… keine Pille mehr – ein Jahr später?

Als ich neulich bei der Arbeit zum wiederholten Male das Datum schrieb, fiel mir plötzlich auf, dass ich nun schon seit etwas mehr als einem Jahr keine Pille mehr nehme.

Meine damalige, sehr spontane Entscheidung, fortan auf sie zu verzichten, stellte sich als eine der besten Entscheidungen aller Zeiten heraus.

Im ersten Beitrag zu diesem Thema beschrieb ich genau, welche Beschwerden mich dazu trieben, ein Leben ohne Pille auszuprobieren – der wichtigste Punkt war meine immer schlimmer werdende Migräne.
Jetzt, ein Jahr später, kann ich gar nicht fassen, wieviel besser die Migräne geworden ist; obwohl ich im letzten Monat viel Migräne hatte – ungefähr elf, zwölf Tage, davon acht mit nur einem Tag Pause -, hatte ich im vergangenen Jahr zusammengerechnet weniger Migräne als in den Jahren zuvor in drei Monaten.
Der letzte Monat begünstigte meine Migräne aufgrund des Wetters, dahingehend bin ich mir sicher; schwüle, drückende Luft konnte ich noch nie gut haben und ein ständiger Wechsel zwischen strahlendem Sonnenschein und plötzlichen Gewittertagen verursachte mir schon als Kind Kopfschmerzen – damals wusste ich nur nicht, dass das Migräne ist.

Obwohl mich diese vielen Migränetage, die ich nun hatte, unglaublich angestrengt haben, war ich wenige Tage nach der Migräne wieder fröhlich wie eh und je; während ich bis vor einem Jahr nur von Migräne zu Migräne lebte und immer Angst hatte, sie könnte wiederkommen, bin ich mir gerade sehr sicher, dass ich bis zur nächsten zyklusbedingten Attacke migränefrei bleibe.
Auch die Art der Migräne hat sich so stark verändert, dass ich nicht mehr ständig Angst davor habe. Angenehm ist sie weiterhin nicht und als ich jetzt acht Tage am Stück fast durchgehend Migräne hatte, war ich einfach zu erschöpft und der Übelkeit zu nahe, um arbeiten zu gehen, doch die Schmerzen sind nicht mehr so schlimm, dass ich weinend im Bett liege und denke, mein Kopf platzt gleich. Im Gegenteil, meistens kann ich meine Beschwerden durch Medikamente lindern oder sogar beseitigen; das ist ein unglaublicher Zugewinn an Lebensqualität!

Im letzten Beitrag erzählte ich, dass mein Neurologe und ich beschlossen haben, meine Dosierung zu halbieren, um zu testen, ob ich bei gleicher Wirkung weniger schläfrig werde – fast drei Monate später weiß ich, dass es klappt, ich jedoch an manchen Tagen eine zweite Tablette nehmen muss, damit die Wirkung länger anhält; das ist ein Vorgehen, mit dem ich sehr gut leben kann.
Meine Aura ist weiterhin so gut wie weg; nur noch selten habe ich Sprachstörungen, während das Armkribbeln sogar vollständig verschwunden ist. Meistens bemerke ich einfach anhand eines diffusen Gefühls, dass ich bald Migräne bekommen werde und bin dann nicht überrascht, wenn sie wirklich auftritt.

Seit ich ohne Pille lebe, begeistert mich ausserdem mein Zyklus jeden Monat mehr; ich weiß mittlerweile ganz genau, an welchem Zykluspunkt ich bin und kann es auch an Haut, Haaren und Stimmung festmachen.
Ich beobachte voller Faszination, wie sich Monat für Monat die Abläufe in meinem Körper wiederholen und bemerke nun schon früh, wenn ich meinen Eisprung habe oder meine Periode bald einsetzen wird.
Die Sorge, dass ich ohne Pille unglaubliche Menstruationsbeschwerden bekommen könnte, war vollkommen unberechtigt; ich habe meine übliche, nur noch leichte Migräne, mehr oder weniger starke Unterleibsschmerzen und selten Rückenschmerzen – insgesamt sind die Beschwerden deutlich weniger als mit Pille.
Mein Hautbild ist kurz vor der Menstruation immer eine Katastrophe, aber wenn man das weiß, kann man gut damit umgehen; die Teeniehaut verschwindet schließlich wieder genau so schnell, wie sie gekommen ist.

