… Öko und stolz darauf?

Menschen, die bewusst auf unsere Umwelt achten, waren für mich lange Sonderlinge.

Nicht nur für mich, habe ich den Eindruck – allgemein gelten in der Gesellschaft eher diejenigen als „komisch“, die sich Gedanken um den Fortbestand unseres Planeten machen, als diejenigen, die sämtliche Ressourcen verballern, als gäbe es kein Morgen.

Noch vor wenigen Jahren machte ich mir selten Gedanken darum, wie ich ökologischer leben könnte; ich verzichtete auf Plastiktüten beim Einkauf und benutzte Recyclingtoilettenpapier, jedoch lediglich, weil es für mich einfach selbstverständlich war; dass ich damit erste Schritte Richtung Öko ging, war nicht geplant.
In den letzten zwei, drei Jahren (vielleicht auch vier) begann ich, vermehrt gängige Dinge in Frage zu stellen – ich begann, Leitungswasser zu trinken und eine Menstruationstasse zu nutzen; beides in dem Bewusstsein, damit ressourcenschonender zu handeln als zuvor.

Dass ich einmal zum Öko werde, hatte ich angesichts meines bisherigen Lebensstils nicht erwartet; wenn ich mir einmal meine Vorfahren anschaue, wundert es mich jedoch nicht.
Eine Tante meiner Mutter oder meines Vaters, ich vergesse es immer wieder, ging gerne in Birkenstockschlappen Brennesseln und andere Kräuter sammeln, um daraus Tee, Suppe, Allheimittel und Sonstiges zu brauen; meine Mutter hatte in meiner Kindheit eine Phase, in der sie versuchte, uns mit Hirse und Buchweizen zu versorgen – in Papas Worten: „Gibt’s wieder Vogelfutter?“.
Meine Oma gärtnerte immer fleissig vor sich hin; schon als Kind begeisterten mich ihre Beerensträucher und die Artenvielfalt in ihrem Garten. Kein Wunder also, dass ich nun selber auf meinem Balkon so viel anbaue, dass ich manchmal kaum noch Platz darauf habe.
Meine Tante läuft Zeit meines Lebens in Leinen herum, rasiert sich entweder nie oder nur passend zu Familienfeiern nicht, und ich glaube, ich habe sie noch nie geschminkt gesehen.
Ein kleiner Hang zum Ökodasein wurde mir also offenbar in die Wiege gelegt; ich unterdrückte ihn nur lange.

Nachdem der Öko in mir einmal freigelassen wurde, gab es kein Halten mehr – ich nutze Holzzahnbürsten statt Plastikzahnbürsten, feste Seife oder nur Wasser, um mich zu waschen, einen Rasierhobel, Zahnputztabletten (all das findet ihr ausführlicher hier beschrieben), Essig statt Weichspüler, habe nach und nach all mein Plastik in der Küche gegen Holz ausgetauscht, kaufe lose ein und brauche Dinge auf, statt sie wegzuwerfen oder ständig neues zu kaufen; aktuell trage ich zum Beispiel erst einmal die Kleidung, die ich habe, statt immer und immer wieder neues zu shoppen, wie ich es lange tat.

Kaufe ich doch einmal neue Gegenstände, versuche ich, möglichst secondhand zu kaufen – so nutze ich bereits vorhandenes und schone unsere Ressourcen. Möchte ich etwas nicht mehr haben, verschenke oder verkaufe ich es, sofern es noch zu gebrauchen ist; früher warf ich einfach alles weg, wenn es für mich überflüssig war.
Mein Konsum ist dadurch automatisch bewusster geworden; oft stehe ich im Laden, habe etwas in der Hand und lege es dann wieder zurück, weil ich weiß, dass ich es eigentlich nicht brauche, sondern einfach nur besitzen will. Selten gibt es Ausnahmen, zu denen ich mir Quatschkäufe erlaube – wenn ich zum Beispiel einmal im halben Jahr meine beste Freundin treffe und wir ein T – Shirt mit Hamburgern und Hotdogs darauf entdecken, darf das schon mal mit.

