      Und sollte ich beim Alamieren der Polizei feststellen, dass die mir erzählt, dass der Nachbar doch recht habe, dass das Gesetz vorsieht, dass man 0-3 Monate nach Geburt töten darf, weil das halt eine persönliche Wertungsfrage sei, obs schon Mensch ist oder nicht und das auch eine komplizierte ethische Frage sei, ob es denn für die Eltern erträglich sei, das Kind am Leben zu lassen, dann würde ich unmittelbar nach diesem Telefonat darüber schimpfen, was für ein menschenverachtender Staat das doch ist, und grübeln, ob und wie man ggf. den Staat dazu bringen kann, dass Töten im Zeitraum 0-3 Monate nach der Geburt möglichst einzuschränken oder vollständig zu verbieten, damit sowas wie mein Nachbar gerade macht, möglichst nicht mehr vorkommt.
      Und ich weiß, dass das jetzt vielleicht schockend formuliert ist, dass der Vergleich doch unpassend sei, etc. Aber ich versuche hier gerade zu erklären, wie jemand auf die Idee kommt, Abtreibung verbieten zu wollen.
      Und bei solchen Personen findet quasi eine ziemlich ähnliche Überlegung statt wie geschildert, außer dass es halt nicht um 0-3 Monate nach Geburt aka 4.Trimester geht, sondern 1.-3. Trimester.
      Sonst ist es für solche Personen nahezu äquivalent, ob man jetzt über 4. oder 1. Trimester redet.
      Und das macht hoffentlich deren Motivation verständlich, danach wurde ja in dem Beitrag gefragt:
      „wie kann es also sein, dass es Menschen gibt, die rigoros verbieten (wollen), ein Kind abzutreiben?“
      Man kann ein Motiv ja nachvollziehen ohne es richtig zu finden.

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    2. Huppala, mein Kopf hat die Sache mit den Trimestern offenbar letztes Mal rigoros überlesen.
      Ja, man kann ein Motiv nachvollziehen, ohne es richtig zu finden – bei Abtreibungsgegnern habe ich persönlich das allerdings noch nicht erlebt.

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  7. Was sind Sie für ein grausamer Mensch. Ein Kind umzubringen kann durch nichts legitimiert werden. Frauen die Abtreibung zu ermöglichen hieße eine souveräne und befreite weibliche Sexualität zu ermöglichen, welcher der entscheidende Meilenstein auf dem Weg zur gänzlichen Unabhängigkeit vom Mann ist. Damit können Frauen meines Erachtens nicht umgehen.
    Was die Emanzipation betrifft, kann man geteilter Meinung sein. Ein kaltblütiger Mord ist aber kein Preis welchen man akzeptieren sollte, egal welche Position man vertritt.
    Die Zeit der Sippenhaftung ist vorbei. Wieso soll das Kind sterben weil der Vater ein Sittlichkeitsverbrecher ist und es in Notzucht gezeugt wurde? Das Kind sühnt die Tat des Vaters mit seinem Leben.
    Wenn der Abtreiber sein grausames Werk vollbringt, und die letzten Sekunden des armen Wesens schlagen, so ist der Herr Zeuge dieses feigen und niederträchtigen Mordes. Er allein steht dem Kind bei in seinen Ängsten und seinen Schmerzen, denn er liebt alle Kinder.
    Es gab früher schon Menschen die andere für minderwertig erachtet und das Lebensrecht abgesprochen haben. Jetzt bezeichnet man kleine Babys als Zellklumpen.
    Einmal stehen auch Sie vor Ihrem Richter und werden auf tausend Fragen nicht eine Antwort haben!

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    1. Was ich für ein grausamer Mensch bin? Ein ganz, ganz schlimmer, der denkt, dass jeder das Recht hat, über seinen eigenen Körper zu entscheiden und durchaus findet, dass Frauen in der Lage sind, selbstständig über ihre Sexualität zu entscheiden. Verrückt, sind es doch tatsächlich mündige Menschen!
      Notzucht? Vergewaltigung so zu umschreiben ist schon fast, als würde man es Sex nennen, was es nunmal nicht ist. Ich würde schonmal nicht jeden Tag das Kind ansehen wollen, das mir unter Zwang gezeugt wurde.
      Jeder Mensch ist zu Beginn ein Zellklumpen; das ist einfach wissenschaftlich betrachtet – ihr Text jedoch zeigt, dass wir eindeutige Differenzen im Umgang mit „dem Herrn“ und ich vermute, somit auch mit der Wissenschaft haben; wenn ich dann aber vor meinem „Richter“ stehe, kann der mir vielleicht endlich beantworten, wieso der liebe Gott eigentlich zugelassen hat, dass ich als Kind schon Krebs hatte.

