… wählen gehen? 

Dass man zu diesem Thema überhaupt noch etwas schreiben muss, ist traurig; eigentlich sollte für jeden von uns selbstverständlich sein, dass wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen – selbstverständlich ist hier jedoch das Stichwort.
Was selbstverständlich ist, weiß man oft nicht zu schätzen; auch die Möglichkeit, seine Stimme abzugeben, nicht.

Heute finden in NRW die diesjährigen Landtagswahlen statt; wir wählen Menschen, die die nächsten fünf Jahre unser Land regieren.
Da NRW das viertgrößte deutsche Bundesland ist, sind entsprechend viele Menschen wahlberechtigt – bei den Wahlen 2012 waren es gut 13.200.000; die Wahlbeteiligung lag bei 59%. Ich frage mich ehrlich gesagt, wo die restlichen 41% waren.
Waren diese Menschen damit beschäftigt, sich glorreiche Zeiten zurück zu wünschen, in denen nur reiche, adlige Männer wählen durften? Waren sie alle so krank, dass sie nicht wählen gehen konnten? Oder, was ich befürchte –  waren sie schlicht und ergreifend zu faul, sich zum Wahllokal zu bewegen?
Warum sollte man auch seine Stimme abgeben, um die Zukunft mitzugestalten? Politiker machen doch eh alle nichts.

Mhm.
Dafür, dass unsere Politiker nichts machen, geht es uns ganz schön gut – dieses “nichts machen“ scheint also recht gut zu klappen.
Wir neigen einfach dazu, auf hohem Niveau zu jammern; genau so, wie wir dazu neigen, unsere Verantwortung abzugeben. Indem wir unser Wahlrecht nicht wahrnehmen, lassen wir zu, dass wir vollkommen fremd bestimmt werden. Wir haben die Möglichkeit, zu bestimmen, welche Parteien uns regieren; das sollten wir machen, bevor wir aus Faulheit wieder da ankommen, wo wir schon mal waren – bei einem Staat, in dem Wahlen nur zum Schein durchgeführt werden.
Die Organisation Kein Mensch ist illegal postete ein Bild, in dem sehr schön veranschaulicht wird, wie sich die Wahlbeteiligung auf das Wahlergebnis auswirkt:

 

 

 

Dieses Bild führt mich zu einem weiteren wichtigen Punkt bezüglich der Wahlen – nicht nur, DASS wir wählen ist wichtig, sondern auch, WAS wir wählen.
Wer mich oder auch nur meinen Blog etwas kennt, der weiß, dass ich ein Herz für Linke habe; ich spreche hier nicht von linksextremen Menschen, da ich Extremismus in keiner Richtung gutheiße, sondern einfach von gemäßigt linken Positionen. Es gibt Punkte, in denen ich linke Parteien für etwas realitätsfern halte, allgemein stimme ich ihnen jedoch zu. Dass ich keine rechte Partei, ob gemäßigt oder extrem, wähle, ist ganz klar.

Wie ich schon einmal zum Holocaustgedenktag schrieb, macht mir die aktuelle politische Entwicklung unseres Landes Sorgen. Angst sogar, um genau zu sein. Diese Sorgen und Ängste entstehen unter Anderem, weil Menschen denken, sie wischten alteingesessenen, großen Parteien eins aus, indem sie aus Protest Parteien wie die AfD wählen; so wachsen rechte und rechtsoffene Parteien wie von Zauberhand.
Protestwahlen fanden mal bei Facebook einen schönen Vergleich, den ich an dieser Stelle gerne zur Veranschaulichung zitiere:

“Aus Protest die AfD zu wählen ist wie Pisse trinken, weil’s Bier nicht schmeckt.“

Treffender kann man es im Grunde nicht ausdrücken – wir schaden uns nur selbst, wenn wir die AfD wählen; ich zum Beispiel hätte als alleinstehende Dreissigjährige ohne Kinder einen wirklich schlechten Stand.
Ich glaube, jeder von uns kennt und mag jemanden, der wenig zu lachen hätte, gewänne die AfD an Einfluss – lassen wir es also nicht soweit kommen, sondern wählen Parteien, denen wir vielleicht nicht immer hundertprozentig zustimmen, die uns aber dafür nicht um achtzig Jahre zurückwerfen.

Wenn eure Lust, die gleichen Erfahrungen wie eure Großeltern zu machen, so klein ist wie meine, schüttelt jetzt die Sonntagsfaulheit ab, animiert eure Freunde, es euch gleichzutun, und geht wählen!

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6 Gedanken zu “… wählen gehen? 

  1. Wählen ist wichtig, aber die Mitbestimmung hält sich doch sehr in Grenzen. Meistens gibts mehr vom Selben. Uns gehts nicht schlecht, aber es könnt auch noch besser/gerechter sein, auch bei uns, aber vor allem in Ländern, mit denen wir (und unsere Politiker) zu tun haben. Dazu ists nötig, sich über das Wählen hinaus zu engagieren. Alleine oder (noch besser) mit Gleichgesinnten. In D gibts da viele Gruppen, z.B. welche, die sich mit Umweltthemen beschäftigen. Aber es gibt auch welche, die sich mit den Ursachen von Umwelt- und sozialen Problemen beschäftigen und sogar Lösungen aufzeigen, z.B. die da: https://www.monetative.de/ Leider sind diese Gruppen ziemlich unbekannt.

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    1. Ja, Mitbestimmung ist in der Tat so eine Sache. Ich denke, grundsätzlich ist jeder dazu verpflichtet, sein Bestes zu geben, um unsere Welt zu verbessern – das klingt nach “Gutmenschentum“, aber selbiges ist auch nicht verkehrt. 😄

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  2. Ich bin heute als Erstwähler unterwegs und würde allen Menschen, die heute nicht gehen, am liebsten persönlich in den Hintern treten. Allen schon dafür, dass zwei meiner besten Freunde (und natürlich auch alle anderen, die das betrifft) ihre Sexualität ausleben dürfen, ohne Angst zu haben und weil ich will, dass wir hier weiterhin gebührenfrei studieren können.
    Das sind nur zwei Gründe, aber es gibt noch so viele mehr.
    Darum: Heute und im September wählen gehen. Jede Stimme ist wichtig und zählt.

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  3. Echt guter Beitrag, dem ich in den meisten Punkten nur zustimmen kann. Vor allem die Kritik an den Protestwählern der AfD (ich musste das gerade dreimal tippen, weil mein Handy das nicht schreiben will xD) finde ich sehr treffend. Ich bin heute als Erstwählerin unterwegs und kann es kaum erwarten, mit wehender Fahne das Wahllokal zu stürmen, warte ich schon seit Jahren auf die Möglichkeit, endlich einmal mitbestimmen zu dürfen. 😀

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