… Foodsharing?

Als ich gerade, Samstagnachmittag um 18 Uhr, einkaufen ging, fiel mir auf, dass ich einen Fehler begangen hatte.

Es ist der Samstag vor Rosenmontag; einer dieser Tage also, an denen sich ganz Deutschland unweigerlich einer Hungersnot nähert, weswegen die gesamte Bevölkerung wie eine Heuschreckenplage über die Supermärkte herfällt.

Vollkommen bescheuert, wo wir doch jedes Jahr tonnenweise Lebensmittel wegwerfen.

Statt einfach mal aufzubrauchen, was wir zuhause haben, kaufen wir immer wieder Lebensmittel ein und vergessen, dass im Küchenschrank noch ausreichend Nahrung vorhanden ist. So lange, bis wir uns davor ekeln, sie noch zu essen, schließlich ist das Mindeshaltbarkeitsdatum schon seit einem Jahr abgelaufen. Das Essen landet im Müll und wir kaufen neues ein, das wir dann wieder im Schrank vergessen. Immer weiter und weiter, ohne darüber nachzudenken, wie dekadent dieses Verhalten ist.

Auch mit frischen Lebensmitteln verfahren wir oft nicht besser; wir gehen in den Supermarkt, kaufen drei Äpfel, und zuhause bemerken wir, dass wir noch zwei hatten. Naja, die sind aber nicht mehr so ganz frisch und wir haben neue, also können die alten in die Tonne. Macht doch nichts, wir haben schließlich genug davon. Ist doch egal, dass anderswo Menschen verhungern, die haben auch nicht mehr Essen, wenn ich meins nicht wegwerfe.

Das ist zwar richtig, macht unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln aber nicht besser.

Wir schätzen oft gar nicht mehr wert, was wir da in der Hand halten; Lebensmittel haben diesen Namen, der eigentlich sehr gut ausdrückt, was sie sind – sie erhalten uns am Leben.
Ohne Lebensmittel sterben wir; darin, Dinge zu verprassen, die uns am Leben halten, sind wir aber ausgesprochen gut – Bäume zum Beispiel fällen wir auch gerne, die machen schließlich nur diesen komischen Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen.

So sehr ich verstehen kann, dass man ein abgelaufenes oder bald ablaufendes Produkt womöglich aus vollkommen irrationalem Ekel, Unlust oder einfach Zeitmangel nicht mehr essen möchte, so wenig verstehe ich, warum man es dann einfach wegwirft; es gibt immer jemanden, der sich noch darüber freut.
Weil ich vor einigen Jahren diesen Gedankengang hatte, als ich mich ärgerte, wegen einer anstehenden Reise Gemüse wegwerfen zu müssen, erkundigte ich mich, ob es ein Konzept gibt, das sich mit der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung befasst.

Ja, das gibt es – Foodsharing.

Zu Deutsch: Man verschenkt Essen, das man selber nicht mehr essen kann oder möchte; Voraussetzung dabei ist natürlich, dass es noch genießbar ist.

Die Umsetzung von Foodsharing ist in Zeiten des Internets recht unkompliziert; für meine Stadt (und auch für viele andere Städte) gibt es beispielsweise eine Facebookgruppe zu diesem Thema.
Wer Essen übrig hat, kann dieses in der Gruppe anbieten und interessierte Menschen melden sich; man verabredet Ort und Zeit für die Übergabe und in Nullkommanichts sind mehrere Menschen glücklich – die Einen konnten vermeiden, Essen wegzuwerfen, während die Anderen umsonst welches bekommen haben.
Was geteilt wird, ist vielfältig; es reicht von Konserven, die seit zwei Jahren ihr Dasein im Schrank fristen über Mehl, das versehentlich doppelt oder dreifach gekauft wurde bis hin zu frisch gekochtem Essen, bei dem man sich einfach in der Menge verschätzt hat.
Wer eine solche Gruppe nicht für seine Stadt findet, kann sie übrigens auch selber ins Leben rufen – das erfordert zwar etwas Einsatz, doch ich denke, wenn man mit Herzblut dabei ist, lohnt sich der Aufwand.

Wer abseits von Facebook aktiv werden möchte, kann ausserdem auf https://foodsharing.de/ Anschluss finden; die Initiative hat unterschiedliche Projekte, mit denen Lebensmittelverschwendung verringert wird – man kann als Privatperson Lebensmittel einstellen oder Teil eines Teams werden, das Lebensmittel bei Supermärkten abholt, die sonst im Müll landen würden, weil sie nicht mehr für den Verkauf zugelassen sind.

Eine weitere, noch recht junge, Möglichkeit, weniger Lebensmittel zu verschwenden, bietet die App „Too Good To Go“ (hier entlang zur Homepage).
Die App ermöglicht, zu einem deutlich reduzierten Preis überschüssige Lebensmittel von Restaurants zu erhalten.
Das beteiligte Restaurant wirft weniger weg, der Kunde bekommt leckeres Essen für wenig Geld – für beide Parteien also vorteilhaft.

Was sagt uns dieser Text?

Wir leben im Überfluss, das ist nichts Neues.
Neu ist jedoch, dass zunehmend Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir zu verschwenderisch leben.
Ich freue mich sehr über diese Entwicklung und kann nur raten, Foodsharing einmal auszuprobieren; anfangs ist es ein bisschen seltsam, mit fremden Menschen Essen auszutauschen, doch irgendwann ist es ganz selbstverständlich.

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