… keine Pille mehr – eine Langzeitstudie?

Seit ich das letzte Mal darüber schrieb, wie es mir ohne Pille geht, ist eine ganze Weile vergangen – kurzzeitig hatte ich Sorge, meine Migräne werde wieder so schlimm wie mit Pille.

In einem eigenen Beitrag, in dem ich erklärte, warum mein Blog seltener bestückt wurde beziehungsweise wird, erzählte ich bereits etwas davon, um klarzustellen, dass ich nicht die Lust am Bloggen verloren habe, sondern gerade meinen Körper in den Mittelpunkt rücken muss.

Seit ich Anfang November den Entschluss fasste, mein Leben ein wenig ordentlicher und ruhiger zu gestalten, spüre ich wieder die positiven Veränderungen, die mit dem Absetzen der Pille kamen; offenbar reichte diese Änderung kurzfristig aus, um meine Migräne enorm zu bessern, ist langfristig jedoch nicht als alleinige Maßnahme zielführend.

Seit November gehe ich regelmäßig spazieren, halte meine Wohnung ordentlich, nehme täglich 800 Milligramm Magnesium (Migränehirne brauchen mehr Magnesium als „normale“ Hirne, lernte ich) und arbeite an unserem ruhigsten Arbeitsplatz.

Das Ergebnis: Ich habe weiterhin zum Eisprung und zu Menstruationsbeginn Migräne, jedoch ist diese nicht einmal ansatzweise so schlimm wie meine Anfälle der letzten Jahre.
Sobald ich bemerke, dass sich Aurasymptome anbahnen, nehme ich zusätzlich zu meinem täglichen Magnesium ein Magnesiumdirektgranulat; das Magnesium wirkt entspannend und behebt meine Aura innerhalb kürzester Zeit. Ist sie einmal unerwartet hartnäckig, trinke ich einen schwarzen Kaffee – auch dieser hilft erstaunlich gut.
Zur Migräne kommt es dann meistens erst Stunden später; sie äußert sich nur noch mit leichten Kopfschmerzen, die in 90% der Fälle durch die Einnahme niedrig dosierter Triptane (eine Medikamentengruppe speziell gegen Migräne) verschwinden. Gönne ich mir dann Ruhe, ist die Migräne nach ein bis zwei Tagen weg, ohne, dass ich gelitten habe – sie war wahrnehmbar, doch überhaupt nicht schlimm.

Seit Anfang November hatte ich durch diese Veränderungen erst einmal so schlimm Migräne, dass ich mich krankmelden musste – das ist eine unglaubliche Verbesserung, denn vorher war ich wieder so weit, dass ich jeden Monat zwischen fünf und zehn Tagen wegen meiner Migräne fehlte.

Während ich zur Verbesserung der Migräne also mehr machen musste, als nur die Pille abzusetzen, sind andere Dinge ganz von selbst besser geworden.

Mein Zyklus ist weiterhin unglaublich regelmäßig; an meinem Körper kann ich genau sehen, was gerade passiert. Nähere ich mich dem Eisprung, habe ich wunderbar reine, strahlende Haut und sehe allgemein aus, als sollte man mich unbedingt befruchten – mein Körper will wohl Männchen zur Paarung anlocken, so scheint es.
Je näher ich dann dem Menstruationsbeginn komme, desto unreiner wird meine Haut; die lange immer wiederkehrende Pickelkatastrophe bleibt jedoch mittlerweile aus. Zwar wachsen noch Pickel, doch ich habe nicht mehr lauter kleine Minipickel auf der Stirn und auch mein Kinn sieht nicht mehr aus, als sei ich in Schotter gefallen.

Auch meine anderen Beschwerden zu Eisprung und Menstruation halten sich in Grenzen.
Hier mal ein Ziehen, da ein Stechen, Ausfluss, der den Zykluszeitpunkt verrät (Iiih, das kannst du doch nicht sagen!) – sonst nichts.
Ich glaube, ich kannte meinen Körper noch nie so gut wie jetzt.
Um nicht mehr so müde zu sein, wenn ich meine Tage bekomme, wählte ich für meine Magnesiumzufuhr ein Präparat, das zusätzlich Eisen enthält; bevor ich diese Tabletten nahm, hätte ich an den ersten Menstruationstagen im Stehen einschlafen können! Jetzt bemerke ich keinen Leistungsabfall mehr und kann einfach ganz normal weiterleben; das ist sehr entspannend.

Auch mein Heuschnupfen, den ich in Verdacht hatte, durch die Pille so extrem geworden zu sein, ist weiterhin kaum noch wahrnehmbar; gerade überlege ich, mir aus Komfortgründen Cortison spritzen zu lassen, weil ich ab und zu sehr nerviges Gaumenkitzeln und Niesattacken habe, doch ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann ich zuletzt wach im Bett lag, weil ich keine Luft mehr bekam.
Da diese unglaubliche Verbesserung mit Absetzen der Pille eintrat, glaube ich weiterhin, dass mein Körper die Hormone einfach nicht mehr vertragen hat.

Meine Stimmung ist weiterhin zyklusabhängig etwas schwankend, doch insgesamt bin ich unbeschwerter und ruhiger.
Ich lasse mich nicht mehr so leicht reizen, bin befreit und meistens gut gelaunt – so, wie ich früher war. Wenn die Hormone ein bisschen durchdrehen und mein Körper sich auf die Blutung vorbereitet, neige ich dazu, nahe am Wasser gebaut zu sein; gut, damit erfülle ich ein Klischee, doch damit kann ich durchaus leben!

Eineinhalb Jahre nach dem Absetzen der Pille bin ich also gerade glücklicher mit meiner Entscheidung, als ich je zu hoffen gewagt hätte.
Die Pille abgesetzt zu haben, bereute ich noch keinen Moment ernsthaft. Zwischenzeitlich zog ich kurz in Erwägung, doch eine Minipille auszuprobieren, als die Migräne wieder schlimmer wurde, doch Dank meiner selbst auferlegten Verhaltenstherapie (von der mein Neurologe übrigens sehr begeistert ist) konnte ich diesen Gedanken schnell wieder verwerfen; mir war bei dem Gedanken auch nicht wohl.

Würde ich Anderen empfehlen, die Pille abzusetzen, wenn sie das Gefühl haben, sie nicht zu vertragen?

Jederzeit.
Die Veränderungen, die der Körper danach durchläuft, sind faszinierend und manchmal ein bisschen gruselig, doch es lohnt sich meiner Meinung nach; hat sich der Körper einmal wieder eingependelt, bemerkt man erst, wie sehr die Pille einen verändert hat.
Ich bin gespannt, wie sich mein pillenfreies Leben in Zukunft entwickelt; ein wenig hoffe ich, dass der jetzige Zustand meinen normalen Hormonhaushalt widerspiegelt – so kann man nämlich wunderbar leben!

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5 Gedanken zu “… keine Pille mehr – eine Langzeitstudie?

  1. Es freut mich sehr dass du deine Migräne unter Kontrolle hast!
    Ich hab selber vor 1,5 Jahren die Pille abgesetzt und bin genau so fasziniert von meinem Körper (und was der so alles schafft!) wie du 🙂 Wenn mich Freundinnen fragen ob sie auch die Pille absetzen sollen weil sie ähnliche Probleme haben sage ich immer ja auf jeden Fall ausprobieren!

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