… eine Recycling – Küche?

Vor einigen Monaten saß ich in meinem Wohnzimmer, guckte meine Küche an und stellte fest, dass sie mich nervte.
Sie war zu geschlossen und, viel wichtiger, zu voll. Viel zu voll. Ich beschloss also kurzerhand, diesen Zustand zu ändern.

Seit ich vor neun Jahren in meine erste eigene Wohnung zog, sammelten sich immer mehr Küchenutensilien an, die ich so gut wie nie brauchte – zum Messerblock, den ich von meinen Eltern zur ersten Küche geschenkt bekommen hatte, gesellten sich unzählige einzelne Messer, meine Schüsseln vermehrten sich auf wundersame Weise, selbst die Schneebesen wurden immer mehr; wer bitteschön braucht drei gleich große Schneebesen?
Entsprechend voll waren meine Schränke; wann immer ich sie öffnete, fiel mir etwas entgegen; oft Dinge, die ich seit geraumer Zeit nicht mehr benutzt hatte. Teilweise hatte ich sie sogar schon vollkommen vergessen.

Wie das nun mal so ist mit geschlossenen Schränken – es fällt leicht, darin derartige Gegenstände verschwinden zu lassen; sobald ich gefunden hatte, was ich benutzen wollte, schob ich die anderen Sachen zurück und machte die Tür zu.
Aus den Augen, aus dem Sinn!
Diesen Zustand wollte ich dringend ändern; davon abgesehen, dass andere Menschen diese Gebrauchsgegenstände noch benutzen können, ertrinke ich im Überfluss – viel mehr, ertrank ich im Überfluss, denn mit dem Einzug meiner neuen Küche verringerten sich meine Besitztümer enorm.

Der Plan, der in meinem Kopf Gestalt annahm, sah vor, offene Holzkisten anstatt Schränken in die Küche zu integrieren, um immer vor Augen zu haben, was ich besitze, sowie den Stauraum deutlich zu verringern; wo kein Platz ist, um Dinge anzusammeln, da sammle ich auch nicht an.
Zum Glück habe ich einen Vater, der für Basteleien immer zu haben ist, so dass ich handwerklich geschickte Hilfe hatte; vor wenigen Tagen also war es soweit – meine neue Küche wurde errichtet.

Im Vorfeld hatte ich bereits fleissig eingekauft; im Internet fand ich alte Obstkisten, die perfekt für meine Zwecke waren, eine Emaillespüle, die wegen Farbfehlern heruntergesetzt war, eine Armatur, die zu meinem Secondhandküchenbuffet passte sowie einen neuen Kühlschrank – einen Retrokühlschrank wollte ich schon seit der Pubertät haben, also durfte er einziehen!
Weil meine Eltern zeitgleich eine neue Küche bekamen, beschlossen Papa und ich, Teile ihrer alten Küche sowie die Arbeitsplatte meiner alten Küche weiter zu verwenden; warum alles neu kaufen, wenn man mit Vielem noch arbeiten kann?

Herd und Spülenunterschrank übernahm ich von meinen Eltern; meine alte Küche verkaufte ich derweil an die Freundin einer Freundin, die gerade Bedarf hatte.
Um den von mir gewünschten Recyclingcharakter zu erhalten, baute Papa die Spülenunterschranktür so um, dass sie zu meinen Holzkisten passte; einzig die Holzfarbe passt noch nicht ganz, doch das dunkelt noch nach.

 

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Die Zierleisten für die Küche entstanden aus den Holzleisten, auf denen die neue Küche meiner Eltern geliefert wurde; normalerweise werden sie nach der Lieferung entsorgt, wir beschlossen jedoch, sie noch zu nutzen. Während wir sie zurechtsägten und – schraubten, fragten wir uns, warum diese Leisten eigentlich nur einmal benutzt werden; im Grunde ist das eine unfassbare Verschwendung von Ressourcen.
In den kommenden Wochen bearbeiten wir sie noch mit einem Gasbrenner, um auch sie der Optik anzupassen; der vorhandene gab leider nach Ladenschluss den Geist auf.

Meine alte Arbeitsplatte, von der ich noch ein großes Stück im Keller stehen hatte, ließ sich wunderbar für die neue Küche anpassen; als ich sie vor einigen Jahren kaufte, war ich sofort in das Holz verliebt und wollte sie daher unbedingt weiterhin benutzen. Mit meiner neuen Emaillespüle sieht sie gleich nochmal schöner aus als mit der vorherigen Edelstahlspüle; durch die runde Form der Spüle ist zudem zusätzlicher Arbeitsplatz entstanden. Ein übrig gebliebenes Stück der Arbeitsplatte dient als Herdabdeckung; so wird auch dieser Rest genutzt und es passt optisch perfekt.

 

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Die einzigen Dinge, die ich wirklich neu kaufte, waren somit die Armatur, der Kühlschrank und die Lampen (die noch nicht hängen, weil sie leider nicht bis zum Küchenaufbau ankamen); alles Andere ist entweder re – oder upcycled oder war, wie die Spüle, Ausschussware.

Um endlich all die schönen Dinge, die sich bislang in meinen Schränken verbargen, zu nutzen, sortierte ich rigoros aus, was ich nicht nutzte, doppelt (oder dreifach…) hatte oder schlicht und ergreifend eigentlich nicht benötige.
Meine neue Küche enthält nun zu einem Großteil, was ich am meisten liebe – alten Kram, den schon meine Eltern und Großeltern benutzten. Vorher besaß ich diese Dinge auch schon, jedoch gingen sie vollkommen unter im Überfluss.