Auch mein Heuschnupfen, den ich bereits im letzten Beitrag ansprach, ist weiterhin ungewohnt harmlos.
Nachdem er die letzten Jahre immer schlimmer geworden war und ich letztes Jahr regelmäßig mit verstopfter Nase im Bett saß und nicht schlafen konnte, selbst, wenn ich alle vier Wochen Cortison spritzen ließ, hatte ich dieses Jahr noch keine einzige schlaflose Nacht wegen meines Heuschnupfens. Irgendwann ließ ich mir eine Cortisonspritze geben – ich weiß gar nicht mehr, wann, so lange ist das her! An schlimmeren Tagen reichen endlich wieder Tabletten und meistens kann ich vollkommen ohne Medikamente leben.

Nun, was kann ich also nach einem Jahr ohne Pille sagen?

Ich fühle mich befreit.
Mir geht es so gut wie lange nicht mehr und ich habe endlich nicht mehr das Gefühl, mit meinen dreissig Jahren mehr Zipperlein zu haben als der durchschnittliche Siebzigjährige. Kurz vor meiner Entscheidung, die Pille abzusetzen, gab es viele Tage, an denen ich unglaublich traurig war ob meiner körperlichen Verfassung. Ich konnte nirgendwo hingehen, ohne Medikamente mitzunehmen; Schmerzmittel für leichte Migräne, Migränetabletten für stärkere Migräne, Heuschnupfentabletten, Minzöl gegen die verstopfte Nase, Salbe für die kaputte Nase – es kam mir vor, als sei ich unglaublich krank, weil all diese Nebenwirkungen zusammentrafen. Ich war unausgeglichen, weinte für meine Verhältnisse oft und fand den Gedanken, dass das immer schlimmer werden könnte, wie es die Jahre davor stetig der Fall gewesen war, unerträglich.

Jetzt weiß ich oft nicht einmal, wo meine kleine Kosmetiktasche mit Medikamenten überhaupt ist. Sie liegt in irgendeiner Tasche. Ich weiß, wo meine Migränemedikamente liegen und habe im Badezimmer Ibuprofen und Heuschnupfenmedikamente, doch ich muss das alles nicht mehr ständig mit mir herumtragen. Ich bekomme keine Angst mehr, wenn ich unterwegs bin und bemerke, dass ich meine Tabletten nicht dabei habe; selbst, wenn ich sie nicht sofort parat habe, weiß ich, dass meine Beschwerden nicht so schlimm werden, dass ich es nicht aushalten kann. Vor einem Jahr bekam ich häufig so plötzlich heftige Migräne, dass ich mir nicht mehr zutraute, mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren; jetzt weiß ich, dass ich es auf jeden Fall bis nach Hause schaffe und dann in Ruhe meine Medikamente nehmen kann.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich die Entscheidung gegen die Pille in keinster Weise bereue; ich würde es immer wieder genau so machen!

In den nächsten Monaten will ich konsequenter ausprobieren, ob Ausdauersport die Restmigräne bessert; in den letzten Monaten ließ ich das immer wieder schleifen, doch jetzt habe ich mir vorgenommen, bis Dezember wieder auf den Trainingsstand von vor fünf Jahren zu kommen – so habe ich sowohl die Migräne als auch dieses Ziel als Anreiz, zum Sport zu gehen.

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14 Gedanken zu “… keine Pille mehr – ein Jahr später?

  1. Danke für den ausführlichen und ehrlichen Beitrag! Ich habe sie nach 9 Jahren vor 1,5 Jahren abgesetzt und mir geht es psychisch um vieles besser, bin quasi aus einer Art Halbschlaf erwacht.
    Liebste Grüße 🙂

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    1. Hi Lisa!

      Oh ja, meine Psyche hat sich auch gebessert, unabhängig davon, dass ich befreiter bin wegen der Migräne. Ich bin nicht mehr so reizbar und irgendwie ausgeglichener, das fühlt sich sehr schön an.

