… Glück teilen – reloaded?

Damals, im Februar, als einige meiner Beiträge plötzlich verschwanden, war auch dieser Beitrag betroffen; er handelte davon, wie einfach es ist, durch Hilfsbereitschaft ein Lächeln auf das Gesicht unserer Mitmenschen zu zaubern.

Da Hilfsbereitschaft zu den Dingen gehört, die in unserer Gesellschaft oft zu kurz kommen, schreibe ich den Beitrag heute neu; ich hoffe, ihr mögt ihn auch ein zweites Mal!

 

Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Dieses schöne Zitat Albert Schweitzers findet man zuhauf auf pseudophilosophischen Facebookseiten; trotz der inflationären und oft sinnentleerten Verwendung mag ich es – es entspricht voll und ganz der Wahrheit.

Über das Glück, das von innen heraus kommt, schrieb ich schon einmal in meinem Beitrag „…Single und glücklich?“ ; manchmal können uns jedoch auch kleine Alltagsdinge glücklich machen.
In einer Zeit, in der viele auf ihr eigenes Wohl bedacht zu sein scheinen, übersehen wir gerne, dass dieses eigene Wohl auch entsteht, wenn wir jemand Anderem eine Freude bereiten; wir sind zu sehr damit beschäftigt, nach dem Besten zu streben, um zu sehen, dass wir das Beste schon erreichen können, wenn wir nur eine kleine Handlung vollbringen.

Das erste Mal, dass ich mir Gedanken dazu machte, wie leicht es ist, anderen Menschen Glück zu bescheren, war, als ich selber Hilfe brauchte.
Es war Sommer; ich musste ein Paket von der Post abholen. Nicht irgendein Paket – nein, einen Kratzbaum. Einen wirklich großen Kratzbaum.
Das Paket war so groß und schwer, dass ich es beim besten Willen nicht weiter als bis vor die Tür der Postfiliale tragen konnte. Selbige war ungefähr fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt, wenn man langsam ging; nicht so an diesem Tage.
Weil meine Arme zu kurz und zu schwach waren, um das Paket vernünftig zu tragen, schob ich es vor mir her; es waren 30 Grad und die Sonne knallte auf mich herab. Während ich anfangs noch recht positiv gestimmt war, verzweifelte ich mit der Zeit zunehmend; ich kam nur schleppend voran und das Wetter war wirklich schrecklich für diese Aktivität.
Mit jedem jungen Mann, der mir entgegen kam, hoffte ich auf Hilfe – mit jedem jungen Mann wurde ich enttäuscht. Alle guckten, doch keiner half mir; einigen lächelte verschämt bis mitleidig, einige waren sichtbar amüsiert.
Als ich den Tränen nahe war und mit hochrotem Kopf überlegte, wie lange ich wohl noch brauchen würde, kam plötzlich ein Mann auf mich zu – seine Tochter hatte aus dem Fenster gesehen, wie sehr ich mich abmühte und er hatte daraufhin beschlossen, mir zu helfen.
Ich konnte es gar nicht fassen und war unglaublich gerührt, dass er einfach so kam und mein Paket trug; bis in den dritten Stock, in dem meine Wohnung lag. Eine Gegenleistung wollte er nicht haben; nicht einmal ein Glas Wasser. Er wollte mir einfach nur helfen.

 

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Dieser Anblick entschädigt für die Tragequalen.

 

Dieses Erlebnis weckte in mir die Frage, warum niemand sonst seine Hilfe angeboten hatte; ich fragte mich, ob ich es getan hätte und musste mit Erschrecken feststellen, dass ich wahrscheinlich auch einfach weitergegangen wäre.
Weil ich so nicht mehr länger sein wollte, beschloss ich, mich zu ändern. Ich fing an, Menschen zu helfen, statt einfach nur zu gucken.
Es gibt kaum etwas Schöneres, als die Überraschung und die anschließende Freude zu erleben, die einen Menschen überkommt, wenn ihm Hilfe zuteil wird; umso trauriger, dass so viele von uns selten hilfsbereit sind.