Die alte Brotkiste, die wir in einem Familienurlaub in Holland auf dem Trödelmarkt kauften, passte nicht mehr in die Küche meiner Eltern, so dass ich sie jetzt übernahm und meine bisherige verschenke; ein Set aus Karaffe und Gläsern, das meine Eltern vor über 30 Jahren in Schweden kauften und das bei ihnen im Schrank rumstand, wird nun von mir genutzt.
Hinzu kommen meine über die Jahre angesammelten Holzkochlöffel (DAVON sind mehrere vollkommen in Ordnung!), die von Oma geerbten Kochtöpfe, Schüsseln und Küchenhelfer und, was ich besonders schön finde, meine neue „Kaffeemaschine“ – sie besteht aus einer Kaffeemühle und einer Kaffeekanne, die ich ebenfalls von meinen Großeltern erbte, sowie einem Filter, den ich im Trödelladen kaufte. Kaffee kochen macht so richtig Spaß und das Ergebnis schmeckt gleich viel besser!
Meine Ansammlung unterschiedlichster, eher mäßig schneidender Messer, ist Geschichte; ich gönnte mir nun ein einziges Mal ein ordentliches Set an Messern, verschenkte die alten und gedenke, die neuen, guten Messer zu nutzen, bis ich keine Messer mehr benötige; vorher rechtfertigte ich meine Messersammlung vor mir selber damit, dass jedes Messer unterschiedliche Dinge unterschiedlich gut schnitt.

 

 

Was keinen Platz findet in der eigentlichen Küche wird im Buffet verstaut; Kuchenplatten, Tupperdosen (die durften bleiben, irgendwie muss das Essen schließlich zur Arbeit kommen) und Geschirr sind so gut untergebracht – neue Dinge werden sich jedoch nicht hinzu gesellen, das ist sicher!

 

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Um auch dem Lebensmittelüberfluss Herr zu werden, sind alle meine Vorräte in einer großen Kiste versammelt und werden nun nach und nach aufgebraucht; anschließend kaufe ich nur noch nach Bedarf ein. Wenn überall Supermärkte sind, ist Vorratshaltung eigentlich relativ irrsinnig, denke ich – sie sorgt lediglich dafür, dass man, wie ich, drei Kilo Hirse und Unmengen an Linsen hat, davon aber nichts mehr weiß.

Seit die neue Küche steht, fühle ich mich sehr erleichtert; es war einiges an Arbeit (besonders für Papa, ich hatte eher die planende und festhaltende Rolle), doch es hat sich gelohnt; endlich werden Gegenstände, die seit Jahrzehnten existieren, wieder genutzt, statt zu verstauben. Endlich ist es hier leerer – das tut gut!
Wenn ihr auch das Gefühl habt, Besitztümer anzuhäufen und zu volle Schränke zu haben und das ändern wollt, wagt es; zwar war es bei einigen Dingen (dem ersten selbstgekauften Gewürzregal zum Beispiel) seltsam, sich zu trennen, doch im Endeffekt bin ich froh, es getan zu haben.

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22 Gedanken zu “… eine Recycling – Küche?

  1. Guten Morgen,

    oh, das nenn ich mal eine großartige Küche! Die einzelnen Elemente sind richtig schön und durchdacht, und dazu diese irre Wandfarbe…! ❤

    Dass du viel Geschirr von deinen Eltern und sogar Großeltern übernommen hast, finde ich toll… ich habe da auch einiges, und diese Stücke sind so viel mehr als einfach nur ein Teller oder Löffel. Da hängt Kindheit mit dran. Wie schön, dass diese Stücke nicht einfach irgendwann im Müll landen!

    So ganz ohne Vorräte zu leben, sehe ich aber kritisch… klar, wir verlassen uns darauf, dass die ganzen Supermärkte geöffnet haben und prall gefüllte Regale bieten. Aber was, wenn nicht? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt sogar, Lebensmittel und Wasser für 14 Tage vorrätig zu haben:
    http://www.bbk.bund.de/DE/Ratgeber/VorsorgefuerdenKat-fall/Pers-Notfallvorsorge/Lebensmittel/lebensmittel.html

    Liebe Grüße
    Anne

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    1. Dankeschön! 🙂

      Ja, Erbstücke sind einfach viel zu wichtig, um einfach entsorgt zu werden!

      Den Katastrophenfall habe ich für mich ausgeklammert; ich will mein Leben nicht nach Worst – Case – Szenarien ausrichten. 🙂 Hinzu kommt, dass ich nur ganz oder gar nicht kann; keine Vorräte oder Massen – letzteres möchte ich nicht mehr.

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  2. Die Küche ist wirklich wunderschön geworden! Ich mag so alte Sachen auch bei vielen Dingen sehr gerne und zu deiner neuen alten Küche passen sie total gut
    Zwar wohne ich auch nicht mehr zu Hause, aber unsere WG Küche gehört mit zur Wohnung und dazu kommt, dass ich als Student wirklich nicht genug Geld dafür habe. :’D
    Aber, wenn das Studium erstmal vorbei ist und ich in meiner ersten wirklich eigenen Küche stehe, wird sie definitiv auch genau nach meinem Geschmack und schön übersichtlich gestaltet 🙂
    Liebe Grüße, Finnja

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    1. Ach so. Ich kam mir sehr schlau vor, weil die Anordnung der Spüle (-> von rechts, schmutzig, nach links, sauber, arbeiten ) für Linkshänder​ günstiger ist. Aber ist auch egal, ich habe es als Rechtshänder auch so und keine Probleme!

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