      Liebe Grüße
      Silja

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  2. Hallo Silja,
    ich schon wieder … Wenn ich mal angestoßen werde, bin ich kaum noch zu stoppen … 😉
    Bezüglich Migräne, Heuschnupfen und anderer gesundheitlicher Probleme:
    Hast Du schon einmal von Dr. med. Max Otto Bruker gehört?
    Grob zusammengefasst, geht es darum Fabrikzucker, Auszugsmehle und Fabrikfette strikt zu meiden und viel Frischkost zu sich zu nehmen, was auch rohes Getreide einschließt.
    Das klingt anfänglich vielleicht ungewöhnlich und schlecht durchführbar. Ich ernähre mich allerdings seit mittlerweile ca. fünf Jahren vollwertig nach Dr. Bruker – mal mehr, mal weniger konsequent, muss ich leider gestehen (mit Familie ist das manchmal nicht so leicht konsequent durchzuziehen …). Und es funktioniert wirklich gut, wenn man dafür aufgeschlossen ist und nicht gleich jammert „Was kann ich denn dann überhaupt noch essen? Dann habe ich ja gar keinen Spaß mehr am Leben!“ usw. usf.
    Und aufgeschlossen bist Du ja, denke ich. Immerhin ernährst Du Dich vegan, nicht wahr?
    Bücher von Dr. Bruker, die ich (auch mehrmals) gelesen habe und Dir ans Herz legen kann, sind u. a. „Unsere Nahrung – unser Schicksal“, „Der Murks mit der Milch“, „Zucker, Zucker“ und auch viele speziell über bestimmte gesundheitliche Beschwerden, z. B. auch über Allergien („Allergien müssen nicht sein“), Kopfschmerz und Migräne (letzteres habe ich nicht gelesen).
    Die ersten drei sind wahre Augenöffner für mich gewesen. Man lebt so sehr mit all dem Überfluss in den Supermärkten, mit den Meter um Meter langen Regalen gefüllt mit dieser überbordenden Menge industriell hergestellter Nahrungsmittel, dass man gar nicht auf die Idee kommt, dass es doch eigentlich ganz anders sein sollte und bis vor wenigen Jahrzehnten auch so war …
    Ich bin übrigens nicht verwandt mit diesem Herrn, der leider auch schon verstorben ist. Ich bin nur überzeugt davon, dass die Menschheit sich viel zu weit von der Natur entfernt hat (zumindest der sogenannte „zivilisierte“ Teil davon …) und sich mit der ganzen Industrienahrung ihre Krankheiten weitestgehend selber „bastelt“. Von der Natur kann es meiner Meinung nach nicht vorgesehen gewesen sein, dass der menschliche Körper Dinge zu sich nimmt und verstoffwechseln muss, die von Maschinen zig Male verarbeitet und verändert worden sind, bis sich kein Leben mehr in ihnen befindet, deren Rezepturen in Laboren erfunden werden und die mit etlichen Zusatzstoffen versehen werden, damit sie von den Maschinen besser verarbeitet werden können, die Endprodukte immer ganz genau gleich werden, in der Verpackung besser aussehen, länger gut aussehen und halten, damit sie schmecken (und der potentielle Käufer sie auch – immer wieder – kauft) und was weiß ich noch alles.
    Auch ein nettes Büchlein zum sozusagen Einstimmen in eine andere Ernährungsweise ist „64 Grundregeln ESSEN – Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte“ von Michael Pollan.
    Das ist auch sehr unterhaltsam geschrieben und es ist vergnüglich, es zu lesen.
    Die Bücher von Dr. Bruker sind ebenfalls alle nicht wissenschaftlich verfasst, sondern so, dass auch der Laie verstehen kann, worum es geht. Wobei Du ja kein Laie bist. 🙂 Was allerdings vielleicht ein kleines Problem darstellen könnte, da die Bruker-Bücher evtl. einiges auf den Kopf stellen könnten, das für Dich seither selbstverständlich war …
    Leider habe ich oft die Aussage gehört, was denn das Essen mit der Gesundheit zu tun haben soll … So was bekommt man von Medizinern wie auch von Nicht-Medizinern immer mal wieder zu hören …
    Entschuldige bitte, schon wieder so ein ellenlanger Kommentar …
    Ich wünsch Dir alles Gute!
    Liebe Grüße
    Sylvia

