… Körperpflege überdenken?

Anders als meine Haare wird mein Körper gewaschen – allerdings nicht mehr mit zig Duschgelen und Peelings, sondern maximal mit Seife; meistens nur mit Wasser.

Früher war ich so eine richtige Dufttante.
Ich duschte zunächst mit Duschgel, peelte dann mit irgendeinem möglichst gut bedufteten Peeling und cremte mich anschließend am ganzen Körper ein. Ich fing damit an, als ich versuchte, so zu sein wie die Mädchen, mit denen ich mich anfreunden wollte, und betrieb dieses Pflegeverhalten, bis ich ungefähr 25 war.
Ein Freund von mir bemerkte immer ohne sich umzudrehen, wenn ich einen Raum betrat, weil mich eine so intensive Duftwolke umgab. Im Nachhinein finde ich das sehr unangenehm.

Wenn ich damals versuchte, meine Haut nach dem Duschen nicht einzucremen,  hielt ich das nicht lange aus; sie spannte unangenehm und selbst, wenn sie sich beim darüber streichen nicht trocken anfühlte, empfand ich sie als trocken. Ich cremte und cremte also. Mein Umzug nach Münster brachte mit sich, dass ich jederzeit im Bodyshop einkaufen konnte, so dass ich selbst jetzt noch Unmengen an sehr ergiebiger Bodybutter habe; als ich aufhörte, mich einzucremen, waren meine Vorrate nämlich längst nicht aufgebraucht.

 

IMG_20170527_141950
Bis ich sterbe, kriege ich die noch leer!

 

Ich weiß gar nicht recht, wie es kam, dass ich mich plötzlich nicht mehr so oft eincremte.
Ich glaube, ich hatte ein paar Mal nach dem Duschen keine Zeit, mich am ganzen Körper einzucremen und die Creme dann einziehen zu lassen (Man kommt frisch eingecremt so unglaublich schlecht in enge Hosen!) und ging deswegen zwangsweise uneingecremt los. Freiwillig habe ich damit sicherlich nicht angefangen!
Bei meinem unfreiwilligen Selbstversuch bemerkte ich jedenfalls, dass meine Haut sich durchaus selber reguliert, wenn ich sie einfach mal nicht eincreme. Genau wie bei den Haaren übernimmt auch hier der Körper die fettende und somit pflegende Funktion; ich muss mich nicht exzessiv eincremen, um gepflegte Haut zu haben. Sehr selten creme ich mich ein, wenn ich nach der Rasur trockene Beine habe; das kommt vielleicht einmal alle zwei Monate vor.
Aus der Erkenntnis, dass mein Körper seine Haut selber pflegen kann, erwuchs der Gedanke, dass ich vielleicht auch nicht immer alles wegpeelen muss, was ich an meinem Körper rau finde; ich ließ also nach und nach immer öfter das Peeling weg – siehe da, selbst meine immer sehr trockene Haut an den Oberschenkeln war auf einmal wunderbar weich!

Während ich mir Cremes und Peelings sehr leicht abgewöhnen konnte, dauerte es mit den Duschgelen länger; vor einer Weile stieg ich bereits auf Seife um (für Haut und Haar; im verlinkten Beitrag wusch ich meine Haare noch) und benutzte diese dann einfach bei jeder Dusche – meine Haut gewöhnte sich schnell daran und ich stellte fest, dass ich die synthetischen Duftstoffe in Duschgel und – peeling mittlerweile extrem intensiv und unangenehm finde; wenn ich einen Ausrutscher habe und doch mal peele (ungefähr alle drei Monate einmal, Vorräte habe ich ja…), stört es mich hinterher den ganzen Tag extrem, dass ich so nach dem Peelingduft rieche. Neulich wusch ich mich dann extra nochmal mit Wasser, weil ich es nicht mehr aushielt; so kann man sich ändern!