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  8. Ich kannmir auch vorstellen, dass ich abtreiben würde. Allerdings war ich auch noch nie in der Situation. Wer weiß, wie ich am Ende entscheiden würde. Ich verurteile aber niemanden, der sich für eine Abtreibung entscheidet.

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  9. Ach noch ne Geschichte: Nachbarn von uns haben einige Kinder. Die erste ist gesund, der zweite war auch gesund, hatte aber im Alter von nur 3 Monaten ne nicht erkannte Hirnhautentzündung. Die Folge geistig und körperlich behindert. Ein Dauerpflegefall rund um die Uhr.
    Die Familie hat dann noch 2 weitere Kinder (1 Junge, 1 Mädchen) bekommen.
    Mit 10 Jahren hat der behinderte Junge noch die Falsche bekommen. Wie bei meiner Freundin, ein glückliches großes „Baby“. Hat viel gelacht, geschmust und auch die Hosen voll gemacht. Der Junge ist mit 11 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Und Kind Nr 5 kam danach noch auf die Welt. Die Mutter war zur Geburt schon über 40- eine Risikoschwangerschaft.
    Und nein keiner der Eltern hat studiert. Beide sind berufstätig und es gib Eltern, die immer mal einspringen.

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  10. Guter Artikel 😊 und ein ganz wichtiges Thema. Ich hab mal für Studiblog einen Artikel zum Thema sexuelle Verantwortung, wo sie anfangt und wo sie endet, geschrieben und da fällt die Abtreibungsfrage natürlich hinein. Wie immer man sich letztendlich entscheidet: es sollte eine informierte Entscheidung sein 🖒
    Vielleicht magst du ja mal nachlesen was ich mir da so für Gedanken zu dem Thema durch den Kopf gejagt habe: https://www.studiblog.net/2016/08/18/sexuelle-verantwortung-warum-es-mehr-ist-als-die-frage-ob-mit-oder-ohne-kondom/

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    1. Dankeschön! 🙂
      Ja, informierte Entscheidungen sind sehr wichtig!
      Leider lädt dein Artikel gerade nicht auf meinem Handy, ich hoffe, ich denke daran, es morgen nochmal zu versuchen!

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  11. „Wann immer ich mit einem Mann intimer werde, führe ich daher ein Gespräch darüber, was seiner Meinung nach im Falle einer Schwangerschaft geschehen sollte.“
    Sehr gute Idee. Wenn das jeder und jede tun würde, könnten vermutlich viele Abtreibungen vermieden werden.
    „wie kann es also sein, dass es Menschen gibt, die rigoros verbieten (wollen), ein Kind abzutreiben?“
    Es gibt Menschen, die einem rigoros verbieten wollen, ein Kind im ersten Trimester wegmachen zu lassen, aus demselben Grund, warum es auch Menschen gibt, die einem rigoros verbieten wollen, ein Kind im 4. oder 5. Trimester wegmachen zu lassen.
    Manche meinen einfach, dass das Töten von Menschen verboten sein muss.

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  12. „…die Wahrscheinlichkeit eines versehentlich gezeugten Kindes sank somit zwar enorm, war aber immer noch gegeben.“
    „…wenn ich zu doof bin zum Verhüten, muss ich auch die Konsequenzen tragen.“
    Was würdest du denn tun, wenn du nun vernünftig verhütest und trotzdem schwanger wirst? Denn die Möglichkeit besteht ja auch.
    Die meisten Abtreibungsgegner haben doch selbst schon Kinder. So empfinde ich das zumindest. Den Grund, dass es egoistisch sei, hört man auch andauernd.
    Dabei sollten sich diese Leute mal überlegen, weswegen sie ein Kind zeugten/zeugen wollen. So gut wie alle Eltern setzen Kinder in die Welt, weil sie einfach ein Kind wollen. Jemand, der abtreibt oder zumindest darüber nachdenkt, der denkt wenigstens an den Partner oder das Kind.
    Wenn eine Frau ihr Kind austragen möchte, obwohl der Mann es nicht möchte, wäre das dann nicht noch viel egoistischer als eine Abtreibung?
    Ich stimme dir da komplett zu. Jeder Mensch sollte darüber selbst entscheiden können und es sollte nichts ungewöhnliches bzw. verpöntes sein, wenn sich jemand dafür entscheidet.