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    1. Hallo nochmal! 😄

      Von Dr. Bruker hatte ich in der Tat noch nicht gehört. Klingt eigentlich ganz gut, aber da ich mich ja kenne, ist das glaube ich einfach aktuell noch nichts für mich; ich ernähre mich schon wesentlich gesünder als früher, “brauche“ aber einfach manchmal Quatschessen; je nachdem, wie ich arbeite, ist Konsequenz beim Essen auch nicht drin. Meine hauptsächliche Nahrung versuche ich aber auch, möglichst unverarbeitet zu kaufen, weil ich sowieso denke, dass Essen nicht erst ewig bearbeitet sein sollte.

      Meine Allergie und Migräne versuche ich gerade erstmal noch ein wenig mit Sport zu bekämpfen, mal sehen, was das so bringt. 😄

      Dass Menschen den Zusammenhang zwischen Essen und Gesundheit nicht sehen, ist mir schleierhaft!

      Nochmal liebe Grüße!
      Silja

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  3. Hey,
    Schön, dass dir das so enorm viel gebracht hat, auf die Pille zu verzichten. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit der Pille gemacht und habe es inzwischen auch nicht mehr vor. Nachdem ich einige Geschichten und Meinungen zur Pille gehört habe, sehe ich es überhaupt nicht ein, sie überhaupt auszuprobieren. Es bleiben immer noch Hormone und damit Medikamente, die man sich dann täglich einwirft. Schade, dass dahingehend oft so wenig gut beraten wird.
    Liebe Grüße, Finnja

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    1. Hi Finnja!

      Hätte ich vor Beginn der Pilleneinnahme all die Geschichten gehört, die ich mittlerweile hörte, hätte ich wohl auch nie damit begonnen. 😄
      Die Beratung ist wirklich fragwürdig; sicherlich wurde ich, als ich die Pille wollte, auf Nebenwirkungen hingewiesen, aber sobald du sie einmal nimmst, spricht niemand mehr an, ob du Beschwerden hast, die nicht offensichtlich von der Pille kommen. Wie viel eher ich es sonst rausbekommen hätte! 😱

      Liebe Grüße
      Silja

      Gefällt 1 Person

  4. Hello 🙂
    Ich nehme nun seit 3 Monaten die Pille nicht mehr und mir geht es jetzt schon so viel besser! Bei mir war es ebenfalls eine kurzfristige Entscheidung, ich hab sie eibfach von heute auf morgen nicht mehr nehmen wollen. Ich hatte auch heftige Migräne und hatte sogar einen Verdacht auf einen Tumor, weil ich immer und ständig Schwindelanfälle aus dem Nichts bekam und mir nur schwer neue Dinge merken konnte. Eine Psychotherapie habe ich auch schon hinter mir, weil der Arzt meinte ich würde mir die Symptome nur einbildeb. Dass es auch an der Pille liegen könnte hat niemand vermutet. Ich musste es einfach versuchen. Ich hab jetzt seit 3 Monaten keine Beschwerden mehr. Mir geht es hervorragend und ich hoffe dass es auch wirklich mal so bleibt. Der Körper braucht ja eine Weile, bis der ganze Mist mal abgebaut ist. LG Jessy von JesteronTour

    Gefällt 2 Personen

    1. Hi Jessy!

      Meine Ärzte kamen auch nicht auf die Idee, dass es an der Pille liegen könnte; gut, dass man manchmal einfach auf’s eigene Gefühl hört. 🙂
      Schön, dass es dir auch besser geht ohne Pille! Das hat einfach so zu bleiben! 😄

      Liebe Grüße
      Silja

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  5. Ich hatte auch jahrelang Migräne vor der Periode – bei mir fehlte nur Progesteron. Vielleicht wäre das ne Idee für dich – google mal nach bioidentischem Progesteron.
    liebe Grüße Gabi
    PS oder lies das Buch von Platt: die Hormonrevolution

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