Beschäftigt man sich lange genug damit, wie man die Umwelt schonen kann, entschleunigt man ganz von selbst sein Leben ein wenig; wo ich früher einen „Coffee to go“ bestellt hätte, plane ich heute oft vorab mehr Zeit ein, um mich gemütlich hinzusetzen und einen Kaffee zu trinken.
Durch mein bewussteres Konsumverhalten habe ich mehr Freizeit, weil ich nicht mehr zur Beschäftigung shoppen gehe. Kaufe ich Nahrung ein, nehme ich mir Zeit, in aller Seelenruhe nach losen, möglichst regionalen Lebensmitteln zu suchen; dafür gehe ich auch gerne in zwei oder drei Geschäfte. Lebensmittel einkaufen sollte eigentlich keine Last sein, sondern eine Freude – es geht dabei schließlich um die Dinge, die uns am Leben halten.

Während ich früher Menschen wie mich über alle Maßen seltsam fand, empfinde ich so mittlerweile gegenüber Menschen, die überhaupt nicht auf unsere Umwelt achten. Wir haben nur diese eine Erde und ich frage mich, wann das endlich bei Allen ankommt.
Es tut nicht weh, nach umweltbewussteren Alternativen zu unseren alltäglichen Dingen zu suchen; alles, was es kostet, ist Zeit. Zeit, die wir oft nicht gewillt sind, uns zu nehmen, weil wir dadurch das nächste Fußballspiel verpassen könnten. Eine Verabredung sausen lassen müssten. Vielleicht mal etwas nachforschen müssten, statt mit einem Bier auf dem Balkon zu sitzen.
Was wir dabei nicht bedenken, ist, dass niemand mehr überhaupt Zeit für irgendetwas hat, wenn wir fleissig unseren Planeten zugrunde richten – dann gibt es ihn nämlich nicht mehr.
Statt zum Weihnachtsshopping nach Prag zu fliegen, fahre ich also lieber mit dem Rad in die münsteraner Innenstadt oder vielleicht mit dem Zug nach Dortmund, damit nach mir noch viele Generationen Weihnachtsshopping betreiben können (Geschenke kann man übrigens toll in Packpapier und Papierkordel einpacken!). Wenn man mich für sonderbar hält, weil ich die Stirn runzle, wenn ich von Wochenendtrips mit dem Flugzeug höre, ist das in Ordnung; meinetwegen kann man auch darüber lachen, dass ich mir mit Holz die Zähne putze.
Solange ich mich wohl fühle und meinen jetzigen Lebensstil befreiender finde als meinen alten, ist alles gut.
Mit meinem jetzigen Lebenswandel fühle ich mich naturvebundener und sehe viel öfter die Schönheit, die die Natur hervorbringt; früher nahm ich das überhaupt nicht wahr, weil ich so darauf fixiert war, was der Mensch erschaffen hat.

Vielleicht wird man mich eines Tages sogar sehen, wie ich einen Baum umarme – dann ist das eben so; wenn es mich glücklich macht, warum nicht?

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4 Gedanken zu “… Öko und stolz darauf?