Nun, da auch Seife mein natürliches Hautfett recht stark runterwäscht und man seinen Intimbereich sowieso nur mit Wasser waschen soll, duschte ich eines Tages einfach mal probeweise vollständig ohne Seife.
Es war seltsam und ich dachte, ich müsste danach stinken; doch wonach eigentlich? Schweiß wasche ich schließlich durch Rubbeln unter Wasser ab, ob ich etwas anderes zusätzlich benutze oder nicht, und alles Andere an meinem Körper riecht nicht – ich nässe nicht mehr ein, ich arbeite nicht mit stinkenden Dingen, ich wälze mich nicht hobbymäßig im Dreck.
Als ich abgetrocknet war, stellte ich fest, dass ich in der Tat nicht roch. Ich fühlte mich genauso sauber wie mit Seife, meine Haut war jedoch nicht so stark entfettet; nicht mal mehr die Ellenbogen, die bekanntermaßen gerne rau werden, waren trocken. Ich ließ die Seife daher immer öfter weg und benutze sie mittlerweile nur noch, wenn ich mich auch rasieren will.

Nicht nur, dass ich nicht mehr gefühlt zwanzig Pflegeprodukte zum Duschen benutze; nein, ich dusche auch seltener – das jedoch schon seit Jahren.
Während ich früher täglich oder mindestens alle zwei Tage duschte, stellte ich irgendwann fest, dass das absolut unsinnig ist, wenn ich überhaupt nichts gemacht habe, was meinen Körper beschmutzt; was soll ich denn da reinigen? Ich spüle schließlich auch kein Geschirr, das ich nicht dreckig gemacht habe.
Ich dusche also seither einfach immer nach Bedarf; mal gibt es drei Tage eine Katzenwäsche, mal dusche ich zwei Tage hintereinander – meine Haut dankt es mir.
Je länger ich nicht dusche, desto angenehmer und weicher fühlt sie sich an; am ersten Tag nach der Dusche ist sie zwar nicht trocken, jedoch deutlich trockener als am darauffolgenden Tag. Habe ich zwischendurch den Eindruck, dass ich nach Schweiß rieche (passiert schon mal, wenn man Patienten hebt), dann wasche ich kurz meine Achseln; das ist kein Akt und effektiver als Deo, welches nur den Geruch übertüncht, statt die für den Geruch zuständigen Bakterien zu entfernen.

Was beim Körper funktioniert, klappt übrigens auch im Gesicht – selbiges pflege ich mit etwas mehr Hingabe, aber auch sehr reduziert im Vergleich zu vorher.
Ich wasche es nur noch mit Wasser, peele alle paar Tage mit einem Konjacschwamm (das hilft besonders bei den Minipickeln aka Unterlagerungen, die ich seit dem Absetzen der Pille manchmal habe) und creme es bei Bedarf – ungefähr einmal die Woche – ein.
Insbesondere, wenn ich meine Tage kriege, bemerke ich, wie gut meiner Haut diese reduzierte Pflege tut; während ich beispielsweise gestern noch aussah wie ein Streuselkuchen und dachte, ich sei wieder 16, habe ich heute kaum noch Pickel; meine sich selbst pflegende Haut beruhigt sich über Nacht einfach wieder, statt erst alle Pickel zur Reife kommen zu lassen.

 

IMG_20170527_141711
Mein Konjacschwamm – peelt trockene Haut weg und hilft gegen Unterlagerungen.

 

Was sagt uns dieser Beitrag nun ausser, dass ich in den Augen einiger Menschen sicherlich ekelig bin?
Unser Körper braucht all diese Pflege, die wir ihm zukommen lassen, nicht. Er kann sich von alleine pflegen; alles, was er braucht, ist ein wenig Reinigung. Wie bei so vielem, übertreiben wir es auch mit der Pflege. Hier eine Creme, da eine Creme, noch kurz Deo, ok, ich rieche nicht mehr nach Mensch.
Sich reduziert zu pflegen heißt nicht, sich nicht mit seinem Körper zu beschäftigen; ganz im Gegenteil, man beschäftigt sich sogar sehr intensiv mit ihm. Man lernt, was der Körper mag, was er kann, wie lange er braucht, um seine Haut zu fetten, wann er es nicht von selbst schafft, nachzufetten (meine Hände brauchen öfter Creme als das Gesicht) und sogar, wie sich sein Geruch in unterschiedlichen Situationen verändert; bei Stress riecht mein Schweiß anders als bei Entspannung – das ist eigentlich auch vollkommen natürlich und hat durchaus Sinn; so macht uns beispielsweise Angstschweiß wachsamer.