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    1. Wenn ich jetzt trotz Verhütung schwanger würde, triebe ich ein gesundes Kind nicht ab; dann würde ich aber auch in Frage stellen, ob ich richtig verhütet habe. 😉
      Entweder haben wirklich viele Abtreibungsgegner schon Kinder oder die selbigen schweigen zu dem Thema; es muss doch auch kinderlose Abtreibungsgegner geben. 😄
      Ich denke, wenn eine Frau sich gegen den Willen des Mannes für ein Kind entscheidet, ist sie sich bewusst, dass die Möglichkeit besteht, dass der Mann von dannen zieht. Ansonsten stimme ich zu – auch diese Entscheidung ist egoistisch.
      Ja, jeder sollte ganz selbstverständlich selber entscheiden dürfen.

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  13. Sehr schön geschrieben.
    Großen und Ganzen triffst du den Nagel auf den Kopf mit deinem Text.
    Ich muss sagen, die Welt wäre besser dran, wenn sich alle so viele Gedanken machen würden. Und damit meine ich jetzt gar nicht mal das 14 jährige Mädchen, wo das Kondom reißt.
    Ich denke eher an die Entwicklung der Untersuchungsmöglichkeiten, hier wird es in naher Zukunft darauf hinauslaufen, dass man auswählen kann, ob einem das kind zu sagt. Diese Entwicklung finde ich gruselig. Hier geht es meiner Meinung nach zu weit.
    Und was das Thema Behinderung angeht, finde ich es richtig, dass man in sich hineinhorchen muss, ob man diese Verantwortung tragen kann. Andersherum darf niemand dafür „bestraft“ werden, wenn sie sich für das Kind entscheidet. Wenn man das weiter spinnt heißt es vielleicht irgendwann für den Menschen mit Behinderung: du hättest ja nicht auf dieser Welt sein müssen, wenn deine Eltern vernünftig gewesen wären.
    Und man kann nunmal nicht grundsätzlich entscheiden, dass ein Mensch mit Behinderung generell nicht glücklich ist.

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    1. Dankeschön! 🙂
      Die von dir angesprochene Entwickelung finde ich auch sehr besorgniserregend; ich glaube zudem auch, dass es Menschen gibt, die ganz wunderbar mit behinderten Kindern und auch Erwachsenen klarkommen und umgehen; ich empfinde das immer als unglaublich schwierig.
      Ja, die Entscheidung, ob eine Behinderung ein glückliches Leben unmöglich macht, liegt im Grunde bei dem jeweiligen Menschen, der mit der Behinderung lebt.

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  14. Das hast Du schön ausgewogen geschrieben 🙂
    Ich denke doch, dass sich keine Frau / kein Paar so eine Entscheidung leicht macht, auch wenn es manchmal so dargestellt wird.
    Was passiert, wenn Abtreibung verboten wird, sieht man doch in vielen Ländern, wo das so ist: verzweifelte Frauen gehen zu dubiosen Engelmacher*innen und das geht selten gut.

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  15. Huhu,
    ich verstehe dich da voll und ganz und teile deine Meinung. Nur bei mir wäre es eben so, da ich schon 2 gesunde Kinder habe, steht für mich nicht im Raum ob ich nach einer Abtreibung jemals wieder ein gesundes Kind bekommen kann, denn wenn es nicht mehr so wäre, habe ich immer noch meine 2. Aber ich würde mich eben so wie du, gegen ein Schwerbehindertes Kind entscheiden, nicht weil ich mit der Situation nicht klar kommen würde, sondern weil ich wüsste, dass die beiden anderen dann auf der Strecke bleiben müssten und das will ich einfach nicht.
    Damals dachte ich auch immer, ich möchte keine Teeniemutter werden, bis ich dann mit 17 ungeplant schwanger wurde und ich dieses kleine Wesen das erste mal sah. Da war auf einmal soviel Liebe, zwar auch Zweifel und Ängste, aber ich konnte nicht einfach abtreiben, daran wäre ich zerbrochen. Heute kann ich sagen, dass es das richtige war auf mich, mein Gefühl und diese Liebe zu hören, aber das ist eben auch bei jedem unterschiedlich.
    Man sollte niemanden für seine Entscheidung verurteilen, niemandem fällt sie leicht und es gibt viele die danach leiden und seelisch damit zu kämpfen haben.
    Liebe Grüße
    Tashi

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  16. Danke für deinen Beitrag, so sehe ich es nämlich auch. Die Leute die immer Pro Leben sind, überlegen nämlich nicht, wie ungemütlich es werden kann mit einem ungewollten Kind. „Wir müssen aufhören in die ungeborenen Föten verliebt zu sein und uns mehr um die Kinder kümmern.“ ist ein Satz den ich letztens in dieser Diskussion las.
    Sonnige Grüsse aus Zürich,
    Nanny Anny

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