  1. Hallo Silja,
    jetzt muss ich doch endlich einmal etwas schreiben. Ich lese jetzt seit etwa zwei oder drei Wochen Deinen Blog – begonnen habe ich bei Deinem Haarexperiment (bin dadurch nun auch endlich da eingestiegen; heute ist Tag 32 mit nur Bürsten).
    In vielen Dingen, die Du schreibst, erkenne ich mich oft wieder – nicht nur hier in diesem Beitrag, sondern auch in vielen anderen, besonders was das Oma- und Second-Hand-Zeugs angeht. Deine Küche ist toll! Auch die Katzenmöbel. Du bist mir sehr sympathisch!
    Bei Deinem letzten Satz hier oben musste ich schmunzeln: Wir haben in unserem Garten eine Eiche und eine Linde. Die Linde ist 118 Jahre alt! Ich habe sie schon öfter einfach so umarmt (die Eiche auch) und es war mir egal, was wohl die Nachbarn denken, wenn sie das sehen. Mach das ruhig auch mal. Fühlt sich toll an. 🙂
    Die Nachbarn denken bestimmt sowieso, dass wir Sonderlinge sind (wir haben Kompostklos (selbst gebaut natürlich); wir nutzen in der Küche statt eines E-Herdes unseren alten Küchenbeistellherd (leider ohne Backofen, dafür habe ich mir (als vorübergehende Notlösung) einen kleine Pizzabackofen gekauft); ich kaufe keine Industrie-Fertigprodukte, sondern mache alles selber; ich versuche gerade, meinen Selbstversorgergarten in Schwung zu bringen; wir haben eine Benjeshecke im Garten angelegt und jede Menge wilder Ecken – ich lasse gerne überall, wo es möglich ist, alles Mögliche (Wilde) wachsen, statt es wegzumähen und auszurupfen (und erfreue mich auch noch dran …) – wegen der Insekten und Kleintiere).
    Wir verstehen uns aber trotzdem gut mit ihnen. Mit den Nachbarn. Mit den Insekten und Kleintieren aber auch. 😀
    Unsere Einwegrasierer (die meiner Tochter und von mir) stören mich auch. Hab gerade auch Deinen Rasierhobel-Beitrag gelesen. Den werde ich mir auch zulegen! Ich wusste gar nicht, dass es so was noch zu kaufen gibt!
    Die erste Rasur an meinen Beinen habe ich übrigens damals mit dem Hobel meines Papas durchgeführt. 🙂
    Woher bekommst Du Deine Zahnbürsten? Ich benutze die Bambuszahnbürsten von Baumfrei, die eben aber von weit her – aus China – kommen. Aber immerhin kann ich sie komplett kompostieren.
    Deo habe ich übrigens vor ein paar Jahren abgeschafft. Seither benutze ich Natron. Kaiser-Natron ist allerdings ziemlich grob. Mittlerweile habe ich im Internet einen Hersteller gefunden, der sehr feines im 5-kg-Eimer anbietet. Das funktioniert super! Einfach die Finger etwas mit Wasser benetzen und ein wenig Natron drauf stauben und in den Achselhöhlen verteilen. Wirkt besser als Deo, was bei mir immer eher einen ekelhaften Geruch verursacht hat, statt vor Geruch zu schützen. Und es gibt keine Flecken an der Kleidung. Und es ist umweltfreundlich. 🙂
    Auch die Zähne kann man damit sehr gut putzen (schmeckt nur nicht so erfrischend, dafür müsste man es dann wieder auf die eine oder andere Weise zubereiten; gibt ja unzählige Rezepte dafür im Internet).
    Essig verwende ich auch statt Weichspüler. Auch zum Putzen ist der prima – ich lege – statt sie wegzuwerfen – Orangenschalen in Essig ein und lasse sie ein paar Wochen durchziehen. Nach dem Abseihen kommt das Ganze in eine alte Badputzmittel-Sprühflasche und schon kann man damit Waschbecken, Dusche, Spülbecken etc. putzen.
    Bitte entschuldige, dass mein Kommentar so lang geworden ist. Dein Artikel hat einfach so viel hergegeben! 🙂
    Liebe Grüße
    Sylvia

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    1. Hallo Sylvia!

      Und, wie läuft’s Bürsten? 😄

      Ich umarme bestimmt eines Tages aus einer Laune heraus einen Baum; wenn nicht, würde ich mich wundern.

      Euer Garten und generell eure Lebensweise klingen für mich total toll! Eines Tages möchte ich auch gern einen großen Garten mit vielen Nutzpflanzen haben statt meines Balkons.

      Jaa, Rasierhobel sind klasse!

      Ich bestelle meine Zahnbürsten in Onlineshops, in denen ich Care Elite gerade finde; der Chinateil gefällt mir auch nicht, aber ich fürchte, irgendwo muss man Abstriche machen.

      Deo und Deoersatz benutze ich gar nicht mehr, ich wasche mich dann einfach bei Bedarf. 😁
      Mit Zahnputzzeug will ich nicht experimentieren, meine Zähne haben nicht den geilsten Zahnschmelz.

      Zum Orangenessig ansetzen fehlen mir die Orangen, deshalb nehme ich ihn einfach pur. 😄

      Ach, von Kommentaren lebt ein Blog! 🙂

      Liebe Grüße
      Silja

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