Faszinierend, was der Körper kann, wenn man ihn machen lässt, nicht wahr?

Advertisements

10 Gedanken zu “… Körperpflege überdenken?

  1. Hallo!
    Wieder mal ein toller Post. Ich halte es mit der Körperpflege sehr ähnlich. Nur vermutlich insgesamt etwas häufiger Seife, aber dann auch nur unter den Achseln..
    Ich war schon als Teenie relativ Duschgelfaul, wenn ich Freunde besucht habe dachte ich des öfteren dass mit mir was nicht stimmt, als ich in den Badezimmern die Horden von Shampoo-, Spülung-, Intensivkur- und Peelingflaschen sah.
    Auch habe ich das Glück dass ich kaum cremen muss 🙂 (nur Nase in Allergiezeiten wie diesen, oder die Füße im Sommer ab und zu)

    Gefällt 1 Person

    1. Danke! 🙂

      Hu, ja, diese Ansammlungen… irgendwann hatte ich die leider auch. 😱
      Stimmt, in verschnupften Zeiten muss ich auch cremen, aber das zählt ja nicht. 😄

      Gefällt mir

  2. Ich bin ein bisschen neidisch, dass Du so wenig cremen musst. Ich hatte letztens gerissene Haut im Gesicht, weil ich geschlampert habe. Ziemlich unangenehm.
    Solltest Du doch mal Kaffeesatz auftreiben: gemischt mit Hanföl oder Arganöl ergibt da ein sehr pflegendes Peeling. Zusammen mit dem Roggenmehl, das ich zum Haarewaschen verwende, allerdings eine veritable Sauerei in der Dusche 😀
    Wie geht es eigentlich Deinen Haaren? Haben sie sich wieder beruhigt oder hast Du sie inzwischen ausgerauft?

    Gefällt 1 Person

  3. Reduzierte Körperpflege ist nicht für jeden was. Wenn ich mich nicht eincreme, dann schuppt meine Haut, im Gesicht erst Recht. Wenn deine Haut das nicht tut, dann ist sie wohl einfach widerstandsfähiger. 😉
    Täglich wasch ich mich auch nicht mit Duschgel (Seife ist mir viel zu aggressiv), an den Armen und Beinen ohnehin nicht (da ist ja kein Dreck oder so). Dennoch muss ich mich eincremen. Aber jede Haut ist ja auch anders.

    Gefällt mir

  4. Ich finde es toll und mutig, dass du so offen schreibst. Ich habe in Kuba auch oft ohne Seife und Duschgel geduscht (teilweise war einfach nichts dergleichen vorhanden) und hatte danach nie das Gefühl zu stinken. Was du über den Geruch in unterschiedlichen Situationen geschrieben hast, finde ich sehr interessant! Obwohl ich mich auch sehr mit dem Körper und all seinen Funktionen und Zusammenhängen befasse, wusste ich das nicht. Ich lese deine Beiträge sehr gerne 🙂 Bitte mach weiter so! Liebe Grüße, Cecilia

    Gefällt 1 Person

    1. Die Antwort ist ein klares Jein. 😄 Zuhause trinke ich so selten Kaffee, dass ich da auf Instantkaffee umgestiegen bin; mein sonstiger Konsum geschieht hauptsächlich auf der Arbeit, wo ich den Kaffeesatz nicht einsammeln möchte. 😁

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s