Es gibt Erlebnisse, die ich seit Jahren nicht vergesse, einfach, weil die betroffenen Personen so unglaublich schön reagiert haben, dass sich die Erinnerungen in mein Gehirn eingebrannt haben; denke ich daran zurück, bin ich glücklich.
Da war der ältere Herr mit seinem Rollator, der Probleme hatte, aus dem Bus auszusteigen – ich stieg spontan mit ihm aus, half ihm beim Aussteigen und zog ihm dann seinen einen Schuh wieder richtig an, damit er nicht stolperte; dass ich noch gar nicht aussteigen musste, war mir in dem Moment reichlich egal.
Der Herr, der wegen einer Behinderung an der Kasse nicht schnell genug war für die nachstehenden Menschen und deshalb schon zum Feindbild Nummer eins aller anderen Anstehenden wurde, freute sich, dass ich ihm half, seine Einkäufe einzupacken.
Die Mutter, die mit ihrem Kinderwagen im Schneehaufen feststeckte und deshalb eine Grünphase nach der anderen verpasste, konnte gar nicht fassen, dass jemand die Straße überquerte, um ihr zu helfen – alle Anderen waren bis dahin einfach weitergegangen.
Der Bettler vor dem Supermarkt, der lächelte, als ich ihm nicht einfach Geld in den Becher warf, sondern noch einen Schokoriegel anbot – einfach, weil ich unfair finde, dass ich mir das mal eben so kaufen kann und er betteln muss -, versüßte mir ungemein den Tag.
Die Frau, die letzte Woche erst an der Kasse bemerkte, dass sie nicht genug Bargeld für ihr belegtes Brötchen dabei hatte, war so überrascht und dankbar, als ich spontan für sie mit zahlte, dass meine schlechte Laune daraufhin verflogen war.

Meistens sind es nicht die großen Dinge, die uns glücklich machen; es sind diese kleinen Aufmerksamkeiten anderer Menschen, die dafür sorgen, dass wir Glück verspüren; wenn mir jemand hilft, freue ich mich auch ungemein.
Ich hoffe, dass ich öfter auf Menschen treffe, die mir helfen und sich einfach nur an meiner Freude erfreuen. Ich wünsche mir, dass man mir aushilft, wenn mir 50 Cent fehlen, wenn ich etwas bezahlen muss; ich wünsche mir, dass man mir hilft, aus dem Bus auszusteigen, wenn ich eingeschränkt bin (wie zum Beispiel nach meiner Hallux valgus – OP).
Ich wünsche mir, dass wir einander Glücksmomente bescheren und uns am Glück des Anderen betrinken.
Wir alle sind darauf angewiesen, anderer Menschen Hilfe zu bekommen; oft sind wir zu scheu, darum zu bitten – man schaue sich nur einmal meine Kratzbaumgeschichte an. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, jemanden anzusprechen, einfach, weil ich niemandem seine Zeit stehlen wollte. Mittlerweile würde ich fragen; ich würde davon ausgehen, dass die Person sich hinterher freut über die gute Tat und wir gemeinsam glücklich sind.

Wenn ihr noch nicht begonnen habt, anderen Menschen kleine Glücksmomente zu bescheren, empfehle ich euch, das zu ändern – es lohnt sich für beide Seiten!

 

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2 Gedanken zu “… Glück teilen – reloaded?

  1. Wundervoll geschrieben. Ich muss sagen, ich gebe mir da mittlerweile richtig Mühe. Ich finde es einfach toll, nett zu sein und den Menschen so ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Es gibt so viel Neid in der Welt und mal ehrlich, ich verliere doch nichts, wenn ich jemandem sage, dass mir zum Beispiel seine Schuhe gefallen, oder das sie heute gut ausschaut. Das zaubert immer ein Lächeln ins Gesicht und tut keinem weh.

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